Thora Parasha

Parashat SCHOFTIM – פרשת שופטים

 

Photo: Miriam Woelke
 Die wiedererbaute HURVA – Synagoge in der Jerusalemer Altstadt

 

B“H
Die Thoralesung an diesem Schabbat
In Schoftim werden wir angewiesen, Schoftim (Richter) und Schotrim (Exekutive, Polizisten) zu ernennen. Die Richter sollen über die Vergehen gegen die Halacha richten und die Aufgabe der Schotrim ist es, die Ausführung der Strafe zu überwachen. Nur ehrliche und aufrichtige Richter garantieren die Sicherheit Israels im eigenen Land (Raschi und Sifre). Unter normalen Bedingungen beschützt G – tt die Juden mit all Seiner Macht vor Strafen. Selbst dann, wenn die Juden dessen unwürdig erscheinen. Aber solange Israel aufrichtige Richter hat, die ernsthaft und gemäß der Halacha und der Thora richten, ist die Schechinah (G – ttes Anwesenheit) immer präsent. Sobald die Richter jedoch durch Korruption glänzen sollten, entfernt sich G – ttes Schechinah und die Juden sind Seinem strengen Gericht ausgeliefert (siehe Gemara im Traktat Shabbat 139a und den Kommentar Iyun Yaakov). 
Laut einer Gemara im Talmud Traktat Shabbat 10a werden Richter als Partner G – ttes in der Welterschaffung gesehen. Rabbeinu Perachya erklärt uns diese Aussage näher: Diebe und Plünderer tragen zur Zerstörung der Welt bei. Aufgrund dieser Vergehen wurde die Welt schon einmal zerstört, nämlich zur Zeit Noachs (siehe Talmud Sanhedrin 108). Nur ein gerechter Richter, der gestohlene Beute wieder an ihren ursprünglichen Eigentümer zurückgibt, trägt zur weiteren Existenz der Welt bei. So gesehen ist er ein Partner G – ttes. 
Rabbi Yaakov Yosef von Polonoye (der Lieblingsschüler des Baal Shem Tov) sagt, dass alle Mitzwot (Gesetze) der Thora für alle Ewigkeiten Gültigkeit besitzen. Dies betrifft auch die Schoftim und Schotrim. Bis heute haben wir Batei Din, rabbinische Gerichte, mit drei Rabbinern, die über die Ausführung der jüdischen Gesetze (Halacha) entscheiden. 
G – tt befahl den Juden an jedem der folgenden Feiertage nach Jerusalem zu kommen: An Pessach, Shavuot (Wochenfest) und an Sukkot (Laubhüttenfest). Zu Tempelzeiten kamen Tausende Juden, aber auch Nichtjuden, nach Jerusalem und brachten Tempelopfer dar. Nicht selten kam es vor, dass die Angereisten dem Sanhedrin (Richterausschuß im Tempel) halachische Probleme und Fragen vortrugen, welche das Beit Din (rabbinisches Gericht) in ihrem Heimatort nicht lösen konnte. Hierbei handelte es sich um äußerst komplizierte Fragen, auf die nur die Sanhedrin spezialisiert waren (Rabbeinu Bachya). 
Hierzu ein Vergleich aus der Gemara im Talmud Traktat Sanhedrin 87a, in der es heißt das der Tempelberg zu Jerusalem (zusammen mit dem Tempel) der höchste Punkt in ganz Israel sei. Der berühmte Thora – und Talmudkommentator Raschi erklärt uns, wie die Aussage der Gemara zu verstehen ist. Bei dem höchsten Punkt handele es sich nicht um eine geographische Angabe, sondern vielmehr um die Tatsache, dass das Jerusalemer Gericht, der Sanhedrin, alle anderen Gerichte im Land übertrifft und somit die höchste Instanz darstellt. 
Immer wieder aufs Neue höre ich die Frage, warum immer alles so strikt nach der Halacha ablaufen muß und wieso soviele Rabbiner darüber entscheiden. Es stehe doch eh alles in der Thora und G – tt hat entschieden. Sind nicht die ganzen rabbinischen Regelungen gegen die Thora und somit auch gegen G – tt ? Ist das nicht alles zuviel ? 
In Sefer Shemot, dem Buch Exodus, 23:2, heißt es, dass viele Gesetzesauslegungen der Mehrheit zufolge entschieden werden sollen (siehe Talmud Bava Metzia 59b). Im Klartext bedeutet dies, dass bei Unklarheiten und je nach Problemfall die Mehrheit der Rabbiner über eine Lösung entscheiden müssen. Bei der Mehrheit handelt es sich nicht um 10 oder 50 Rabbiner, sondern es muß schon eine ueberwaeltigende Mehrheit erforderlich sein.
Über die Halacha wird von Menschen entschieden, was allerdings den Richtlinien Moshe’s am Berg Sinai entsprechen muß. Es ist G – tes Wille, dass die Menschen (Thoragelehrten) die Gesetze gemäß ihres menschlichen Verständnisses auslegen. Es gibt Fälle, in denen uns die rabbinischen Auslegungen und Entscheidungen viel zu übertrieben vorkommen, doch lernen wir den Hintergrund der Auslegungen und erfahren Einzelheiten über „Warum und Weshalb“, wird uns oft vieles klarer. Übrigens gibt es einen Disput im Talmud, indem G – tt zugibt, dass Ihn zwei Rabbiner mit ihren Entscheidungen „übertroffen“ haben. 
Sobald die Israeliten das Land Canaan (Israel) nach den 40 Jahren in der Wüste eroberten, waren sie verpflichtet, drei Dinge zu tun (Mischna Thora – Hilchot Melachim vom Rambam sowie Talmud Sanhedrin 20b):
1. Einen König zu ernennen. 
2. Die Nachkommen Amaleks zu vernichten. 
3. Einen Tempel zu bauen.
G – tt befahl ihnen, einen König zu ernennen, doch wie wir aus den Propheten lernen, war es gerade G – tt, der Sich wenig darüber begeistert zeigte als die Juden ihn um die Ernennung eines Königs baten. Der Rambam sieht den Grund für die Bitte darin, dass die Juden dem Propheten Samuel (Shmuel) überdrüssig waren und einen richtigen König haben wollten (Mischna Thora – Hilchot Melachim 1:2). Laut Parashat Schoftim kann jemand nur dann König werden, wenn G – tt diesen auserwählt hat. Siehe Samuel, der sich auf die Suche nach Saul (Sha’ul) machen mußte. 
Bei dem König muß es sich IMMER um einen Juden handeln und es muß ein König sein und keine Königin, da G – tt in der Thora von einem Melech (König) und nicht einer Malka (Königin) sprach (Mishna Thora – Hilchot Melachim vom Rambam). Der König Israels hat eine ganz wichtige und einzigartige Mitzwah, die kein anderer Seinesgleichen hat. Sobald er zum König ernannt worden ist, muß er ein Sefer Torah, eine Thorarolle, schreiben. Er ist verpflichtet, die Thorarolle überall hin mitzunehmen, selbst in den Krieg und natürlich dann, wenn er über das Volk richtet. Genauso wie ein Richter ist auch der König verpflichtet, sich nicht bestechen zu lassen oder voreingenommen zu sein. Grundsätzlich sollte ein Mensch immer nur seiner Yetzer HaTov, seiner guten Seite in sich selbst, folgen und sich nicht durch seine schlechten Charaktereigenschaften (Yetzer HaRah) negativ beeinflussen lassen. 
Als G – tt die Welt erschuf, geschah dies aufgrund Seiner Gedanken, die nichts Negatives enthielten. Heißt, wir sind durch Seine reinen Gedanken erschaffen worden und genauso sollten wir unsere Gedanken rein halten, um uns mit unserer Ursprungsquelle (G – tt) verbinden zu können (Rabbi Elimelech von Lizhensk in seinem Buch „Noam Elimelech“). 

 

Ein paar Worte zum derzeitigen Monat ELUL und dessen Teschuva – Konzept:
Wortdefinition: „Teschuva – Der Umkehr zu G – tt“. 
Viele Juden sind immer wieder fälschlicherweise der Meinung, dass „Teschuva“ bedeutet, ab morgen streng religiös zu leben. Dem ist ganz und gar nicht so und leider leider legen heutzutage viele Rabbiner oder Institutionen das „Teschuva – Konzept“ falsch aus. Wer hierzu weitere Details oder einen Beweis benötigt, der schaue sich die „Mischna Thora – Hilchot Teschuva“ des Rambam (Maimonides) an. „Teschuva machen“ bedeutet eine innere Erneuerung. Man versucht, die Fehler, welche man bisher begangen hat, nicht mehr zu tun und ein besserer g – ttesfürchtiger Mensch zu werden. „Teschuva“ hat mit einer inneren Transformation der eigenen Persönlichkeit in Richtung Thora zu tun und nicht damit, dass ich ab morgen Haredi (Ultra – Orthod.) oder sonst etwas bin.

Schabbat Schalom an alle Leser !



Die richtige Art und Weise der „Teschuva – Umkehr“ ist wichtig. Alles langsam und geduldig angehen und nichts über den Zaum brechen !
 
Links:
Die gute und die schlechte Seite in uns (Talmud Berachot)
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