Rabbi Yitzchak Breitowitz/Thora Parasha

Rabbi Yitzchak Breitowitz zur Thoralesung / Parashat SCHELACH

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Photo: Miriam Woeke

B“H

Die Thoralesung (Parasha) an diesem Schabbat ist Parashat ScHELACH. Moshe sendet zwölf Spione (Hebräisch: Meraglim) aus und die Rückkehr dieser Kundschafter führt wenige Zeit später in eine Katastrophe, die uns bis heute angeht.

Manchmal frage ich mich, inwieweit viele Diaspora – Juden mit diesem Meraglim etwas gemeinsam haben. Als die Spione aus dem Land Kanaan zurückkamen, verkündeten sie allen versammelten Israeliten zwar einen Vorzug des Landes: Es handele sich zweifelslos um das Land, in dem Milch und Honig fließt. Danach folgte das große ABER …

Bei allen weiteren Berichten bezogen sich die Spione ausschließlich auf alles Negative. Die Bewohner Kanaans seien riesig groß und schwer bewaffnet. Es handele sich Riesen, die man einfach nicht besiegen kann. Wie soll man da ein Land einnehmen? 

„Wir sind wie Grashüpfer in ihren Augen!“ – So die Aussage der Spione nach ihrer Rückkehr. Einzig Caleb und Joshua sprachen sich in positiver Weise für die Einnahme Kanaans aus, aber die Mehrheit wollte ihnen gar nicht mehr zuhören. Und sehen wir uns in verschiedenen Lebenssituationen nicht selber als Grashüpfer, wenn uns eine Aufgabe zu schwierig und aussichtslos erscheint? Geben wir dann nicht lieber auf, weil wir im Voraus Angst haben, zu versagen? Und wenn es darum geht, dass Juden Aliyah nach Israel machen (nach Israel auswandern), so schaut man bis heute nicht selten auf die Vor – und Nachteile und beginnt abzuwägen. Oft liegt der Fokus dann doch eher auf dem Negativen.

Es dürfte mittlerweile bekannt sein, dass das Leben in Israel nicht einfach ist. Vielleicht für denjenigen, der mit einem gehörigen Batzen Geld kommt, aber das sind die Wenigsten. Das Land ist teuer, Gehälter sind verhältnismäßig niedrig und die Lebenshaltungskosten sind extrem hoch. Keine Frage, der Neueinwanderer muss Abstriche machen und dazu sind nicht immer alle bereit. Genauso wie die Israeliten in der Wüste, die da doch alles hatten. Genug Nahrung, eine Bleibe und vor allem G – tt, der sich da um alles kümmerte. Wozu soll man da ein Land erobern, welches einem unbekannt ist und sich auf Gefahren einlassen? Dann schon lieber in der gemütlichen Stube daheim bleiben.

Es gibt Zeiten, da muss jeder von uns eine Entscheidung treffen. Zuvor werden alle Pros & Cons gründlich überlegt und diskutiert. Nur sollte halt jeder nicht nur die Nachteile als unüberwindbar einstufen, denn wie oft ergibt sich auf dem Weg etwas völlig Neues und Unerwartetes, was einem plötzlich weiterhilft.

Viele werden jetzt sagen:

„Klar, sollte jeder etwas Neues ausprobieren, sonst bereut man später, es nicht getan zu haben.“

Andererseits kann jemand genauso gut bereuen, dass er etwas getan hat, aber das weiß ja niemand vorher. Alles hat halt seine Vor – und Nachteile und wir selber können nur handeln, ohne komplett schwarzzusehen.

 

Parashat / Thoralesung SHELACH, Sefer BaMidbar – Numeri 13:1 – 15:41. 

 

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