Purim/Yom Kippur

Die Verbindung zwischen PURIM und YOM KIPPUR

B“H
Im Judentum existiert das Konzept, dass so gut wie jeder jüdische Feiertag eine Art spirituellen Gegenpart, heißt, einen anderen Feiertag, hat.
Das Konzept kenne ich schon viele Jahre, aber ich muss zugeben, dass es mich nie sonderlich interessiert hat. Ja klar, man hört ab und zu mal eine Andeutung bei Schiurim (religiösen Vorträgen, aber sonst …). Es gibt so dermaßen viele unterschiedliche Themen im Judentum, dass es unmöglich ist, alles zu wissen oder sich für alles zu interessieren.
Als ich vor ein paar Wochen ein Buch zu PURIM las, stiess ich dann wieder auf das obige Konzept und will an dieser Stelle einmal auf den spirituellen Gegenpart des PURIM – Feiertages eingehen. Das wollte ich eigentlich schon vor PURIM in der vergangenen Woche tun, kam aber nie dazu.
PURIM wird genau einen Monat vor PESSACH (Passover) gefeiert und da herrscht nicht nur bei uns im Betrieb Halligalli. Purim frei und die Pessach – Woche fast vollständig frei. Einmal werde ich wohl zur Arbeit müssen, doch sonst habe ich die gesamte Pessach – Woche frei.
In diesen knapp drei Wochen vor Pessach wird vorgearbeitet, um auch bloß keine Einbußen zu haben und Termine einzuhalten. Hinzu kommt der massive Pessach – Putz in diesen Wochen. Bedeutet, nach Feierabend wird daheim weiterschuftet.
Aber jetzt erst einmal zu Purim und dem fast verpassten Artikel:
Wie zahlreiche Rabbiner ausführen, handelt es sich beim spirituellen Gegenpart von PURIM ausgerechnet um den höchsten jüdischen Feiertag YOM KIPPUR (Versöhnungstag).
Man stelle sich Purim mit seinem ernsthaften Hintergrund (der Perser Haman wollte die im damaligen Persien lebenden Juden auslöschen) vor. Purim auf der einen Seite, wo festlich gegessen wird, Alkohol bis zum Umfallen und verkleiden tun sich die Leute auch noch. Die Kinder haben Purim – Parties in den Schulen und verkleiden sich alle.
An Purim ist es eine Mitzwah (Gebot), fröhlich zu sein und keinerlei Trübsal zu blasen. Wir feiern G – tt, der da im Verborgenen agierte und die Juden nicht zum Abschuß freigab. Das Mysterium von Purim ist, dass der Name G – ttes nicht ein einziges Mal in der Megillath Esther (im Buch Esther, welches zu Purim verlesen wird) auftaucht. G – tt agierte im Verborgenen, was Er öfter tut als wir alle denken.
Und der Gegenpart zu all dem Essen und Feiern ist ausgerechnet der Yom Kippur. Ein Tag, an dem wir 25 Stunden lang fasten. Der Tag, an dem G – tt letztendlich entscheidet, wie das individuelle Schicksal eines jeden Juden und das Schicksal des jüdischen Volkes aussehen wird. Am Rosh Hashana (zehn Tage vor Yom Kippur) trägt G – tt ALLE Menschen in das Buch des Lebens ein oder auch nicht. Er entscheidet, wie das kommende Jahr für jeden Einzelnen aussehen wird. Die Juden aber erhalten ihr sogenanntes g – ttliches Siegel im Buch des Lebens erst am Yom Kippur. Der Tag ist der letzte entscheidende Tag der G – ttesentscheidung.
Es wird, wie gesagt, gefastet und einen Großteil der Zeit sitzen wir in den Synagogen. Jeder will einen guten Eindruck vor G – tt machen, damit dieser Seine Meinung vielleicht nochmals kurzfristig ändert und keinen schlecht beurteilt.
Worin kann da eine Gemeinsamkeit zwischen Purim und Yom Kippur bestehen, wenn doch beide Feiertage auf den ersten Blick unterschiedlicher nicht sein könnten?
Zwei entscheidende Punkte finden wir an beiden Feiertagen:
1. Simcha (Freude)
2. Teschuva (Umkehr zu G – tt)
Zu Zeiten der ersten Diaspora im babylonischen und später persischem Exil verloren leider viele Juden jeden Bezug zu G – tt. Man hatte sich assimiliert, eigene Geschäfte eröffnet und sich halt dem Leben in Persien angepasst. So manch einer hatte es zu etwas gebracht und war erfolgreich. Wer dachte da noch an das zerstörte Israel? Vielen Juden wurde die Thora ganz einfach egal.
Und dann kam Haman mit seinem Plan, die Juden zu vernichten. Nicht etwa, weil es einen Grund gab, sondern halt nur so aus Hass.
Und plötzlich stand auch der assimilierteste Jude auf der Todesliste und genau das schweisst die Juden letztendlich wieder zusammen. Egal, ob assimiliert oder nicht, Jude bleibt Jude. Eine Tatsache, die bis heute existiert.
Um G – ttes Gnade zu erbitten, rief Königin Esther einen Fastentag (Ta’anit Esther) aus und alle Juden folgten dem. Man machte Teschuva und besann sich wieder auf G – tt. Und tatsächlich schritt G – tt ein. Daher ist das Thema UMKEHR ZU G – TT an Purim wichtig.
Und natürlich auch am Yom Kippur, denn wir alle wollen ja im Buch des Lebens landen und ein gutes neues Jahr haben. Bis zum nächsten Yom Kippur.
Ein weiterer Punkt ist die SIMCHA (Freude) an beiden Feiertagen. Die Freude an Purim brauche ich nicht weiter zu beschreiben, aber wer soll sich denn am Yom Kippur freuen? Ohne Essen, Trinken und stundenlange Gebete in der Synagoge. Das hört sich doch eher ziemlich fade an.
Die Gemara (rabbinische Diskussion) im Talmud Traktat Ta’anit 26b lehrt, dass es keinen glücklicheren Tag für die Juden gibt als den Yom Kippur.
Obwohl sich der Yom Kippur recht kompliziert anhört, so ist es doch ein freudiger Tag und keinesfalls so ernst wie zuvor Rosh Hashana (das jüdische Neujahrsfest). Am Yom Kippur freut man sich einfach nur, dass G – tt die Vergehen vergibt und man frei von Sünde ist. Zu Tempelzeiten trafen sich nachmittags ledige junge Leute und nicht selten heiratete man kurz darauf. An dem Feiertag ist viel Zeit zum Reden und kaum jemand ist nur in der Synagoge. Es gibt nichts zu tun, denn alles ist geschlossen und so wird sich mit den Leuten in der Umgebung unterhalten.
Abends nach dem Ende des Feiertages wird gegessen und getrunken und die Freude, dass G – tt einem alle Vergehen vergab, ist riesengroß.
Demnach spielt die Freude (Simcha) an beiden Feiertagen eine wichtige Rolle. Und aus diesem Grund haben beide so unterschiedlich gelagerte Feiertage dennoch den gleichen Nenner.

 

Advertisements

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s