Haredim/Haredische Gesellschaft/Haredische Welt

Der Jerusalemer Stadtteil GE’ULAH

B“H
Ge’ulah grenzt direkt an Mea Shearim und wird, wie Mea Shearim, von Ultra – orthodoxen Juden (Haredim) bewohnt.
Sobald ich in diesen Stadtteilen nichtjüdische Touristen sichte, fällt mir ihre Unbeholfenheit auf. Man wandelt in einer anderen Welt, will photographieren und darf dann doch irgendwie nicht so recht. Einfach, weil Haredim sich nicht wie im Zoo fühlen und begafft werden wollen. Den Touristen geht das nicht so recht auf und man will schon irgendwie ein Selfie mit den komischen unterbelichteten Juden, die da so komisch rumlaufen wie vor 200 Jahren.
In Ge’ulah und Mea Shearim benimmt man sich oder wird hinausbefördert. Schließlich ist dies das Recht der Bewohner und wer in meine Wohnung kommt, bestimme ja auch ich selber.
Ge’ulah ist ein Stadtteil Jerusalems, der sich in all den letzten Jahrzehnten wenig bis kaum verändert hat. Wer die Verwandlung der Stadt innerhalb der vergangenen 20 Jahre mitverfolgte (Bau der Straßenbahn, mehr Luxusbauten, Mamilla Mall, Verbreiterung der Jaffa Road am Machane Yehudah Markt, etc.) der vermisst ab und zu schon das alte ursprünglichere Jerusalem. Mir geht das häufig so und vor ein paar Jahren investierte ich recht viel Geld in drei Photos, welche die Jaffa Road am Machane Yehudah Markt in den 50iger Jahren sowie in den Jahren 2000 und 2012 zeigt. Allein das ist sehenswert und da kommen schon romantische Gefühle an die 90iger Jahre auf, in denen alles noch so einfach und unvergänglich erschien.
Wer ein unverändertes Stadtbild erleben will, der gehe nach Ge’ulah, dessen Hauptstraße Malche’i Israel die Shopping Mall der haredischen Gesellschaft beherbergt. Pizza, Klamotten, Eiscreme, etc. Einst fand sich dort das bekannte kleine Restaurant STISSEL, nach dem eine israelische TV Serie benannt wurde. Doch Stissel, in dem ich sehr oft gegessen habe, verschwand von der Bildfläche. Dabei hatte das Restaurant das beste Essen überhaupt und es war mir egal, dass Männlein und Weiblein getrennt sassen. Hauptsache das Essen schmeckt.
Da Stissel nicht mehr da ist, kaufen sich viele Bewohner Ge’ulahs hausgemachtes Essen in einem nahegelegenen Laden. Wenn ich im Stadtteil bin, komme ich nie an dem kleinen Laden vorbei, in dem man übrigens auch essen kann. In einem Hinterzimmer.
Der Laden bietet die besten Salate. Nicht ganz billig, doch das ist egal. Die Qualität stimmt und die Lattkes (Kartoffelpuffer) sind legendär. Touristen verirren sich dort nicht hin, was die Originalität erhält. Zuviel von außerhalb wollen die Bewohner nicht, denn es ist ihr Stadtteil und man will kein Disneyland werden.
In all die kleinen Gassen und Nebenstraßen von Ge’ulah verirrt sich kaum ein Auswärtiger und das würde auch nicht gerne gesehen werden. Die nachfolgende israelische TV Doku fiel beim Filmen auf und es war nicht immer leicht, irgendwo hineinzukommen. Aber, und das ist von Vorteil, man war Jude und sprach einwandfrei Hebräisch. Ein wichtiger Punkt in haredischen Stadtteilen.
Ge’ulah gilt als ein wenig „moderner“ als Mea Shearim, doch wird es, und das hören viele jetzt nicht gerne, unter anderem auch von der chassidischen Gruppe Gur dominiert. Gur hat dort eine riesige Synagoge und verschiedene Yeshivot. Satmar ist da, doch ganz gewiss nicht so dominant wie in New York. Trotzdem war ich schon in den Satmarer Synagogen von Ge’ulah und Mea Shearim.
Ab und an erhalte ich Anfragen von Nichtjuden, ob ich sie denn nicht irgendwo mit zu einem chassidischen Tisch oder zu den Haredim mitnehmen könne. Bis auf zwei Ausnahmen in der Vergangenheit mache ich das schon lange nicht mehr. Ob Ihr es jetzt glaubt oder nicht: Man bot mir sogar Geld!!!
Nee, nee, auch das lehnte ich ab. Ich nehme niemanden irgendwo mit hin. Und das aus vielerlei Gründen. Vor ein paar Monaten fragte ein katholischer Pfarrer an, ob ich ihn denn in die Ultra – Orthodoxe Gesellschaft einführen könnte. Meine Antwort lautete NEIN. Die richtige Antwort aber hätte lauten müssen: Du willst die Haredim kennenlernen, okay. Das Problem ist nur, dass die haredische Gesellschaft dich nicht kennenlernen will. Und das nicht nur, weil jemand Pfarrer ist, sondern weil er dort nicht hingehört.
Das ist nicht abwertend gemeint, aber man bleibt lieber unter sich.

 

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