Leserfrage/Time and Space/Turm von Bavel (Nimrod)

Leserfrage: „Kann man mit Hilfe der Kabbalah Zeitreisen unternehmen?“

B“H
Eine interessante Frage, die da auf meinem englischen Blog einging: Kann man mit Hilfe der Kabbalah durch die Zeit reisen? Die Antwort hierauf ist kurz und schmerzlos: Nein, man kann keine Zeitreisen unternehmen, indem man die jüdische Kabbalah anwendet.
Immer wieder mache ich die Erfahrung, dass Juden genauso wie Nichtjuden eine völlig falsche Vorstellung von der Kabbalah haben. Viele meinen zu Unrecht, dass sei ja wohl etwas Mystisches oder halt eine Form von Magie. Etwas, mit dem man die Welt verändern kann oder vielleicht seine eigenen Probleme löst.
Kabbalah bedeutet übersetzt EMPFANG. In der heutigen hebräischen Sprache kennen wir das Wort auch als QUITTUNG oder KASSENZETTEL. Wenn wir etwas kaufen und bezahlen, so erhalten wir eine Kabbalah. In jedem Supermarkt hören wir das Wort Tausend Mal am Tag.
Wenn wir aber von der religiösen Seite der Kabbalah reden, so bezieht sich diese allein auf die Thora. Die Kabbalah steht für die Geheimnisse bzw. alles Verborgene in der Thora. Es handelt sich also nicht darum, Lösungen für meine privaten Probleme zu finden, sondern es geht um die Thora.
Wer Kabbalah lernt, und es existieren viele unterschiedliche Themen auf diesem Gebiet, der sollte nicht nur die Thora, sondern genauso den Talmud sowie Halacha (jüdische Gesetze) kennen. Ob man es glaubt oder nicht, selbst die Thoragesetze unterliegen auch kabbalistischen Bedeutungen. Oft kommt es vor, dass wir ein Thoragesetz nicht verstehen und es als blöd oder überflüssig betrachten. Lernen wir aber erst einmal die mystische Seite dieses Gesetzes, so tun sich ganz andere Welten auf.
Die Kabbalah handelt nicht nur von den Namen G – ttes, sondern, wie gesagt, von zahlreichen anderen Themengebieten. Niemand kann damit herumspielen und anhand der Namen G – ttes einen Sechser im Lotto gewinnen. Und niemand kann mit G – ttes Namen Krankheiten heilen. Wenn da jeder herumfuchteln täte, wie er wollte, wie sehe dann wohl unsere Welt aus? Das male ich mir lieber erst gar nicht aus.
Kabbalah hilft uns, die Geheimnisse der Thora zu erkunden und zu verstehen. Dies beinhaltet jedoch keinerlei Zeitreisen. G – tt würde niemals erlauben, dass wir mit irgendwelchen Geheimnissen herumspielen und, wer weiß was, anstellen. Nichtsdestotrotz gab es einmal eine Zeit in der Menschheitsgeschichte, in der eben genau dieses Szenario passierte. Als Menschen G – ttes Namen benutzten, um die Engel zu verwirren. Es waren jene Leute um Nimdrod, welche den Turm von Babylon bauten. Letztendlich griff G – tt ein und die Leute konnten sich gegenseitig nicht mehr verstehen. Somit war das gemeinsame Ziel, der Turm, futsch.
Warum lernen manche Leute Kabbalah? Und hiermit meine ich jene Juden, die sich ernsthaft damit auseinandersetzen und nicht jene Leute, die sich Esotherisches aus der Buchhandlung reinziehen.
Der Grund ist, dass es Juden gibt, die die Thora auf einem höheren Level verstehen wollen und gleichzeitig ihr Leben danach ausrichten.
Kann jeder Jude Kabbalah lernen?
Theoretisch ja, doch praktisch gesehen sollte derjenige eine riesiges Maß an Wissen (Thora, Talmud, Halacha, Midrasch, etc.) mitbringen. Kabbalistische Texte sind mit Metaphern und Symbolen gespickt und jemand, der sich da nicht auskennt, nimmt alles wörtlich. Das wäre dann einen völlige Missinterpretation des Textes.
Ferner muss man davon ausgehen, dass 90 % der kabbalistischen Texte nur in Hebräisch einzusehen sind und niemals in eine andere Sprache übersetzt wurden. Zudem finden wir die Texte im Raschi – Skript.
Die Frage ist doch: Warum will jemand unbedingt Zeitreisen unternehmen?
Ich gebe zu, dass die Vorstellung interessant ist. Man würde historische Persönlichkeiten treffen und halt sehen, wie es in der Vergangenheit wirklich war. Oder wie unsere Zukunft sein wird.
G – tt sei Dank kann niemand die Vergangenheit verändern und wir wissen nicht, was die Zukunft bringt. Unsere Aufgabe im Leben besteht darin, unser Leben im HIER und JETZT zu meistern und nicht das Leben vor 200, 500 oder 5000 Jahren. Hätte G – tt gewollt, dass ich vor 3000 Jahren lebe, dann hätte Er mich damals erschaffen und nicht heute. Das mag jetzt zu rational klingen, ist aber so. Jeder von uns hat seine Aufgabe in diesem Leben, welches er momentan lebt. Und in dieser Zeit 2017. Ob uns das nun passt oder nicht. 🙂
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