Buecher/Judentum/Kabbalah

Leserfrage: „Das BUCH BAHIR leicht erklärt“

B“H
Das BUCH BAHIR (Sefer Bahir) ist ein hochkabbalistisches Werk und es gibt keinerlei „leichte“ Erklärungen dazu. Im Judentum liest man nicht eben mal solch ein Buch und versteht die Inhalte ratzfatz. Beim BAHIR sollte der Leser sich im Judentum bestens auskennen. Von der Halacha bis hin zum Talmud alle Inhalte durchgelernt haben.
Klar hat Rabbi Aryeh Kaplan seinerzeit den BAHIR ins Englische übersetzt und Definitionen verfasst. Doch was nützt es, diese Interpretationen zu lesen, ohne die Inhalte des Judentums zu kennen? Mit einem christlichen Mindset oder dem Mindset einer anderen Religion (außer dem Judentum) wird einem der BAHIR nichts nützen. Der Leser meint zwar, alles zu verstehen, doch gleichzeitig legt er die Inhalte völlig falsch aus. Nämlich gemäss seinem eigenen Gedankengut.
Das beste Beispiel ist, dass, wenn ich hier zum Judentum schreibe, viele Christen meine Inhalte zwar lesen, doch im Hinterkopf befindet sich die Herangehensweise des Christentums. Dies allerdings ist nicht nur das Problem bei Blogs, Büchern oder Vorträgen.
Gestern unterhielt ich mich mit einem bekannten israelischen Professor der Geschichte des Chassidismus und der sagte mir, dass, sobald man einen Text oder ein Buch veröffentlich, der Autor keinerlei Kontrolle mehr besitzt. Niemand weiß, wer da liest und wie der Leser die Inhalte interpretiert. Für den Autor mag ein kleiner Satz nur wenig Bedeutung haben, für den Leser aber bedeutet dieser Satz alles.
Was ich damit ausdrücken will ist, dass jemand erst einmal die Inhalte des Judentums kennen und begreifen muss, um in der Lage zu sein, den BAHIR oder andere Bücher dieser Art zu verstehen.
Genauso erscheinen in Deutschland kleine Büchlein mit Sprüchen aus dem Talmud. Hier werden in Taschenbuchformat irgendwelche Inhalte zusammengefasst, ohne dass der Leser den genauen Zusammenhang kennt. Warum welcher Rabbi was sagte und nicht etwas ganz anderes. Herausgezogene Sprüche geben nicht die rabbinischen Inhalte einer talmudischen Diskussion wieder. Ganz zu schweigen von der Interpretation der Texte. Was stattdessen geschieht ist, dass Aussagen wahllos herausgezogen und veröffentlicht werden. Und wie oft las ich in Leserkommentaren bei FOCUS oder anderswo wahllos zitierte Sprüche aus dem Talmud. Hier meistens verwendet gegen Israel und noch dazu pro – palästinensisch. Allein die Aussage der Thora „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ wird Tausendmal als RACHE interpretiert. Absolut falsch, denn es geht hier um Schadensausgleich. Wer jemandem ein Leid oder einen Schaden zufügt, unterliegt Schadensersatzansprüchen. Bedeutet, dass, wenn ich jemandem einen Zahn ausschlage, ich für den Schaden aufkommen muss (Beispiel: Zahnarzt und dergleichen). Was „Auge um Auge …“ dagegen nicht bedeutet ist, dass mir mein Gegenüber jetzt auch einen Zahn ausschlagen oder ein Auge aushacken darf.
Von daher ist es wichtig, erst einmal das Grundwissen des Judentums zu lernen und zu verstehen. Normalerweise sagt man hier „zu verinnerlichen“. Wer jedoch die Kabbalah mit einem christlichen Mindset liest bzw. lernt, gewinnt gar nichts.
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