Giur (Konversion)/Leserfrage

Leserfrage zur Geschichte der Konversion zum Judentum

B“H
Hallo Miriam,
ich habe schon viel durch deinen Blog gelernt (auch den alten). Jetzt habe ich eine wichtige historische Frage. Vielleicht kannst du mir helfen, sie zu beantworten.
*315* soll Kaiser Konstatin den Übertritt zum Judentum bei Todesstrafe verboten haben http://www.talmud.de/tlmd/der-uebertritt-zur-juedischen-religion-der-gijur/
*500* Soll es aber erst Regeln zum Übertritt in das Judentum im Talmud gegeben haben http://www.deutschlandfunk.de/konversion-zum-judentum-wenn-aus-martin-mosche-wird.2540.de.html?dram:article_id=348452
Wie sind denn dann Menschen vor 500 zum Judentum konvertiert, als es noch keine Regeln gab? War das überhaupt erlaubt?
Antwort:
Danke für die interessante Frage!
In den beiden Links, die Du in Deinem Schreiben nennst, wird recht oberflächlich auf das Thema eingegangen. Zwar werden durchaus Zitate aus dem Talmud erwähnt, doch eher im Hauruck – Verfahren. Hier so und so und das wars. Meiner Meinung nach sollten Sätze aus dem Talmud nicht einfach so zitiert, sondern anhand von rabbinischen Kommentaren ebenso erklärt werden. Ansonsten interpretiert jeder Leser irgendetwas zusammen und dadurch entstehen gewöhnlich Missinterpretationen.
Laut der Thora war es Avraham, der zum ersten Jude wurde. Und zwar aufgrund des Bundes, den G – tt mit ihm einging. Mit der Beschneidung (Brit Milah) wurde Avraham offiziell zum ersten Juden. Alle Generationen vor ihm waren keine Juden.
Wer auch immer zum Judentum konvertieren will, wird Teil dieses Bundes. Heißt im Klartext, dass er sich verpflichtet, nach der Thora zu leben und deren Gesetze einzuhalten.
Die jüdische Geschichte ist voller Konvertiten. Die Berühmteste ist vor allem die Moabiterin Ruth. Damals war eine Konversion allerdings keine bürokratische Angelegenheit, sondern man lebte einfach nach den Thoragesetzen und hielt sie ein. Punkt!
Und damit haben wir auch gleich die Antwort, warum die Konversion zum Judentum schwer ist. Der Kandidat muss sich verpflichten, nach der Thora zu leben und nicht mal eben aus Lust und Laune heraus Jude werden wollen. Wer sich sagt: „Naja, okay, halte ich eben nicht alle Gesetze ein, ist ja egal. Das ist meine Sache und dann straft G – tt halt mich.“
So einfach ist das im Judentum nicht, denn G – tt richtet das gesamte jüdische Volk und nicht immer nur ein Individuum. Somit schadet ein Konvertit, der die Gesetze nicht einhält allen Juden und nicht nur sich selbst.
Zu Zeiten König Davids gab es Leute, die aus Angst heraus konvertierten. Sie sahen, wie die Juden ihre Kriege gewannen und wollten keine Opfer werden. Zu Zeiten von König Salomon dann konvertierten in Israel ansässige Nichtjuden, da sie sich mehr Wohlstand versprachen. Sie sahen, dass es den Juden wirtschaftlich gut ging und da kam Neid auf.
Die Thoragesetze wurden zum ersten Mal in schriftlicher Form im Talmud festgehalten. Aus dem einfachen Grund, da nach der Zweiten Tempelzerstörung im Jahre 70 nach Beginn der Zeitrechnung das Judentum und die Gesetze nicht verloren gehen sollten. Aus diesem Grund setzten sich führende Rabbiner hin und hielten alles im Talmud fest. Auch die Gesetze zur Konversion. Übrigens nicht nur im Talmud Traktat Yevamot. Der Talmud besteht aus einer Menge eigenständigen Traktaten und zur Konversion existiert ein eigener Traktat mit dem Namen GERIM (Hebräisch für Konvertiten).
Mehrere Male in der Geschichte wurde die Konversion zum Judentum mit dem Tode bestraft. Unter anderem wollten die christlichen Kirchen den Übertritt verhindern.
Richtige Regeln wurden im Talmud festgehalten, doch das, wie gesagt, zum ersten Mal in schriftlicher Form. Es kann also durchaus sein, dass die Regeln bereits vorher existierten und praktiziert wurden.
Im Laufe der Jahrhunderte veränderten sich nicht die Regeln als solches, sondern führende Rabbiner fügten unterschiedliche Richtlinien hinzu. Dies war notwendig, da sich mit der Zeit immer mehr falsche Konvertiten einschleichen wollten. Leute, die es mit dem Judentum nicht ernst meinten oder andere Beweggründe hatten. Wenn Du allerdings nach der Zeit vor 500 Jahren fragst: Im Mittelalter gab es bestimmt keinen Run auf das Judentum, denn in Europa wurden Juden weitgehend verfolgt, gefoltert und hingerichtet. Wenn jedoch jemand konvertieren wollte, so musste er dies mit der Absicht tun, nach der Thora leben zu wollen.
Heute ist es in der Orthodoxie schwer zu konvertieren, da es genug Nichtjuden gibt, die aus falschen Beweggründen konvertieren wollen. Die Thora interessiert sie nicht, sondern sie wollen in Israel leben und finanzielle Vergünstigungen erhalten. Oder es schleichen sich christliche Missionare ein, die von innen heraus zu missionieren versuchen. Allein aus diesen Gründen sind immer wieder neue Richtlinien nötig. Heutzutage aber bestimmt nicht nur das Oberrabbinat, sondern genauso das Innenministerium des Staates Israel. Zum Beispiel muss ein potenzieller Konvertit aus dem Ausland ausreichend finanzielle Mittel nachweisen, damit er nicht dem Staat Israel zur Last fällt. Ansonsten könnte jeder arme Osteuropäer, Afrikaner oder Philippino kommen und konvertieren. So einfach ist das heute alles nicht. Jedenfalls nicht in Israel, denn sonst würde unser Land vom Elend der Welt geflutet werden. Alle wollen Kohle, aber keiner will die Thora.
Link:
History of conversion to Judaism
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