Elul / Tischrei/Schofar (Widderhorn)

Das Schofar (Widderhorn)

B“H
Vom Monatsbeginn Elul (vor fast vier Wochen) bis zum Yom Kippur (Beginn am Abend des 11. Oktober – Mittwochabend, 12. Oktober 2016) ertönt das Schofar. In der Zeit von Rosh Hashana bis zum Yom Kippur, den derzeitigen „Aseret Yame’i Teschuva – Zehn Tagen der Umkehr zu G – tt“ hören wir das Schofar auch weiterhin und die Selichot – Gebete laufen ebenso bis zum Yom Kippur weiter.

Wer früh morgens an den Synagogen in aller Welt vorbeigeht oder sich an der Kotel (Klagemauer) befindet, der hört derzeit während des Morgengebets Schacharit seltsame Klänge aus einem Horn. Ein Außenstehender mag sich über die Männer wundern, die in die Hörner blasen und so fremdartige Klänge erzeugen. 
Beim Schofar handelt es sich überwiegend um ein Widderhorn, welches seit dem Beginn des Monat Elul vor ein paar Wochen beim Morgengebet geblasen wird. Der Shulchan Aruch – Orach Chaim – Hilchot Rosh Hashana 581 lehrt, dass es Gemeinden gibt, in denen das Schofar auch nach dem Abendgebet Ma’ariv geblasen wird. 
Das jüdische Neujahrsfest Rosh Hashana (welches wir bis gestern abend feierten) ist nicht ausdrücklich in der Thora erwähnt. In Sefer BaMidbar 29:1 (Book of Numbers, Numeri) heißt es lediglich:
 
„Und im siebten Monat, an dessen ersten Tag, sollt ihr einen heiligen Tag haben, an dem ihr nicht arbeitet; es ist ein Tag an dem das Teruah zu hören sein soll“.

In der Thora heißt es ganz simpel: „It is a day of sounding“. 
Teruah ist einer der drei Töne, die wir mit dem Schofar erzeugen. Jeder der drei Töne steht für unterschiedliche Namen G – ttes. Bei den anderen beiden Tönen handelt es sich um Tekiah und Schevarim
Einfach so ein Widderhorn nehmen und hineinblasen funktioniert im Judentum nicht. Jeder, der das Schofar bläst, erzeugt diese drei Töne in einer vorgeschriebenen Reihenfolge und Anzahl.

 

 

Das lange Schofar wird meist nur von sephardischen Juden geblasen.

 


Das aschkenazische Schofar ist wesentlich kleiner und schlichter.

 

 

Insgesamt werden an beiden Tagen von Rosh Hashana während des Morgengebetes Shacharit 100 Töne erzeugt. Es ist unüblich, das Schofar am Abend von Rosh Hashana zu blasen (Sha’arei Ha’Moadim – Chabad).

 

Das erste Mal findet das Schofarblasen gleich nach der Thoralesung statt und zum zweiten Mal während des gleich anschließenden Mussafgebetes. Es üblich, während des Schofarblasens stehen, dennoch ist es nicht ausdrücklich verboten, sich hinzusetzen. Es ist verboten, während des Schofarblasens zu sprechen und jeder soll sich so gut wie möglich auf die erzeugten Töne konzentrieren. Im Buch „Pri Etz Chaim“ (die Lehren des großen Kabbalisten Rabbi Yitzchak Luria) heißt es, dass unsere weltlich erzeugten Töne sich mit den Tönen in der oberen Welt vereinigen und so die Gnade G – ttes erwecken. Und genau darum geht es am Rosh Hashana (Neujahrsfest). Jeder Einzelne von uns steht vor G – ttes Thron und muß Rechenschaft über seine Vergehen ablegen. Anhand der Schofartöne sollen wir zur Umkehr aufgerufen werden. Die Töne sind so eindringlich, dass sie uns das Herz und uns zur Umkehr bewegen (Rabbi Shlomo Kluger in Kehilat Yaakov).

Aber nicht nur für die Umkehr steht das Schofar. Genauso sollen dessen Töne uns an den Erhalt der Thora erinnern und uns zugleich das Kommen des Meschiach ins Bewußtsein rufen. Rosh Hashana ist ein Tag, an dem die ganze Welt G – tt als den einzigen wahren König anerkennen soll, denn Er allein hat die Welt und uns alle erschaffen.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass wir an die „Akeidat Yitzchak – die Opferung des Yitzchak durch Avraham“ (siehe Genesis – Vayeira) erinnert werden. G – tt hatte Avraham einen Test auferlegt; er solle seinen Sohn Yitzchak opfern, was Avraham aus Liebe zu G – tt sofort ausführen wollte. Für G – tt war dies nur ein Test zu prüfen, ob Avraham es wirklich ehrlich mit der Liebe G – ttes meint. Niemals hatte G – tt die Absicht, den Yitzchak wirklich opfern lassen zu wollen, denn im Judentum ist jegliche Art von Menschenopfer laut Thora verboten. Als Avraham auf dem Tempelberg (Har HaMoriah) zur Tat schritt, griff G – tt sofort ein und statt des Yitzchak wurde ein Widder geopfert. An Rosh Hashana wollen wir G – ttes Gnade, die er Avraham auf dem Tempelberg zeigte, wiedererwecken und deshalb benutzen wir an Rosh Hashana überwiegend ein Widderhorn (siehe die Gemara im Talmud Traktat Rosh Hashana 16a). 
Jeder der drei unterschiedlichen Schofartöne repräsentieren laut dem kabbalistischen Buch „Shushan Sodot“ entweder G – ttes Gnade (Rachamim) oder sein Richten (Din): 
Der Tekiah – Sound steht für die Gnade und Shevarim sowie Teruah stehen für Sein Urteil (Din). 
Im Shulchan Aruch – Orach Chaim – Hilchot Rosh Hashana finden wir noch weitere zusätzliche Halachot (Gesetze) zum Thema „Schofar“.

Paragraph 589: Zum Beispiel darf das Schofar auch von Frauen geblasen werden.

Paragraph 585: Das Hören des Schofar ist die wichtigste Mitzwa an Rosh Hashana (siehe auch Talmud Rosh Hashana 34b), denn es ist eine biblische Verpflichtung (De’oraita). Vor dem Schofarblasen sagen wir einen speziellen Segen.

Paragraph 586: Ein Schofar muss koscher sein, heißt, es darf keine Schäden wie Risse etc. aufweisen.

Sollte der erste Tage von Rosh Hashana auf einen Schabbat fallen, so wird das Schofar erst am zweiten Tag geblasen, da es am Schabbat Muktze ist. Früher zu Tempelzeiten war es üblich, dass Schofar auch am Schabbat zu blasen, aber nur INNERHALB der Tempelmauern. 
Der Koznitzer Maggid, Rabbi Israel Hofstein, schreibt, dass sobald das Schofar geblasen wird, G – tt unsere Umkehr wahrnimmt und uns mit Gnade richten wird. 
Mein persönlichen Erfahrungen vom Schofarblasen sind immer sehr emotional. Der Sound des Schofars ruft tatsächlich in jemandem zur Umkehr auf, vor allem, nachdem man schon einige Zeit das intensive Schacharit hinter sich hat. Religiöse oder Säkulere, alles lauschte still in der Synagoge dem Schofar.

Für Interessierte fällt mir noch eine spezielle Halacha ein:

Was passiert, wenn jemand taub ist oder ein Hörgerät benutzt ? Darf er es an Rosh HaShana anstellen, um so das Schofar hören zu können ?

Die halachische Antwort lautete, dass er es nicht anstellen darf, aber er sich unbedingt nicht weit vom Schofar plazieren muß, um die Töne wenigstens etwas hören zu können. Im Fall, dass jemand ganz taub ist, muß er sich genauso vor das Schofar stellen, um die Mitzwah zu erfüllen. Selbst wenn er absolut nichts hört, hat er zumindest neben dem Schofar gestanden.

 

 

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