Glossary/Judentum

Judentum: „Orthodox“ oder Ultra – orthodox“ oder was jetzt?

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Photo: Miriam Woelke

B“H
Eine Tatsache, welche die Leser meines ebooks gleich zu Anfang lernen:
In Israel existiert keinerlei Unterschied zwischen dem orthodoxen und dem sogenannten Ultra – orthodoxen Judentum. Diese Begriffe werden nicht verwendet. Stattdessen handelt es sich um einen religiösen (dati) Juden.
Die Begriffe ORTHODOX sowie ULTRA – ORTHODOX finden wir in der englischen sowie in der deutschen Sprache. Im Hebräischen hingegen nicht.
In Israel definiert man sich, u.a., als säkular (chiloni) oder traditionell (mesorati). Mesorati bedeutet, z.B., wenn jemand am Freitagabend Kiddusch macht (den Segen über den Wein spricht) und ein Schabbatessen abhält. Danach wird in der Regel der Fernseher angestellt. Oder man heiratet nur jüdische Partner, ißt koscher und hält die jüdischen Feiertage ein.
Von den traditionellen Juden gibt es in Israel eine ganze Menge. Vor allem Juden sephardischer Herkunft.
Dann haben wir die sogenannten orthodoxen Juden, die sich wiederum in mehrere Kategorien aufspalten. Und dann noch die sogenannten Ultra – orthodoxen Juden, die nochmals aus mehreren Movements bestehen.
Und noch ein weiterer kleiner Unterschied: Das aschkenazische sowie das sephardische Judentum. Beide bestehen ebenfalls aus orthodoxen und Ultra – orthodoxen Gruppierungen.
Alles klar?
Häh???
Nee!!!
Und genau deswegen muss man sich eingehend mit der Materie beschäftigen, um überhaupt ein ganz klitzekleines Urteil abgeben zu können. Um zu wissen, wer ist wer und warum.
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2 Kommentare zu “Judentum: „Orthodox“ oder Ultra – orthodox“ oder was jetzt?

  1. Bei der „Berichterstattung“ der deutsch-sprachigen Medien über orthodoxe Juden in Israel werden vor allem immer wieder drei schwere Fehler gemacht (oder ist es Absicht seitens der Verantwortlichen?):

    1. National-Religiöse und Charedim werden miteinander verwechselt. Dies zeigt sich z. B. häufig in der Behauptung „Orthodoxe Juden leisten keinen Militärdienst“, oder (manchmal) daran, dass die „Siedler“ als „Ultra-Orthodoxe, die einen G’ttesstaat wollen und Araber hassen“ präsentiert werden.

    2. Das orthodoxe und das ultra-orthodoxe Judentum werden einfach gleichgesetzt, so als ob das alles irgendwie dasselbe wäre.

    3. Sämtliche charedischen Gruppen und Gemeinschaften werden in einen Topf geworfen und als „reaktionäre, durchgeknallte, in einer Parallelwelt lebende Fanatiker“ abgestempelt – als ob es keine Unterschiede zwischen den Gruppen gäbe.

    Es ist auffällig, dass US-amerikanische Medien im Allgemeinen viel mehr Ahnung haben und eher in der Lage / gewillt sind, sachlich korrekt über die orthodoxen Gruppen zu berichten.

  2. B“H

    Da waeren sind nationalreligioesen Siedler aber ganz schoen sauer, als „Ultra – orthodox“ dargestellt zu werden. 🙂 Die Nationalreligioese hassen teilweise nichts mehr als die Haredim. Wobei hier der Hass gar nicht von den Haredim selber ausgeht und stattdessen von nationalreligioeser Seite kommt. 🙂

    Aber nicht alle Nationalreligioesen sind Siedler, denn man findet sie genauso in Staedten.

    Wer hasst die Araber? Die Nationalreligioesen vielleicht sogar mehr als die Haredim. Jedenfalls Teile des nationalreligioesen Mizrachi – Judentums. Saekulare Israelis hassen die Araber genauso und die Araber hassen uns.

    Und was bedeutet G – ttesstaat? Vielleicht die Zeit, wenn der Meschiach kommt?
    Und wer genau erkennt den heutigen Staat Israel nicht an und was sind die Gruende dafuer?

    Warum gibt es haredische Parteien in der Knesset, wenn die doch gegen den Staat sind bzw. einen G – ttesstaat wollen?

    Und wer sind die Fanatiker, die staendig wettern und was sind deren Gruende?

    US Medien samt der britischen Daily Mail berichten in vielen Faellen detallierter. Schon allein deswegen, weil sie mit Haredim sprechen und sich, zumindest ein klein wenig, informieren. Ansonsten wuerde es von Tausenden relig. Juden massenweise Kritik hageln. In Deutschland dagegen weiss ja selbst die juedische Mehrheit nicht Bescheid ueber ihre Religion bzw. diverse Gruppierungen. Einzig und allein kennt man Chabad – Lubawitsch und selbst dass noch nicht einmal richtig.

    Kein einziger dt. Journalist ist an der Thematik interessiert. Bei israelischen und amerikanischen Haredim koennten dt. Journalisten auch auf Ablehnung stossen, denn in keiner jued. Gesellschaft werden Deutsche immer noch so abgelehnt, wie in der haredischen Gesellschaft. Besonders in Brooklyn, Williamsburgh, Monsey oder Crown Heights / New York.

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