Baal Shem Tov/Chassidische Stories/Yom Kippur

Die Pfeife des Schäfers

B“H
Es war einmal ein jüdischer Bauer, der weitab von anderen Orten in einem kleinen Dorf lebte. In dem Dorf gab es keine Syngagoge, denn nur ganz wenige Juden lebten dort. Eine Minyan (zehn jüdische Männer) zum Gebet kämen eh nicht zustande.
An den hohen Feiertagen wie Rosh HaShana oder Yom Kippur fuhr der Bauer in die nächstgelegene Stadt, um am Synagogenservice teilzunehmen. Bei der Stadt handelte es sich um Medziborz (Ukraine), dort, wo zur gleichen Zeit der Baal Shem Tov lebte.
Der Farmer hatte einen einzigen Sohn namens David. David war Schäfer, genauso wie einst König David. Er kannte jeden Hügel und jedes Tal in der Umgebung und wusste, wo er die bewachsensten Wiesen für seine Schafherde fand. David beschützte seinen Herde vor Wölfen und gab sogar jedem Schaf einen Namen. Wenn er über die Hügel wanderte, zog er seine Pfeife hervor und blies munter eine Melodie.
Die Zeit verging und David lernte alles über die Natur und somit genoss er die schönen Dinge, welche G – tt erschaffen hatte. Sein Vater jedoch war traurig, dass David keinerlei Schulbildung genoss und der Sohn keinerlei Hebräisch verstand. So kam es, dass der Vater den Sohn unterrichtete, doch so sehr der Vater sich auch anstrengte, David fiel das Lernen nicht einfach. Es gelang ihm einfach nicht, das hebräische Alphabet zu erlernen.
Als David 13 Jahre alt war und seine Bar Mitzwa feiern sollte, entschied der Vater, dass es an der Zeit war, seinen Sohn dem großen Baal Shem Tov vorzustellen. Rosh HaShana war vorüber und nun versammelten sich die Juden zum Yom Kippur G – ttesdienst.
Am Yom Kippur betete der Baal Shem Tov mir Eifer und Leidenschaft für seine Gemeinde. Mit Tränen in den Augen und einem gebrochenen Herzen bat er den Allmächtigen, den Kindern Israels (den Juden) ein weiteres Jahr Frieden und Freude zu bescheren.
Ebenso aufrichtig betete die Gemeinde mit aller Ernsthaftigkeit. Jeder einzelne Betende wiederholte die Worte der traditionellen Gebete. Ein jeder, außer David. Er allein konnte nicht in den G – ttesdienst mit einstimmen, was ihn mit Trauer erfüllte. Auch er wollte G – tt seinen Dank aussprechen und zu Ihm beten. Aber wie konnte er das tun, wenn er das Machzor (Feiertagsgebetbuch) nicht lesen konnte ?
David kannte nur einen Weg sich auszudrücken – und das war seine Pfeife. Nie hatte ihn die Pfeife auf den Feldern im Stich gelassen, aber die warnenden Blicke seines Vaters liessen in die Pfeife in der Tasche bewahren. Den ganzen Tag über gelang es ihm, der Versuchung zu widerstehen, doch beim letzten Service des Yom Kippur, dem „Ne’ilah Service“ gab es kein Halten mehr. Er blies in die Pfeife und der schrille Ton vibrierte durch das Haus G – ttes. Die Gemeindemitglieder sahen sich erstaunt um und konnten es nicht fassen. Der Vater verbarg vor Scham seinen Kopf und wünschte, der Boden möge sich unter seinen Füssen auftun.
Nur der Baal Shem Tov bewahrte die Ruhe. Über die Köpfe aller Anwesenden rief er liebevoll und freudig: „Mein Sohn, die Melodie aus Deiner Schäferpfeife erklang vor G – tt wie eine süsse Musik von König David und dessen Harfe. Mit all deinem Herzen und deiner Seele betetest Du auf die Art, die dir geläufig war. Die Vorhänge vor dem Heiligen Thora G – ttes wurden von unseren Gebeten durchbrochen. Somit erreichten unsere Gebete ihr Ziel (G – tt). Aber Dank Dir, David, schrieb uns G – tt in das Buch des Lebens ein“.
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Quelle:
„The Hasidic Story Book“ von Harry M. Rabinowicz
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Unser aller Ziel ist es am Rosh HaShana, in das Buch des Lebens eingetragen zu werden. Möge uns G – tt noch ein weiteres Jahr auf Erden gewähren.
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