Chassidut Gur/Off - the - Derech

Esti Weinstein und andere Aussteiger

B“H
Die 50 – jährige Esti Weinstein nahm sich das Leben. Ihr tragische Tod erregte viele Gemüter, obwohl kaum jemand Esti kannte. Nur wenige Jahre zuvor hatte sie die chassidische Gruppe Gur (Jiddisch: Ger) verlassen.
Gur ist die größte chassidische Gruppe Israels. In der Vergangenheit verfasste ich zahlreiche Artikel über die Gerrer Chassidim:
http://hamantaschen.blogspot.co.il/2007/01/chassidut-gur.html
http://hamantaschen.blogspot.co.il/2007/04/chassidut-gur-und-ihre-braeuche.html
http://chassidicstories.blogspot.co.il/2008/06/niggunim-und-takanot-in-der-chassidut.html
Esti Weinsteins Story war mir absolut nicht bekannt. Wenn die Leute von einem Aussteiger der chassidischen Gruppe Gur hören, so denken sie automatisch an Sarah Einfeld, die ich vor sieben Jahren traf und interviewte. Doch obwohl Sarah einst die Medien beherrschte, veröffentlichte Esti Weinstein ein Buch über ihr Leben in Gur. Esti hatte viel mehr zu berichten als Sarah.
Vor circa 15 Jahren hatte ich Freunde, die wiederum mit einem Gerrer Chassid befreundet waren. Letzterer befand sich auch auf dem Ast des Ausstiegs und ich bekam alles hautnah mit. Selbst als dessen Freundin seine Peyes (Schläfenlocken) abschnitt. Leider endete die Geschichte damals so, dass der Typ sich den Drogen widmete. Offenbar wollte er von der säkularen Gesellschaft anerkannt werden und dachte, dass dies nur über den Drogenkonsum laufe. Offenbar lernt man in Gur, dass säkulare Juden Drogen nehmen und so wollte der Aussteiger halt mitziehen.
Esti Weinstein wuchs in Gur auf. Sie war verheiratet und hatte sechs Kinder. Nur eine Tochter begleitete Esti auf ihrem Weg in den Ausstieg. Die restlichen fünf Kinder brachen jeglichen Kontakt zur Mutter ab.
http://www.timesofisrael.com/before-suicide-woman-penned-book-about-her-ordeals-in-ultra-orthodox-world/
In ihrem Buch beschrieb Esti ihr Leben innerhalb der chassidischen Gruppe Gur. Dass ihr Gatte sie wie ein Nichts behandelte und wie unglücklich sie war. Jetzt nach ihrem Tod wurden erneut die Takanot (gruppeneigenen Gesetze) der Gerrer Chassidim diskutiert. In keiner anderen chassidischen Gruppe herrschen derartig strenge Gesetze. Andere Chassidim sagten mir, dass die Takanot von Gur auch der Grund seien, warum Gur vor Jahren eine eigene Mädchenschule gründete. Damit die Mädels ganz im Sinne der eigenen Takanot erzogen werden.
In der Öffentlichkeit wurden keine Gründe für den Freitod von Esti Weinstein bekannt. Man meint, dass halt der Verlust ihrer Kinder für Depressionen sorgte oder so in der Art halt. Was mich überraschte war, dass viele Gerrer Chassidim zur Beerdigung erschienen. Normalerweise ist das nicht immer der Fall, denn ein Aussteiger wird nicht selten von der eigenen Familie geächtet. Bei Esti war das anders und sie erhielt eine superfromme Beerdigung. Erst danach kamen ihre säkularen Freunde und hielten eigene Grabreden.
Wenn Leute aus einer chassidischen Gruppe aussteigen, verlieren sie häufig den Kontakt zur Familie. Man gehört nicht mehr dazu. Heutzutage jedoch wird versucht, die Angelegenheit von Sozialarbeitern zu schlichten. Ein frommer Sozialarbeiter versucht, zwischen den Parteien zu vermitteln, um den Kontakt zwischen Familie und Aussteiger aufrecht zu erhalten. Oft gelingt das. 
Eine Tatsache, die viele Aussteiger übersehen: Man kann seine Vergangenheit nicht eben mal so abschütteln. Zwar genießt man zu Beginn die absolute Freiheit und kümmert sich nicht mehr um die Thoragesetze. Nach einiger Zeit aber wird das langweilig und dann kommt ein Schuldigkeitsgefühl auf. Teilweise ist derjenige immer noch der Religion verbunden und wird es auch immer sein. Auf seine eigene individuelle Art. Zum Beispiel kenne ich einen Toldot Aharon (eine extreme chassidische Gruppe) Austeiger, der heute bei Chabad – Lubawitsch ist, nachdem er in seine säkularen Tel Aviv – Leben absolut nicht zurechtkam.

Ein israelischer TV Bericht zum Tod von Esti Weinstein

 

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