Belohnung und Betrafung im Judentum/Leserfrage

Leserfrage zur Bestrafung G – ttes

B“H
Jemand aus der Leserschaft stellte mir folgende Fragen, wobei er sich auf einen früheren Blogartikel von bezog:
https://hamantaschen.wordpress.com/2015/05/14/parashat-bechukotai-die-bedeutung-von-belohnung-und-bestrafung-im-judentum/
1. Woher weiß der Mensch, wann er bestraft wird?
2. Wenn jemand eine Krankheit erleidet, ist diese dann automatisch eine Bestrafung für begangene Vergehen?
3. Falls dem so ist, sollte sich derjenige dann überhaupt von einem Arzt behandeln lassen, weil er denkt, er solle sich der Strafe nicht widersetzen?
Meine Antwort darauf:
Der Mensch weiß in keinster Weise, wann und ob er bestraft wird. Das allein weiß nur G – tt.
Im Leben widerfahren uns eine Menge positive sowohl als auch negative Ereignisse. Warum dieses oder jenes passiert, wissen wir nicht. Klar, können wir grübeln und uns Theorien ausdenken. Eine definitive Antwort jedoch werden wir nicht finden, denn die kennt nur G – tt.
Wie ich gestern bereits schrieb, G – tt ist oft gnädiger als wir mit uns selbst.
Er vergibt uns, doch wir selber machen uns lange Zeit selber fertig, indem wir meinen, unsere Vergehen sind so schwerwiegend, dass sie gar nicht vergeben werden können.
Zu Frage 2:
Eine Krankheit muss nicht automatisch eine Bestrafung bedeuten. Im Talmud steht sogar, dass der Mensch einige Erkrankungen selber verhindern könnte und wenn er das nicht tut … selber schuld. Unter diese Kategorie fallen, z. B., Erkältungen, Grippe, etc.
Jeder, der krank ist, ist nicht automatisch als Bestrafter anzusehen. Für Krankheiten gibt es mehrere Gründe und auch hierauf kennt nur G – tt die Antwort.
Es kann sein, dass Mensch an der Krankheit stirbt und dann war dies offenbar so vorbestimmt. Andere Menschen genesen und sollten aus ihrer Zeit im Krankenbett lernen, indem sie über ihr Leben nachdenken und diesem eventuell eine positivere Wendung geben.
Zu Frage 3:
Im Judentum besteht die Pflicht, sich bei Krankheit professionell, sprich ärztlich, behandeln zu lassen. Dass man nicht zu einem Arzt geht und meint, die Krankheit verschwinde von alleine, ist absolut gegen die Thora. Ein Kranker muss sich behandeln lassen und alles tun, was ihm der Arzt sagt. Alles, was zur Genesung erforderlich ist.
Soweit ich weiß, gibt es irgendwelche Sekten (die Zeugen Sowieso?), die Bluttransfusionen verweigern oder wo Leute sich generell weigern, sich in ärztliche Behandlung zu begeben. Im Judentum wäre dies ein Ding der Unmöglichkeit. Der Mensch hat die Pflicht, seinen Körper gesund zu halten. Schon der Rambam (Maimonides, 1135 – 1214) sagte, der Mensch solle sich gesund ernähren und Sport treiben. Und ein Kranker gehört immer zum Arzt!
Es gibt negative Situationen im Leben, bei denen wir sofort aufgeben wollen. „Wozu noch weitermachen“ und „macht alles überhaupt noch einen Sinn?“ Damit meine ich keinen Selbstmord, sondern dass der Mensch sich gehen lässt und ihm alles einfach nur noch egal ist.
Negative sowohl als auch positive Ereignisse lehren uns in vielen Fällen etwas. Zum Beispiel kann sich der Mensch Zeit zur Selbstreflexion nehmen. Heißt, über sein Leben nachdenken. Bei positiven Ereignissen geht das leicht unter, denn man ist ja total euphorisch und da hockt man sich nicht unbedingt hin und denkt über sein Leben nach. Das tut man meistens erst, wenn es einem so richtig mies geht.
Ich kann jetzt nicht mit Bestimmtheit sagen, wo ich es las. Vermutlich im Talmud, aber sicher bin ich mir nicht.
G – tt gibt einem Menschen niemals Situationen im Leben, mit denen der Mensch nicht umgehen kann. Der eine Mensch ist mental und körperlich stark und kann mehr ertragen als jemand, der weniger stark ist.
Was das jetzt bedeutet?
Jeder von uns kann sich sicher sein, dass alles, was ihm widerfährt, nicht zu schwer für ihn ist. Er kann es bewältigen, doch muss er allein die Lösung zum Problem suchen.
Mit Krankheiten ist das etwas Anderes, denn darauf haben wir absolut keine Antwort.
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