Belohnung und Betrafung im Judentum/Leserfrage/Rabbi Mordechai Machlis

Ein vergebender G – tt

B“H
Vor ein paar Tagen fragte ein Leser, woran bzw. ob man denn erkenne, dass G – tt einen Menschen bestrafe oder auch nicht. Ob das überhaupt möglich sei?
Auf den genauen Inhalt der Frage will ich in einem nachfolgenden Blogartikel eingehen. Die Frage an sich aber erinnerte mich an ein Statement, welches ich vor Jahren einmal vom Jerusalemer Rabbi Mordechai Machlis hörte. Bei einem seiner berühmten Schabbatessen.
Rabbi Machlis sagte, dass vielen Menschen das eigene Gewissen keine Ruhe lässt. Sie haben etwas getan, bereuen dies zutiefst, wissen aber nicht, ob G – tt ihnen jemals vergeben wird.
Hierzu muss ich kurz einlenken und erwähnen, dass gerade die christlichen Kirchen ihren Schäfchen unendliche Angst vor der Hölle machen. Man lande in der ewigen Verdammnis und was weiß ich alles.
Das Judentum kennt keinerlei Hölle und prinzipiell hat jeder Mensch die Möglichkeit zu bereuen und G – ttes Vergebung zu erhalten. Kein Mensch ist perfekt und G – tt hat uns auch nicht perfekt erschaffen. Jeder macht Fehler, kann diese aber hinterher bereuen und danach ein Leben ohne diese Fehler führen. Wenn der Mensch denn bereit ist zu lernen.
Allerdings muss ich dazusagen, dass nicht jedes Vergehen einfach so vergeben wird. Ich beziehe mich in diesem Artikel jedoch nicht auf Mord, Kidnapping oder sonstige schwere Vergehen, sondern auf unsere privaten Alltagssünden, die jeder so hat.
Aber zurück zu Rabbi Machlises Aussage:
„Oft schleppt ein Mensch sein schlechtes Gewissen mit sich herum und denkt jahrelang nur an sein Vergehen. Man fragt sich, ob G – tt wohl alles vergeben werde.
Viele Male aber ist es so, dass der Mensch sich herumquält, G – tt aber schon längst das Vergehen vergab. Nur in unserem Gewissen ist es präsent und wir können davon nicht ablassen und machen uns selber fertig. Daher sollten wir alle lernen, uns selber zu vergeben anstatt uns unentwegt Gedanken zu machen.“
G – tt vergibt viel öfter als wir bereit sind, uns selber zu vergeben.
Advertisements

5 Kommentare zu “Ein vergebender G – tt

  1. Dieser Beitrag gefällt mir sehr. Auch die Aussage des Rabbi.

    In der kath. Kirche ist die Angst vor der Hölle doch weitgehend in den Hintergrund getreten. Das Fegefeuer ist praktisch abgeschafft.
    Es ist wohl sehr schwer in die Hölle zu kommen. Dies ginge nur, wenn man sich gegen G-tt entschieden habe. Mehrfach habe ich von Geistlichen schon gehört, dass es nicht einmal sicher sei, ob Hitler in der Hölle sei. Eher wohl nicht. Auch entziehe sich eine Erkenntnis darüber jeder menschlichen Beurteilung.

    Gerade eben habe ich in unserem kath. Katechismus das entdeckt:

    1037 Niemand wird von Gott dazu vorherbestimmt, in die Hölle zu kommen [Vgl. DS 397; 1567]; nur eine freiwillige Abkehr von Gott (eine Todsünde), in der man bis zum Ende verharrt, führt dazu. Bei der Eucharistiefeier und in den täglichen Gebeten ihrer Gläubigen erfleht die Kirche das Erbarmen Gottes, der „nicht will, daß jemand zugrunde geht, sondern daß alle sich bekehren“ (2 Petr 3,9)

    „Nimm gnädig an, o Gott, dieses Opfer deiner Diener und deiner ganzen Gemeinde; ordne unsere Tage in deinem Frieden, rette uns vor dem ewigen Verderben und nimm uns auf in die Schar deiner Erwählten“ (MR, Römisches Hochgebet 88).

    http://www.vatican.va/archive/DEU0035/_P2U.HTM#A7

    Liebe Miriam,
    bitte fasse meinen Beitrag nicht falsch auf. Veranlassung ist Deine Erwähnung der christlichen Kirchen. (Wie es bei den „chrislichen“ ist weiß ich nicht. Kenne nur den katholischen Standpunkt.) ich will nicht missionieren, sondern nur informieren.

    Herzlich, Paul

  2. B“H

    Hallo Paul,

    nee, das fasse ich jetzt auch nicht so auf mit der Kirche und so. 🙂

    Es war der erste Lubawitscher (Chabad) Rebbe Schneur Zalman von Liadi, der in seinem Buch TANYA schrieb, dass G-tt nicht will, dass der Mensch in eine relig. Depression faellt. So koenne man G – tt nicht dienen.

    Rabbi Nachman von Breslov schrieb etwas Aehnliches. Und zwar, dass man sich von jeglicher relig. Depression fernhalten solle, denn diese behindere einen letztendlich, zu beten und ueberhaupt.

    Nun ist die Frage: Was ist eine relig. Depression?

    Wenn man an sich selbst und G – tt zweifelt. Wenn man einfach nicht mehr in der Lage ist, zu beten. Traurigkeit, Melancholie und negative Gedanken fallen ebenfalls in diese Sparte.

    Ferner schreibt Rabbi Schneur Zalman, dass man waehrend des Gebetes nicht daran denken soll, ob G – tt einem nun ein Vergehen vergibt oder nicht. Rabbi Schneur Zalman schreibt, dass fuer derlei Gedanken waehrend des Gebetes keine Zeit sei und man sich ueber seine Vergehen zu einem anderen Zeitpunkt sorgen sollte.

    Die Gefahr bei einem oder mehreren Vergehen besteht haeufig darin, dass der Mensch beginnt, sich gehen zu lassen. „Es sei ja eh alles zu spaet, G – tt vergebe ihm nicht und deswegen mache alles keine Sinn mehr.“

    Wie man seinem Leben dann wieder einen positiven Aspekt einraeumt:

    Rabbi Schneur Zalman: „Indem man sich sagt, dass G – tt einem vergeben habe.

    Zu Hitler: Im Judentum gilt seine Seele als nicht mehr existent.
    Es kann jeder seine Vergehen bereuen, doch es gibt Situationen im Leben, wo jede Reue nicht mehr hilft. Der Rambam (Maimonides) berichtet in einer seiner Schriften davon.

    War ein Mensch wie Hitler, Himmler oder wer auch immer, wird die Seele nach dem Tod von G – tt zerstoert.

    Rabbi Tuvia Singer, den ich oft in diesem Blog in Bezug von Bekaempfung der Judenmission durch christliche Missionare erwaehne, sagte in einem seiner Vortraege, dass Eichmann vor seiner Hinrichtung von einem Priester gesagt bekam, dass seine Handlungen vergeben seien. Genau das ginge im Judentum nicht.

    Ich verlinke einmal meinen Artikel dazu:

    http://hamantaschen.blogspot.co.il/2009/03/juden-kommen-in-die-holle-tuvia-singer.html

  3. Liebe Miriam,
    vielen Dank für Deine Hinweise.
    Das mit dem „Seele zerstören“ leuchtet mir ein.
    Über die Ansichten der von mir genannten Geistlichen zu Hitler war ich auch sehr erschrocken und konnte es nicht aufnehmen.

    Beim stöbern im Katechismus habe ich auch als Bezeichnung für die Hölle das hier gefunden:

    1035 … Die schlimmste Pein der Hölle besteht in der ewigen Trennung von Gott, in dem allein der Mensch das Leben und das Glück finden kann, für die er erschaffen worden ist und nach denen er sich sehnt.

    Ist das nicht nur eine andere Beschreibung für die Zerstörung der Seele durch G-tt?

    Danke auch für Deinen Link. Das was der Pfarrer über Eichmann gesagt hat, werte ich als seine persönliche Meinung, die für mich nicht zum verpflichtenden Glaubensinhalt gehört.

    habe auch die Kommentare zu dem Link gelesen. Sehr interessant.

    Herzlich, Paul

  4. Pardon, ein doch etwas sinnentstellender Tippfehler:

    Über die Ansichten der von mir genannten Geistlichen zu Hitler war ich auch sehr erschrocken und konnte es nicht aufnehmen.

    Muss richtig heißen: „… konnte es nicht annehmen.“

  5. B“H

    Es gibt Suenden / Vergehen, die von G – tt nicht vergeben werden. Was das fuer Vergehen sind? Massenmord duerfte da garantiert mit auf der Liste stehen.

    Bei Eichmann selber konnt das Gericht in Jerusalem keinerlei Reue feststellen, denn der Angeklagte beharrte die ganze Zeit ueber darauf, er habe lediglich Befehle ausgefuehrt.

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s