Anstand/Warum machen Juden ...

Warum schütteln religiöse orthodoxe Juden Frauen nicht die Hand?

B“H
Was mich etwas überrascht: Im deutschen Internet kommt häufig die Frage auf, wie es denn sein kann, dass fromme orthodoxe Juden dem weiblichen Geschlecht nicht die Hand schütteln.
Zuerst einmal muss ich sagen, dass das Händeschütteln an sich eine recht deutsche Angelegenheit ist. In Israel, zum Beispiel, wird man sich selten in einer Situation wiederfinden, in welcher einem andere Leute zur Begrüßung die Hand geben wollen. Man sagt SCHALOM oder HI und das wars. Aneinander herumgrabeln tun die Leute eher nicht.
Ich habe jetzt nicht nachgeschaut, wo die genaue Halacha verankert ist (wenn es denn eine Halacha ist), dass Männer und Frauen sich nicht gegenseitig die Hand geben oder anfassen, wenn sie
a) nicht miteinander verheiratet sind
oder
b) es sich nicht um Vater, Mutter, Sohn, Schwester, Bruder oder Tochter handelt.
Allerdings ist es unter frommen orthodoxen üblich, sich nicht zu berühren, es sei denn, man ist miteinander verheiratet. Männer geben also fremden Frauen nicht die Hand und Frauen geben fremden Männern nicht die Hand.
Generell sind diese Regeln bekannt, wenn man sich denn ein klein wenig mit dem Judentum beschäftigt. Wer einmal in solch eine Situation kommt und auf einen frommen Juden stößt, der greife nicht unbedingt nach einer Hand, sondern sage halt HALLO. Man muss sich ja nicht immer begrabschen, um einen freundlichen Eindruck zu machen.
Allgemein gilt in diesem Zusammenhang:
Männer geben Männern die Hand und Frauen halt Frauen. Wenn sie sich denn so begrüßen wollen.
Oft ist es genauso unüblich, dass Frauen einen fremden orthodoxen Juden nicht einfach so anquatschen. Besonders nicht auf der Straße. Im umgekehrten Falle gilt dies genauso!
Wie genau ein Mann oder eine Frau reagiert, wenn ihm oder ihr trotzdem die Hand entgegengestreckt wird, ist die private Angelegenheit des Betroffenen. Manche drehen sich weg, was beim Gegenpart auf Unverständnis stößt. Andere fromme Juden geben schon einmal kurz die Hand, wenn das Gegenüber aus reiner Unwissenheit handelte. Ein Rabbiner sagte mir einmal, dass er kurz die Hand gab, um die Frau (in dem Fall eine Nichtjüdin) nicht in der Öffentlichkeit zu beschämen. Gleichzeitig aber muss er selber aufpassen, dass andere fromme Juden, die das sehen, nicht den falschen Eindruck bekommen.
Die absolut perfekte Lösung gibt es nicht. Allerdings rate ich jedem, der sich in diese Situation begibt, sich vorher zu informieren. Falls nicht, dann gilt WENIGER IST BESSER ALS MEHR!
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