Leserfrage/Seelen/Tod im Judentum/Uncategorized

Leserfrage: „Was geschieht, wenn ein Mensch stirbt?“

B“H
Ein Blogleser fragte, was denn mit dem Menschen passiert, wenn er stirbt.
Der Mensch hängt an seinem Leben und versucht den Gedanken, dass er einmal sterben könnte, so gut wie möglich zu verdrängen. Oft gelingt das sehr gut, bis wir dann eines Tages wieder an den Tod erinnert werden. Zum Beispiel, wenn ein Freund oder ein Familienmitglied stirbt oder unheilbar krank ist.
Der Tote kommt vermutlich besser mit seiner „Situation“ zurecht als die Hinterbliebenen. Zwar heißt es im Judentum, dass die Seele des Toten nun ihre Ruhe findet und sich auf dem Weg zu ihrem Ursprung, sprich G – tt, macht. All das hilft den Hinterbliebenen wenig und man trauert und fragt sich, ob der Tote eigentlich sieht, was auf der Welt geschieht. Hat ein Toter noch Kontakt zu unserer Welt und sieht jemand seine lebenden Familienmitglieder? Nimmt er an deren Leben teil bzw. weiß er, was unten auf der Welt vor sich geht?
Wir alle wissen sehr genau, dass wir auf all diese Fragen keine definitive Antwort bekommen werden. Es ist noch keiner von den Toten auferstanden, um uns Antworten zu geben. Was wir tun können ist, zu glauben, dass ein verstorbener Angehöriger uns noch sehen kann. Gewissheit werden wir jedoch keine haben, aber der Glaube daran, hilft vielen Menschen über den Tod eines geliebten Menschen hinwegzukommen.
Das Judentum geht sehr wohl auf dieses Thema ein und im Talmud sowohl als auch in der Kabbalah finden wir unzählige Statements dazu. Aber auch hier gilt: Genau wissen tun wir es immer noch nicht. Wie sollen wir das auch, wenn wir noch am Leben sind?
Im Judentum glaubt man an die Wiederauferstehung der Toten, aber nicht an das ewige Leben. Selbst die Wiederauferstandenen in der Zeit des Meschiach werden sterben. Was es dagegen gibt, ist das ewige Seelenleben. Eine Seele lebt normalerweise bis in alle Ewigkeit.
Aber auch zur Wiederauferstehung der Toten existieren unterschiedliche rabbinische Ansichten. Eine Aussage lautet, dass diverse Toten tatsächlich für eine begrenzte Zeit wiederauferstehen. Andere Aussagen sehen das Konzept eher als spirituell innerhalb der Seelenwelt.
Die Kabbalah lehrt, dass der Mensch mindestens drei unterschiedliche Seelenlevel hat: Nefesh (der niedrigste Level), Ruach (ein Mediumlevel) sowie Neshama (ein höherer Level). Einige Kommentatoren setzten Ruach gleich mit Emotionen und die Neshama mit Intellekt / Verstand.
Pflanzen und Tiere haben ebenso eine Seele. Und zwar den niedrigsten Lebel NEFESH. Nefesh bedeutet, dass der Besitzer seinen Instinkten nach handelt. Essen, Trinken, Schlafen, Sex. Der Nefesh – Level beinhaltet nichts Spirituelles oder Emotionen, sondern nur die Basisinstinkte. Es gibt Menschen, die nach dem Nefesh – Level handeln und nur damit durchs Leben gehen. Allerdings kann ein Mensch, im Gegensatz zu Tier und Pflanze, spirituell und emotional wachsen. Ein Mensch ist in der Lage, eine Verbindung zu G – tt aufzubauen. Weder Tier noch Pflanze verspüren das Verlangen, dies jemals tun zu wollen.
In der Beantwortung der Leserfrage konzentriere ich mich auf die grundlegenden Aussagen im Talmud und nicht auf Reinkarnationen von Seelen, welche es, laut dem Judentum, durchaus gibt.
Sobald ein Mensch stirbt, war es das sozusagen. Zu Lebzeiten war er in der Lage, eine Verbindung zu G – tt aufzubauen bzw. die Thoragesetze zu erfüllen. Er konnte seinen Mitmenschen helfen, Gutes tun und und und. Sofort nach dem Tod ist damit Schluß und der Mensch wird danach gerichtet, was er bis zum Zeitpunkt seines Todes getan bzw. erreicht hat. Ein Toter kann weder Thoragesetze ausführen noch kann er seine Taten bereuen. Das kann nur ein Lebender.
Ein absolutes Muss: Ein Verstorbener muss beerdigt werden. Beerdigt in einem Grab. Einäscherungen sind im Judentum verboten. Auch werden Tote im Judentum nicht ausgestellt oder aufgebahrt, sondern lediglich in einem geschlossenen Sarg.
Im Talmud Traktat Berachot 18 – 19a wird die Meinung vertreten, dass die Toten weiterhin einen Bezug zu unserer Welt haben. Dass sie ihre Angehörigen hören, sehen, was auf Erden geschieht und auch sonst untereinander (mit anderen Toten) kommunizieren. Gleichzeitig heißt es, dass die Toten keinerlei Bezug mehr zu unserer Welt haben und nicht sehen, was auf Erden geschieht.
Allerdings bedarf es nicht des Todes, damit ein Mensch tot ist. Viele Leute sind bereits zu Lebzeiten tot, wie uns der Talmud Berachot 18b lehrt. Böse Menschen gelten zu Lebzeiten als tot. Es ist ihnen egal, dass sie eines Tages sterben werden. Sie essen und trinken und nehmen alle Annehmlichkeiten dieser Welt als selbstverständlich, ohne G – tt zu danken.
In Berachot 18b heißt es, dass die Toten im Grab sehr wohl sehen, wenn der eigene tote Körper von Würmern angefressen wird. In der Gemara (rabbinische Diskussionen) lautet es, dass: „Der Wurm ist so schmerzhaft für einen Toten wie ein Nadelstich für einen Lebenden.“
Andere rabbinische Meinungen besagen, dass der Körper keinerlei Schmerz empfindet, doch sobald die Seele den Körper verläßt, wird diesem bewusst, dass er nun allein ist.
Eine weitere Aussage derselben Gemara: „Die Toten sind sich ihrer Leiden bewusst, denn der Körper verwest. Andererseits wissen die Toten nichts vom Leiden anderer Menschen.“
Der Talmud Traktat Schabbat 151b lehrt, dass die Augen eines Toten am Schabbat nicht geschlossen werden dürfen, sondern erst nach dem Ausklang des Schabbat. Ferner darf niemand die Augen eines Toten im Augenblick des Todes schließen. Der Talmud sagt hier ausdrücklich, dass derjenige, der einem Sterbenden die Augen im Moment seines Todes schließt, ein Mörder sei. Nach dem Tod sollte man eine angemessene Zeit warten und erst dann die Augen schließen.
Wer einem Toten frühzeitig bzw. im Augenblick seines Todes die Augen schließt, könnte den Tod beschleunigen. Der Talmud vergleicht diese Situation mit der einer ausgehenden Kerze. Eine fast erloschene Flamme geht sofort aus, wenn man sie mit dem Finger berührt. Wäre sie nicht angefasst worden, hätte sie noch etwas länger gebrannt. Genau so verhält es sich mit dem vorzeitigen Schließen der Augen eines Sterbenden.
Die Gemara im Talmud Traktat Schabbat 152b lehrt, dass ein Toter hört, was um ihn herum gesprochen wird und weiß, was um ihn herum geschieht. Solange, bis der Sargdeckel verschlossen ist. Sofort nach Eintreten des Todes befindet sich die Seele noch im Körper und somit hat der Tote noch einen Bezug zu dieser Welt. Sobald die Seele den Körper verläßt, endet dieses Bewusstsein.
Wie bereits erwähnt, eine definitive Antwort gibt es nicht. Was wir dagegen tun können: Unser Leben einigermaßen ehrlich zu leben. Wir sollten, mehr oder weniger, mit uns selber im Reinen sein. Ich erinnere mich noch an meine Tante, die kurz vor ihrem Ableben alle möglichen Verwandten anrief und um Verzeihung bat. Als sie mich anrief, listete sie mir Dinge auf, die ich schon längst vergessen oder verziehen hatte. Sie aber wollte mit allen im Reinen sein und in Frieden ruhen.
Als Lebender besitzen wir die Möglichkeit, Dinge zurechtzubiegen. Als Toter ist uns diese Chance genommen und nichts geht mehr.
Ich denke, dass es wichtig ist, die Toten ruhen zu lassen. Ein Trauernder sollte irgendwann loslassen, denn für den Toten gibt es kein Zurück mehr. Wir, die noch leben, sollten mit unserem Leben fortfahren, denn das ist unsere Aufgabe auf Erden.
Gibt es eine Kommunikation mit Toten?
Auch dies ist im Judentum verboten. Kaffeesatz oder anhand von Wahrsagern mit Toten Verbindung aufzunehmen.
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