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STISSEL-Eine populäre TV Serie aus Israel zeigt das Leben der Haredim

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STISSEL, so lautete der Name eines sehr guten Schnellimbiss im haredischen (Ultra-orthodoxen) Stadtteil Ge’ulah in Jerusalem. Wie oft war ich bei Stissel Kischke oder Kugel essen? Für erschwingliche Preise gab es besonders jeden Donnerstag vorgekochtes Schabbatessen. Entweder setzte man sich gleich bei Stissel hin und stopfte sich voll oder man nahm alles mit heim.
Da Stissel absolut haredisch war, sassen Männlein und Weiblein aus Anstandsgründen an getrennten Tischen. Ehepaare durften zusammensitzen.
Mir war das egal, denn ich kam vorbei, um zu essen und nicht, um mich groß über getrennte Sitzordnungen aufzuregen. Das Essen war hervorragend und da war es mir egal, wo ich mich hinhocke. Von mir aus auch auf dem Dach.
Stissel war ein Begriff und viele Kunden waren säkulare Juden. Das beste Kischke, die besten Pasteten, der beste Gefillte Fisch und das beste Hähnchen aller Zeiten. Das war STISSEL.
Leider machte das Restaurant vor längerer Zeit dicht und ich kann noch nicht einmal sagen, ob man einfach nur umzog oder den Laden schloß. Ich hörte, dass es ein Stissel in Bnei Brak geben soll, bin mir jedoch nicht sicher, ob das stimmt.
Egal, nicht weit von dem ehemaligen Restaurant gibt es einen weiteren Schnellimbiss. Zwar weiß ich den Namen nicht, kaufe aber immer dort ein. Fischsalat, Lachssalat, Kugel oder halt andere Salate. Warme Gerichte gibt es auch und nach Geschlchtern getrennt wird aus gesessen. Wem das nicht passt, der braucht ja nicht hingehen.
Vor ein paar Jahren erschien auf einem israelischen TV Kanal eine Serie namens STISSEL. Die Macher gaben zu, die Serie nach dem ehemaligen Imbiss benannt zu haben.
Es geht um die Familie Stissel: Vater Schalom, Sohn Akivah (genannt Kiweh), Tochter Gitti mit ihrem Mann Lipa und Tochter Ruchama, die Mutter von Schalom sowie weitere Familienmitglieder.
Vater Schalom leitet ein Cheder (haredische Schule für kleine Jungen) und Sohn Akivah arbeitet dort als Lehrer. Akivah malt nebenbei und das nicht schlecht. Er verliebt sich unglücklich in die alleinerziehende Mutter einer seiner Schüler. Die Mutter wird von der bekannten Schauspielerin Ayelet Zurer gespielt, die einigen Leute aus Hollywood Filmen ein Begriff sein dürfte. Am Ende der ersten Staffel zieht die Mutter mit ihrem Sohn nach London.
Vor wenigen Monaten ging Stissel in die zweite Staffel und auch hier verliebt sich Akivah erneut unglücklich: In seine Cousine, die er solange nicht gesehen hatte. Vater Schalom ist Witwer und verlobte sich neu. Das ging schief. Genauso wie Ruchamas übereilte Teenagerehe.
Alle Schauspieler der Serie sind säkulare Juden und die Bärte daher nur angeklebt. Ich kann Stissel nur auf Youtube verfolgen, denn weder habe ich den Privatsender noch einen Fernseher.
Eines jedoch muss man zugeben: Die Schauspieler sind authentisch und nicht so steif und unglaubwürdig, wie in ähnlichen Serien. Mittlerweile erkennen viele Haredim die fiktive Stissel-Familie an und schauen sich die Folgen an. Was Stissel auf liebevolle Weise macht ist, Israelis, welche keinerlei Bezug zur haredischen Welt haben, genau diese näherzubringen. Man gewinnt einen Einblick in eine sonst so verborgene Welt. Der Zuschauer sieht, dass auch Haredim so ihre Probleme haben und nicht alles Friede, Freude, Eierkuchen ist.
Ich persönlich liebe Stissel, obwohl man hier und da schon einmal einen Fehler entdeckt. Zum Beispiel könnte Akiwah Stissel in der realen Welt als Single niemals als Lehrer arbeiten. In der haredischen Welt muss ein Lehrer immer verheiratet sein.
Ob man Stissel im deutschen TV zeigen sollte?
Schwer zu sagen, denn die Inhalte wirken nur in hebräischer und teils in jiddischer Sprache. Außerdem ist Stissel sowas von Jerusalem und gerade deswegen kann ich alles so gut nachvollziehen. Weil ich all die Orte kennen, an denen gedreht wird. Außenstehende mögen da nicht immer den Jerusalemer Witz verstehen. Meiner Meinung nach zerstört eine andere Sprache die Stissel Inhalte.
Hier ein aktueller Artikel zur Serie:
http://www.timesofisrael.com/tv-show-shtisel-subtly-changes-ultra-orthodox-perceptions/

Wen es interessiert: Hier die beiden ersten Folgen der zweiten Staffel:

 

 


 

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