Philosophie/Rabbi Joseph Dov Soloveitchik/Thora Parasha/Vorvaeter

Der seltsame Mann in der Thora

B“H
Sowohl in der gestrigen Thoralesung (Parasha) VAYESHEV als auch in der Parashat VAYISHLACH vor einer Woche begegnete er uns: Der seltsame Mann in der Thora.
In Vayishlach (Bereschit / Genesis 32:23-32:33) wird vom einem MANN (Hebräisch: ISCH) berichtet, der mit Yaakov kämpfte. Eine mehr als paradoxe Begebenheit, die eigentlich keinen richtigen Sinn ergibt. Der Mann (ISCH) greift Yaakov wie aus dem Nichts heraus an, will dann gesegnet werden und verkündet, dass Yaakov ab sofort ISRAEL heiße.
Wobei Yaakov seinen richtigen Namen beibehält und nur in bestimmten Situationen erscheint er in der Thora als ISRAEL. Nämlich immer dann, wenn es bei ihm um etwas Spirituelles geht.
Den Mann (Isch) erlebten wir erneut in der gestrigen Thoralesung VAYESHEV (Bereschit / Genesis 37:17): Als Yosef, der Sohn des Yaakov, ausging, um seine Brüder zu suchen. Yosef irrte herum und plötzlich erschien ihm ein Mann, welcher in der Thora HA’ISH (der Mann) genannt wird. Yosef fragt ihn, ob er vielleicht wisse, wo die Brüder geblieben sind und der Mann schickt ihn nach Dotan. Tatsächlich stößt Yosef dort auf seine Brüder, die ihn so sehr hassen, dass sie ihn in eine Grube schmeissen und dann an eine vorbeiziehende Karawane verkaufen.
Ein Leser fragte mich, mit wem Yaakov denn eigentlich nun kämpfte und eine weitverbreitete Meinung im Judentum lautet, dass er mit sich selbst kämpfte. Gegen seine eigene Yetzer HaRah (negative Seite in sich selbst).
Welche Bedeutung aber hat der Mann, von dem wiederholt die Rede ist?
Rabbi Yosef B. Soloveitchik kommentiert, dass der MANN (ISCH), der mit Yaakov kämpfte, derselbe Mann war, der Yosef nach Dotan schickte.
Und was genau sagte der Mann zu Yaakov?
Dass Esav ihm nichts anhaben kann, doch dass das jüdische Volk immer wieder mit Gegnern konfrontiert sein wird. Die ganze Welt stellt sich gegen das Judentum und wird keinerlei Sympathie zeigen. Der MANN ist somit die Personifizierung aller tragisch-paradoxen Momente in der jüdischen Geschichte.
Ohne den Mann (Isch) hätte Yosef seine Brüder erst gar nicht gefunden und wäre vermutlich unverrichteter Dinge wieder heimgekehrt. Dabei war es von äußerster Bedeutung, dass er die Brüder findet, denn Yosefs Aufgabe bestand darin, irgendwie nach Ägypten zu gelangen. G-tt hatte die erste Diaspora lange vorbreitet und es war an der Zeit, die Israeliten nach Ägypten zu kriegen.
Rabbi Soloveitchik schreibt, dass G-tt manchmal allein agiert und dann wieder gibt es Situationen, in denen er einen Mann (ISCH) schickt. Bedeutet, dass Er einen Menschen als eine Art Werkzeug benutzt, damit eine bestimmte Situation eintritt.
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