Chanukkah/Uncategorized

Chanukkah Insights

B“H
Heute Abend beginnt das achttägige Chanukkah (Lichterfest). Laut dem jüdischen Kalender wird Chanukkah acht Tage lang, vom 25. Kislev bis zum 2. oder 3. Tevet, gefeiert. Es ist kein biblisches, sondern ein rabbinisch verankertes Fest, festgelegt von den Sanhedrin. Das erste Mal wurde Chanukkah schon ein Jahr nach dem tatsächlichen Geschehen gefeiert.
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Was oftmals gerne übersehen wird ist, dass Chanukkah ein rein jüdisches Fest ist und mit dem Christentum absolut nichts zu tun hat. Der alleinige Beweis dafür ist die Zeitperiode, in der sich das Chanukkah–Wunder bzw. der Kampf der Makkabäer gegen die Griechen ereignete. Die Makkabäer waren Cohanim (Tempelpriester) und sie kämpften gegen den Götzendienst im Heiligen Land, in Jerusalem und vor allem im Tempel. Sie kämpften für das Judentum und wenn die Makkabäer sehen könnten, wie heutzutage ihr Sieg von anderen Religionen missbraucht wird, dann täten sie sich im Grabe umdrehen. Weihnachten und Chanukkah haben daher nichts miteinander zu tun und wer beide Feste auf einen Nenner bringen will oder zusammenfeiert, der tritt die Absicht der Makkabäer mit Füßen.
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In diesem Beitrag gehe ich nicht unbedingt auf die historischen Ereignisse ein, sondern vielmehr auf die Halachot, Bräuche und chassidische Traditionen.
Ziel der griechischen Besatzung war es, die jüdische Religion auszulöschen. Das Thoralernen, der Schabbat und Beschneidungen (Brit Milah) waren gesetzlich verboten. Mit dem Aufstand der Makkabäer (Mattityahu, der Vater Yehudah Makkabis, war Cohen HaGadol-Hohepriester) im Jahre 165 vor Beginn der Zeitrechnung fanden die Juden zur Spiritualität zurück. Die Griechen waren auf Materialismus und Schönheit des Körpers bedacht, doch die Juden wollten ihre Religion erhalten. Es war nicht nur ein Aufstand gegen die Besatzung, sondern vielmehr ein spiritueller Kampf und ebenso ein Kampf ums Überleben. Der Kampf zwischen der Seele (Neschama) und dem Materialismus.
Das eigentliche Chanukkah–Wunder ist nicht der siegreiche Krieg der Makkabäer, sondern das achttägige Brennen der Menorah (siehe Rabbi Avraham Yehoshua Heschel von Apta in seinem Buch „Ohev Israel, der Sefat Emet und viele andere Kommentatoren). Nachdem die Makkabäer den Tempel von den Griechen zurückeroberten, fanden sie in ganz Jerusalem nur eine einzige kleine Flasche reines koscheres Olivenöl. Mit dieser Menge hätte die Tempelmenorah (der siebenarmige Tempelkerzenleuchter) vielleicht einen Tag brennen können. Für die Herstellung neuen reinen koscheren Olivenöles wurden acht Tage benötigt und das Wunder war, dass die Menge der kleinen Flaschen acht Tage lang ausreichte und die Menorah brannte.
Im Chassidismus sowie der Kabbalah sind die acht Tage von Chanukkah und das Wunder insgesamt zeitlos. Für G–tt existiert keine Zeitrechnung, denn Er ist unendlich. Die Zeitrechnung, die in unserem DNA verankert ist und die uns bekannt ist, existiert in den oberen Welten nicht. Im Gegensatz zu unserer Welt koexistieren in den oberen spirituellen Welten die Vergangenheit, die Gegenwart sowie die Zukunft. Alle drei Zeiten existieren auf einmal, heisst, zum gleichen Zeitpunkt und daher ist Chanukkah zeitlos.
Aber wieso Wunder ? Was genau ist überhaupt ein Wunder ?
Ein Wunder gilt immer dann als solches, wenn etwas Übernatürliches geschieht. Etwas, dass aller Natur zum Trotz passiert und für unseren menschlichen Verstand unerklärbar und unlogisch ist. Aber nicht alles, was uns als Wunder erscheint, muss immer gleich eines sein (der Ramban-Nachmanides) hat hierzu eine Erklärung innerhalb der Parashat Noach (Genesis-Bereschit 11:28), auf welche ich noch eingehen werde). Für G–tt ist es selbstverständlich, die Natur beliebig verändern zu können, was er zu Zeiten der Makkabäer tat udn somit die Kerzen der Tempelmenorah acht Tage brannten.
Im Chassidismus stehen die Chanukkah-Kerzen für die Seele (Neschama) der Menschen. Auch wird das Licht selbst als das „verborgene Licht (Or HaGanuz)“ gesehen, welches G-tt am ersten Tag erschuf und welches in der Zeit des Meschiach zurück kommt (siehe den chassidischen Kommentar „Bnei Yissachar“). Die acht Tage sind für uns eine spirituelle Reise des Körpers und der Seele. Essen, Kerzen und die Historie stehen für den Körper und Meditation, Freude, Wärme und Licht für die Seele.
Das Licht Chanukkahs hat die Macht, zu jedem Juden zu gelangen und sei dieser auch spirituell so weit von seinen jüdischen Wurzeln entfernt. Seine Seele (Neschama) verfügt immer über einen Funken, heisst einer direkten Verbindung zu G–tt (Rabbi Shmuel Bozorovsky, der derzeitige Rebbe der chassidischen Gruppe Slonim).
Dieser Funke verbleibt auch nach dem Tode in der Seele und wird bei der Auferstehung der Toten wieder zum Leben erweckt (Bnei Yissachar).
Der Sefat Emet (ehemaliger Rebbe der Chassidut Gur) betrachtet jedes Chanukkah als spirituelle Erneuerung für den Juden. Dies gilt insbesondere für die Juden in der Diaspora. Das Chanukkah–Licht erneuert in ihnen die Erkenntnis ihrer Zugehörigkeit zum jüdischen Volk und verdeutlicht ihnen gleichzeitig, das schwierige Leben in der Diaspora. Der Aufstand der Makkabäer zeigt uns, dass wir niemals die Hoffnung aufgeben dürfen, da Juden die spirituelle Kraft haben, etwas zu bewirken. G – tt kann zu jeder Zeit die Natur überwinden und ein Wunder bewirken.
Halachot und Bräuche
1. Am ersten Abend werden vor dem Anzünden drei Segen gesagt, an den weiteren Abenden nur zwei. Siehe Siddur.
2. Gezündet werden die Kerzen mit dem Schamasch, der Kerze hinter allen anderen (der 9. Kerze). Zuerst den Schamasch anzünden und dann von links nach rechts jede neu dazugekommene Kerze zünden. Immer die neue Kerze zuerst. Bei Ölkerzen sollte der Schamasch eine Wachskerze sein.
3. Die Chanukkiah (Chanukkah–Leuchter) sollte am Fenster oder neben bzw. vor der Haustür plaziert werden. „Lefarsem et HaNes-das Wunder verkünden“.
4. Es ist verboten das Chanukkah-Licht für andere Zwecke zu verwenden (z.B. zum Lesen).
Es gibt einen Brauch die Psalmen 30, 67 und 91 zu sagen, während die Kerzen brennen. Laut Baal Shem Tov wird Psalm 91 sieben Mal gesagt. Außerdem sagen wir Hallel (Psalm 113–118) an Chanukkah !!!
5. An Chanukkah ist es verboten zu fasten oder zu trauern.
Es ist keine Pflicht, aber man kann ein Chanukkah-Essen daheim vorbereiten. Bei Chassidim ist dies sehr populär.
6. Es ist eine Mitzwah, die Kerzen zu zünden und jeder im Haushalt sollte seine eigenen Kerzen anzünden. Ein Licht täglich wäre halachisch genug.
Während des 2. Tempels gab es einen Streit zwischen Hillel und Schammai. Laut Schammai sollten am ersten Abend acht Kerzen brennen und dann jeden Tag eine weniger. Wir folgen der Meinung Hillels, der sagte, dass am ersten Tag eine Kerze gezündet wird und danach täglich eine weitere hinzugefügt wird.
7. Gewöhnlich wird nach dem Lichterzünden MAOZ ZUR gesungen.
8. Das traditionelle Essen sind Sufganiot (Krapfen, Berliner), Latkes (Kartoffelpuffer) und auch Käse. Der Käse geht auf die Geschichte mit Judith zurück, die König Eliporni tötete, indem sie ihm Käse zu essen gab, er durstig wurde, Wein trank und betrunken wurde.
Sufganiot und Latkes werden gegessen, da sie viel Öl enthalten und Öl das Wunder repräsentiert.
9. Im Birkat HaMazon fügen wir das Gebet „Al HaNissim“ ein.
10. Es ist Brauch, den Kindern Chanukkah-Geld zu geben.
11. Auch spielen viele mit dem Kreisel-Dreidel (hebräisch „Sevivon“). Auf dem Dreidel steht auf jeder der vier Seiten ein Buchstabe:
Nes Gadol Haya Po – Ein grosses Wunder war hier (auf israelischen Dreideln).
Nes Gadol Haya Sham – Ein grosses Wunder war dort (auf ausländischen Dreideln).
12. Das Arbeiten während der acht Tage von Chanukkah ist NICHT verboten (siehe Rabbeinu Gerschom sowie den Schulchan Aruch–Orach Chaim 670).
Für Chassidim hat das Dreidelspiel eine innere Bedeutung, was ich einmal auf einer Chanukkah-Party der Breslover Chassidim lernte. Die vier Seiten mit den Buchstaben weisen auf die vier Königreiche Babylon, Griechenland, Persien und Rom hin. In der Zukunft werden diese Königreiche verschwinden, doch Israel wird fortbestehen (Bnei Issachar).
Vorab wünsche ich allen „Chanukkah Sameach“- HAPPY CHANUKKAH!
In Israel bedeutet Chanukkah heute ebenso ein Business. Geschenke für die Kinder und allerlei Schnickschnack.
Es sollte keinesfalls übersehen bzw. überbewertet werden, dass die Makkabäer am Ende wieder verloren. Einer ihrer Fehler war es, sich selbst zum absoluten Herrscher zu erheben und keinen König einzusetzen.
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