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Warum die berühmte Volozhin Yeshiva ihre Tore schloß

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Photo: Miriam Woelke

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Rabbi Joseph Dov (Ber) Soloveitchik ist nicht ganz unbekannt unter deutschsprachigen Juden. Ausgesprochen berühmt ist er bis heute vor allem in der amerikanischen Orthodoxie und auch ich habe schon viele Male über ihn berichtet.
Rabbi Soloveitchik stammte aus einer berühmten rabbinischen Dynastie, welche ihre Wurzeln in Rabbi Chaim von Volozhin (Anhänger des Vilna Gaon) hat. Die Familie Soloveitchik ist weit verzweigt und umfasst, u.a., auch Rabbi Naftali Zvi Yehudah Berlin (eingeheiratet), dessen Sohn Rabbi Chaim Berlin, Rabbi Yosef Ber Soloveitchik (den Brisker „Beit HaLevi“) oder Rabbi Chaim von Brisk.
Es kann sein, dass all diese Namen im deutschsprachigen Raum weniger bis gar nicht bekannt sind. In der jüdischen Orthodoxie hingegen spielen sie bis heute eine immens wichtige Rolle.
Während der spätere Philosoph, Rabbi Yosef Dov Soloveitchik (verstorben im Jahre 1993) in seinen Auslegungen als recht offen galt, ist der Rest der Familie für eine wesentlich strengere Gangart bekannt. Wobei man nicht den Fehler begehen sollte, Rabbi Yosef Dov als modern zu betiteln! Das war er defintiv nicht und, obwohl ihn sogar Reformjuden ab und an zitieren, war er dem Reformjudentum abgeneigt.
Die Familie Soloveitchik stellte sehr häufig das rabbinische Oberhaupt (Rosh Yeshiva) der berühmte Volozhin Yeshiva in Litauen. Darüber hinaus entstand mit dem Beit HaLevi, dessen Sohn Rabbi Chaim von Brisk und dessen Sohn Rabbi Yitzchak Ze’ev (genannt Velvele) das Brisker Movement.
Brisk gilt als litauisches (litvisches) Movement, welches seine Hauptsitze in den USA sowie in Jerusalem hat. Unter anderem sind die Brisker für ihre extrem ablehnende Haltung gegenüber dem Staat Israel bekannt und nehmen eine führende Rolle in der antizionistischen Dachorganisation Edah HaCharedit (Jerusalem) ein.
Die Brisker treten äußerlich wie litvische Juden, sprich schwarzer Anzug und Hut sowie weißes Hemd, auf. Unterscheiden tut sich nur eine besondere Art der Schläfenlocken, die anders aussehen als bei anderen ultra-orthodoxen Juden. Der Brisker Stil ist nicht nur bei den Schläfenlocken anders, sondern ebenso in der Art des Talmudstudiums.
Die Volozhin Yeshiva war im 19. Jahrhundert der ganze Stolz des litauischen Judentums. Sie war die erste Yeshiva ihrer Art, wo jüdische Männer Thora und Talmud studierten. Und das bei den damals allerbesten litvischen Rabbinerpersönlichkeiten.
Im Jahre 1892 jedoch forderte die russische Regierung die Yeshiva auf, neben Thora und Talmud auch weltliche Fächer wie Mathematik, Biologie, Geographie oder Physik einzuführen. Jedoch hatte diese Forderung nicht allein ihren Ursprung im russischen Bildungsministerium, sondern damalige Reformjuden versuchten direkten Einfluß auf die orthodoxe Einrichtung zu nehmen, um diese zu zerstören. Zuvor waren dementsprechend mehrere Versuche unternommen worden, die Volozhin Yeshiva spirituell kaputtzumachen. Jetzt erhoffte sich das Reformjudentum einen neuen erfolgreicheren Anlauf, indem die russische Regierung eingeschaltet wurde.
Es kam zu einer Beratung, an welcher, u.a., der Netziv (Rabbi Naftali Zvi Yehudah Berlin), dessen Sohn Rabbi Chaim Berlin, der Beit Halevi sowie dessen Sohn Rabbi Chaim von Brisk teilnahmen. So mancher Rabbiner vertrat die Ansicht das, um die Yeshiva zu retten, weltliche Fächer eingeführt werden sollten. Der Beit HaLevi sprach sich strikt dagegen aus, denn man könne nicht heilige Themen mit anderem vermischen. Seine emotionale Rede überzeugte alle Teilnehmer davon, dass man die Yeshiva lieber schließe, anstatt weltliche Fächer zu lehren.
Kurz darauf befahl die russische Regierung, die Yeshiva zu schließen. Die Rabbiner waren am Boden zerstört und als man den Sohn des Chaim von Brisk, Rabbi Yitzchak Ze’ev Soloveitchik, später dazu befragte, sagte dieser, dass die Schließung notwendig gewesen sei. Was genau war damit gemeint?
Als sein Vorfahr Rabbi Chaim von Volozhin einst den Grundstein zum Bau der Yeshiva legte, begann dieser bitterlich zu weinen. Es heißt, dass Rabbi Chaim von Volozhin die spätere Schließung erahnte und deswegen weinte.
Worauf Rabbi Yitzchak Ze’ev Soloveitchik vielleicht auch anspielte:
Das Reformjudentum unternahm zu der Zeit alles Erdenkliche, die Orthodoxie zu zerstören. Selbst Schüler der Volozhin Yeshiva liefen zu den Reformern über und versuchten die berühmte Volozhiner Yeshiva von innen heraus kaputtzumachen. Deswegen war eine Schließung von Vorteil.
Ein paar Jahre später wurde die Yeshiva neu eröffnet.
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Quelle:
Das Buch oben im Bild:
„The Brisker Rav“ von Rabbi Shimon Yosef Meller

 

Weitere Links:
Volozhin, die Mutter aller Yeshivot
Rabbi Chaim von Volozhin
Die Volozhin Yeshiva einst und heute
Brisk / Soloveitchik
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