Baal Teschuva (Neureligioese)/Haredische Welt

Warum ich kein Mitglied einer chassidischen Gruppe bin

B“H
Ein Leser meines englischen Blogs fragte mich, warum ich kein offizielles Mitglied einer chassidischen Gruppe ist. Ob da etwas sei, was mich an einem chassidischen Rebben störe ?
Mein erster Encounter mit der chassidischen Welt fand, wie könnte es nicht anders sein, bei Chabad Lubawitsch statt. Surprise, surprise !!! 🙂
Die meisten Neureligiösen (Ba’alei Teschuva) teilen vermutlich dieselbe Erfahrung. Entweder sind es Chabad oder die Lehren des Nachman von Breslov. Wobei jemand, der ernsthaft an Breslov interessiert ist, sich eingehend erkundigen sollte, denn es gibt zahlreiche selbsternannte Breslov Rabbiner verschiedener Neureligiösen Movements. Fallt bloß nicht auf Scams herein. Des Weiteren solltet Ihr Breslover Inhalte in der haredischen Gesellschaft lernen und niemals bei Nationalreligiösen !
Obwohl ich ein paar Jahre bei Chabad lernte, wurde ich niemals offizielles Mitglied der Gruppe und hegte bezüglich einer Mitgliedschaft niemals irgendwelche Absichten. Stattdessen genoss ich die Schiurim (Vorträge) bei Rabbi Adin Steinsaltz, einem seiner Söhne sowie vieler anderer Rabbiner.
Mitglied wurde ich dennoch nie. Nicht, weil ich etwas gegen Chabad habe, sondern weil ich die Verkörperung der Introvertiertheit bin. Es gibt Zeiten, in denen ich mit den Mitmenschen kommuniziere und es gibt genauso Zeiten, in denen ich allein sein will. Ich bin kein Gruppentyp und will nicht im Mittelpunkt stehen. Andererseits kann ich schon auf Menschen zugehen und mit ihnen reden. Viele Introvertierte können das nicht, bei mir hingegen ist das kein Problem.
Meine ganz persönliche Meinung lautet, dass jemand nicht Mitglied einer chassidischen Gruppe sein kann, wenn er extrem introvertiert ist. Kann sein, dass ich mich irre, aber wer mit einer introvertierten Persönlichkeit will ständig zu treffen mit anderen Chassidim und dem Rebben gehen und sich jeglicher Art von Gruppenzwang aussetzen ? Was, wenn ich gerade allein sein will und ein Community Treffen steht an ? Und die finden häufiger statt als man denkt. Gut, ich kann mich hinzwingen, aber dann bringe ich eine ziemlich miese Laune mit.
Der zweite Grund, warum ich kein Mitglied in einer chassidischen Gruppe ist, dass ich mich nicht nur auf einen einzigen Rebben und eine einzige Gruppe konzentrieren will. Was, wenn der Rebbe einmal im Unrecht ist ?
Eigentlich dürfte ich gar nicht sagen, dass ein Rebbe Unrecht hat, aber was, wenn ich mich so fühle ? Würde ich dennoch auf seinen Rat hören ?
Ich kenne einen Vischnitzer Chassid, der mir einmal ziemlich private Dinge von sich erzählte. So traf er sich mit einer Frau und war bereit, diese zu heiraten. Er ging zum Rebben, um sich die Erlaubnis einzuholen und der Rebbe sagte NEIN. Die Frau sei nicht für den Chassid geeignet und er solle sich eine andere Heiratswillige suchen.
Jetzt nach mehreren Jahrzehnten bereut der Chassid immer noch die Entscheidung des Rebben, denn er hatte die Frau unbedingt heiraten wollen. Ich fragte ihn, warum er sie denn nicht trotzdem heiratete. Ohne auf den Rebben zu hören.
Die Antwort des Chassid: Das ist der Grund, warum ich Mitglied in einer chassidischen Gruppe bin und Du nicht. Ich höre auf das Wort des Rebben. Egal, was er sagt. Er ist nun mal der Rebbe.
Wenn ich nicht mit der Entscheidung des Rebben meines Privatlebens betreffend einverstanden bin, würde ich folglich meine eigene Entscheidung fällen. Egal, ob ich im Nachhinein damit auf den Bauch falle oder nicht.
Hinzu kommt, dass ich nicht jemand bin, der andere Menschen verehrt. Für mich ist ein Rebbe auch nur ein Mensch und nicht G – tt. Halachischem Rat würde ich durchaus folgen, aber sobald es zu privaten Belangen kommt, ist das etwas anderes.
Trotz allem war ich vor vielen Jahren einmal der Meinung, mich unterordnen oder einordenen zu können. Und so wollte ich Mitglied bei den Satmarer Chassidim werden. Damals noch bei einem vereinten Satmar unter Rebbe Moshe Teitelbaum. Nach seinem Tod teilte sich Satmar in zwei Gruppen mit zwei rivalisierenden Rebbe – Brüdern auf.
Was mir von Satmar blieb sind immer noch ein paar Freunde und ich lese regelmäßig die Thorakommentare des ersten Satmarer Rebben Yoel Teitelbaum. Zu Unrecht meinen viele, Satmar bedeute lediglich, die israelische Flagge zu verbrennen, aber das stimmt absolut nicht. 🙂
Häufig begehen Neureligiöse den Fehler, indem sie meinen, sich irgendwo unterordnen zu müssen. Man müsse unbedingt Mitglied bei irgendetwas sein, um dazuzugehören und anerkannt zu werden. Diese Annahme ist falsch und die Erkenntnis kommt einem, wenn man schon länger dabei ist und etwas älter ist.
Ich bin ausgesprochen flexibel, aber keine Rampensau oder drücke jedem, den ich treffe, meine Biographie aus. Ich lege hohen Wert auf Privatleben und gehe nicht mit Stories hausieren. Damit bin ich besonders in der haredischen (ultra – orthodoxen) Gesellschaft immer sehr gut gefahren, denn Angeber und Arroganz sind verpönt.
Ich gehe zu litvischen Haredim genauso wie zu Chassidim und selbst wenn ich alles andere als haredisch gekleidet bin, Teil der Gesellschaft und der Ideologie werde ich immer bleiben. Was dagegen absolut nicht in Frage kommt ist, sich irgendwelchen Nationalreligiösen anzuschliessen. Das geht gar nicht, denn mit deren Mentalität kann ich nichts anfangen. Mindset und Verhalten sind komplett anders und damit komme ich beim besten Willen nicht zurecht. Wenn etwas, dann die haredische Welt oder gar nichts. 🙂
Advertisements

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s