Baal Shem Tov/Chassidische Geschichte/Juedische Konzepte/Kotzk/Rabbi Avraham Joshua Heschel

Unterschiede zwischen dem Baal Shem Tov und dem Kotzker Rebben

B“H
In diesem Artikel beziehe ich mich auf die Unterschiede zwischen dem Baal Shem Tov und dem Kotzker Rebben. Ich beziehe mich noch nicht auf die ursprüngliche Peschis’cha Ideologie, denn ich muss dazu noch ein paar Quellen durchgehen.
Was der Baal Shem Tov (BESCHT) seinerzeit tat, war absolut keine Neuheit im Judentum. Es handelte es sich auch um nichts Revolutionäres, was die Gefahr birgt, alles andere über den Haufen zu werfen. Die Doktrin des Baal Shem Tov existierte schon mehrere Tausend Jahre lang, nur war alles irgendwann in Vergessenheit geraten.
Der jüdische Philosoph Avraham Joshua Heschel schreibt in seinem Buch KOTZK: THE STRUGGLE OF INTEGRITY (der hebräische Buchtitel lautet KOTZK)
Bevor der Baal Shem Tov auf der Bühne erschien, fasteten die Juden um eine Verbindung zu G – tt aufzubauen.
Hier wird sich auf die Zeit des späten Mittelalters bezogen, denn zu Zeiten der Festlegung des Talmud (bei den Tannaim und Geonim) waren die Zeiten nicht so spirituell düster wie später. Das Judentum in Europa dagegen unterlag stetigen Veränderungen aufgrund verschiedener Herrscher und Pogrome.
Meiner Meinung nach gab es selbst zu Zeiten des Rabbi Saadia Gaon mehr Freude (Simcha) im Judentum als in den dunklen Tagen des Mittelalters von Mitteleuropa. Dennoch sollte ich erst einmal Saadia’s Biographie lesen, die auf meinem Bücheregal steht.
Der Bescht brachte die Freude (Simcha) zurück in das Judentum. Und das zu einer Zeit, in der G – tt für einen Normalo Juden so unedlich weit weg erschien und die Gemeinden von Rabbinern geleitet wurden. Nur die jüdischen Gelehrten, so schien es, hatten einen Verbindung zu G – tt.
Plötzlich stand da einer wie der Baal Shem Tov und verkündete, dass jeder Jude eine Beziehung zu seinem Erschaffer haben kann. Egal, wie fromm jemand ist. G – tt ist überall und in allem auf dieser Welt. Es ist so leicht, einen Mitzwah (Thoragesetz) zu erfüllen und auf diese Weise eine Verbindung zu G – tt aufzubauen.
Jahre später lehrte das Peshis’cha Movement dieselben Inhalte: Jeder Jude hat das Zeug, ein Zaddik (Gerechter) zu werden. Nichtsdestotrotz sagte der Kotzker Rebbe, dass ein Jude vor der Ausführung einer Mitzwah zuerst einmal sich selber reinigen sollte. Der eigene Körper ist des Menschen schlimmster Feind. Als Erstes muss sich der Jude innerlich von allem Negativen wie Arroganz und Stolz befreien.
Laut dem Baal Shem Tov soll ein Jude mit ganzem Herzen und Freude dienen. Sich auf die positiven Seiten im Leben konzentrieren und davon absehen, übermäßige Kritik an sich selber zu üben. Der Talmud lehrt, dass es nicht nur verboten ist, Laschon Harah (üble Nachrede) über andere zu reden. Genauso ist es verboten, Laschon Harah über sich selbst zu reden. Jedenfalls dann, wenn die Eigenkritik zu übertrieben erscheint und einen alles nur in eine Depression zieht. Man solle nicht zu streng mit sich ins Gericht gehen. Nach dem Baal Shem Tov lehrten, u.a., der Chabad – Gründer Rebbe Schneur Zalman von Liadi sowie Rabbi Nachman von Breslov dieselben Inhalte.
Rebbe Menachem Mendel von Kotzk betonte immer die EMET (AUFRICHTIGKEIT). Sei ehrlich im Umgang mit G – tt und diene Ihm mit ernsten aufrichtigen Absichten. Avraham Joshua Heschel nennt diese zwanghafte Art der Selbstreinigung vor der Ausführung einer Mitzwah „Selbsthass“. Ein Mensch und sein Körper sind sich spinnefeind und deswegen müssen wir zuerst unsere Schwächen besiegen. Dies bezieht sich nicht unbedingt auf die Sexualität, sondern vielmehr auf Emotionen und das eigene Verhalten. Sei nicht arrogant, egoistisch und zu stolz. Stattdessen verhalte Dich bescheiden und diene G – tt aus ehrlicher Absicht heraus. Kein Lala Land wie „Ach, alles ist so toll und ich schwebe“. Nichts hippiemäßgiges, sondern völlig stinknormal.
EMET EMET EMET – und nur das.
Jetzt fragt Ihr Euch sicher: Gibt es Juden, die den „eigenartig“ klingenden Kotzker Ideologien folgten ? Die Antwortet lautet: Der Kotzker Rebbe hatte ausgesprochen viele Anhänger.
Ich habe das Buch des Avraham Joshua Heschel noch nicht ausgelesen, doch nach wenigen Seiten fiel mir bereits auf, wie chassidisch verseucht ich eigentlich bin. Seit 20 Jahren lerne ich chassidische Inhalte aller Art und schnell habe ich diese so verinnerlicht, dass ich oft den Unterschied zwischen chassidischer Ideologie und anderen jüdischen Inhalten nicht mehr sehe. Der Chassidismus ist Teil meines Lebens geworden und meine Art, mit G – tt umzugehen. Nicht nur die Lehren des Baal Shem Tov zogen mich sehr schnell in den Bann. Genauso waren es aber auch Rabbi Yitzchak Luria oder Rabbi Schneur Zalman von Liadi und andere Rebben und Rabbiner. Chassidische Konzepte klingen für mich absolut logisch und es undenkbar, dass diese nicht der Wahrheit entsprechen sollen.
Die Lehren des Kotzker Rebben lehne ich keineswegs ab. Dennoch hängt es von der Persönlichkeit eines Juden ab, welcher orthodoxen Ausrichtung des Judentums er sich nähert. Einer mag es streng und ernsthaft und der andere bestreitet mit Freude sein religiöses Leben. Egal, was passiert.
Der Grund, warum der Bescht so überaus erfolgreich war: Plötzlich wurde den Juden die positive Seite des Judentums vermittelt und alles erschien nicht mehr so eintönig. Geradezu langweilig und eine Zeit, in welcher der Rabbiner die große Persönlichkeit darstellte und alle anderen lediglich Schafe sind.
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