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Parashat TAZRIA – METZORA – פרשת תזריע מצורע

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Photo: Miriam Woelke
Blick auf Jerusalem
B“H
Die Thoralesung für diesen Schabbat
An diesem Schabbat werden in den Synagogen gleich zwei Thoralesungen (Parashot) verlesen: TAZRIA und METZORA. In Jerusalem beginnt der Schabbat am morgigen Freitag um 18.33 Uhr und endet am Samstagabend um 19.48 Uhr.
Die erste Parsha, Parashat Tazria lehrt uns, wie wir durch menschliche Körper unrein (tameh) werden und später, in Metzora, wird uns mitgeteilt, wie wir uns aus diesem Zustand der Unreinheit (Tumah) befreien können.
Der Maharal von Prag stellt in seinem Thorakommentar „Gur Aryeh“ (siehe auch Rabbi Yehonatan Eibeschütz) die Frage, warum uns zuerst von der tierischen Unreinheit und dann erst von der menschlichen berichtet wurde. Hätte G – tt uns Menschen nicht vorziehen müssen ? Wenn wir auf die Erschaffung der Welt zurückschauen sehen wir, dass Tiere vor den Menschen erschaffen wurden. Sollte jemand von uns zu arrogant werden, dürfen wir nie vergessen, dass selbst die kleinste Mücke vor uns erschaffen worden ist.
Im Buch „Likutei Sichot“ von Chabad heißt es, dass G – tt zuerst über Kaschrut (kosher laws) sprach, denn schon vor der Geburt eines Kindes ist die Mutter für den Embryo verantwortlich. Verantwortung hierbei bedeutet, dass sie nur koschere Nahrung zu sich nimmt, um das Kind positiv zu beeinflussen. (Vor allem die Kabbalah betrachtet den Einfluss unkoscheren Essens auf einen Juden als gravierend negativ für die Seele (Neschama)).
Gleich zu Beginn geht es um das Thema Geburt. Das kabbalistische Buch Zohar beschreibt welche Stationen eine Seele (Neschama) durchläuft, bevor sie in unserer Welt in einen menschlichen Körper gelangt. Zuerst geht die Seele in das Paradies (Gan Eden) und sieht dort die Seelen der Gerechten (Zaddikim). Danach geht sie ins Gehinnom, wo sie die Schreie der schlechten Menschen hört. Schließlich kommt die Seele mit einem männlichen und weiblichen Part in diese Welt und spaltet sich auf in einen Mann und eine Frau. Unsere Aufgabe im Leben besteht darin, unsere „Soulmate – Seelenverwandte/r“ zu finden und zu heiraten.
Im Paradies sieht die Seele den perfekten Zustand und eine heile Welt. Im Gehinnom dagegen wird ihr das Gegenteil gezeigt. Gehinnom im Judentum bedeutet nicht Hölle, sondern ein spiritueller Reiningungsprozeß. Rabbi Meir Weiner beschrieb den Zustand einmal sehr treffend: Gehinnom ist, wenn die Seele den Körper verlässt und in einer Art Twilight – Zone hängenbleibt. Sie will zu G – tt aufsteigen und bleibt auf der Strecke bis zum Ende des Reinigungsprozesses stecken. Sie sieht das Licht, aber kann es vorläufig nicht erreichen. Bevor die Seele in unserer Welt in einen menschlichen Körper gelangt, weiß sie also genau, was sie nach dem Tod des Menschen erwartet. Entweder Gan Eden oder Gehinnom.
Die Gemara im Talmud Niddah 30b fährt mit der Beschreibung der Geschehnisse vor der Geburt fort. In den Monaten der Schwangerschaft wird dem Embryo die gesamte Thora gelehrt. Sobald das Baby bei der Geburt das Licht unserer Welt erblickt und den Körper der Mutter verlösst, kommt ein Engel und gibt ihm einen Klaps auf den Mund, was das Baby die Thora wieder vergessen lässt. Ziel ist es daher, zur Thora zurückzufinden.
Nach der Geburt eines Kindes ist die Frau für gewisse Zeiten unrein. Die Thora fährt fort mit der Beschreibung einer weiteren Unreinheit, nämlich dem Hautaussatz. „Tza’arah“ wird gerne als Aussatz übersetzt und medizinisch auch als solches betrachtet. Der biblische Aussatz (Tza’arah) hat aber ganz andere Ursachen und von daher absolut nichts mit den heutigen medizinischen Erkenntnissen von Aussatz zu tun. Bei Tza’arah handelt es sich um eine g – ttliche Strafe und es hat spirituelle Wurzeln. Hervorgerufen wird sie durch Arroganz, sexuelle Perversion, Blutvergiessen, Egoismus und vor allem durch Laschon HaRah, der üblen Nachrede. Welche katastrophalen Folgen Laschon HaRah haben kann, werden wir in ca. zwei Monaten in der Parasha Schelach erfahren, wenn Moshe die Spione nach Israel schickt, um das Land auszukundschaften (Talmud Traktat Arachin 15a). Bei ihrer Rückkehr sprechen diese Laschon HaRah über Israel und bis heute leiden wir unter den Auswirkungen.
Laschon HaRah ist ein weitverbreitetes und vieldiskutiertes Thema im Judentum. Wer die Bücher des Chafetz Chaim kennt, der weiß, wie komplex das Thema ist. Was genau wird als üble Nachrede betrachtet und was nicht ? Theoretisch könnte jeder bei Behauptungen gegen sich sagen, dass das ja alles nur Laschon Harah sei. Verdammt uns diese Regel also zum Stillschweigen ? Nein keinesfalls, denn es gibt Dinge im Leben, die müssen ausgesprochen werden. Ja, man hat sogar eine Verpflichtung gewisse Sachen kundzutun. Beispiel: bei kriminellen Handlungen einer Person oder wenn eine zweite Person Schaden erleiden könnte.
In jedem Jahr wenn diese Parasha gelesen wird, gibt Rabbi Mordechai Machlis ein persönliches Beispiel, wie Laschon HaRah missinterpretiert werden kann:
Vor einigen Jahren heiratete ein ihm bekanntes Paar. Kurz nach der Hochzeit began der firsch gebackene Ehemann seine Frau zu misshandeln und alle möglichen Gegenstände nach ihr zu werfen. Es ging sogar soweit, dass er sie fast tötete. Die Frau reichte die Scheidung ein. Was die Frau erst bei der Scheidung erfuhr war, dass ihr Gatte zuvor mehrmals in psychiatrischen Kliniken eingeliefert war und ein langes Vorstrafenregister hatte.
Nach der Scheidung ging die Frau zusammen mit der des Rabbis zu den Leuten, die den Ex von früher her kannten und ihr damals vor der Hochzeit versichert hatten, dass es sich um einen tollen Mann handele. Über seine Geisteskrankheit bewahrten sie jedoch Stillschweigen. Einmal zur Rede gestellt, warum sie ihr nichts erzählt hatten, kam die Rechtfertigung, dass sie nicht Laschon HaRah sprechen wollten. Außerdem dachten sie, dass eine Ehe ihn positiv verändern wuerde. Die Frau sowie die Gattin des Rabbis waren sprachlos über soviel Ignoranz.
Auf die spezifischen Details der Laschon HaRah geht der Talmud Traktat Arachin 15b ff. ein. In Arachin 16a erfahren wir folgendes:
Rabbi Shmuel bar Nachmani sagte im Namen Rabbi Jonathans: “ Tzaarah – Aussatz erfährt jemand, der eines dieser sieben Vergehen begangen hat:
1. Laschon Harah, 2. Mord, 3. Umsonst gemachte Schwüre, 4. Sexuelle Perversionen, 5. Arroganz, 6. Diebstahl sowie 7. Geiz.
Die Zeit der Unreinheit bei Tza’arah dient für den Menschen als Zeit der Besinnung. Man soll zu G – tt zurückfinden und in dem Moment, in dem man Einsicht zeigt, wird die Unreinheit von einem genommen. Als sozusagen neuer Mensch kommt derjenige in die Gesellschaft zurück und beginnt ein neues Leben (Rabbi Samson Raphael Hirsch). Niemand anders kann ihn heilen als G – tt selbst (Rabbi Moshe Alshich).
Der Baal Shem Tov sowie sein Freund und Schüler Rabbi Yaakov Yosef von Polenoye (Polna) raten jedem, sich von der Arroganz im Leben fernzuhalten. Wer arrogant wird, der sieht keinen G – tt mehr, sondern glaubt, selbst alles bestens im Griff zu haben.
Und wie u.a. der Maharal von Prag (s.o.) schon sagte, sollen wir nie vergessen, dass die Tiere vor dem Menschen erschaffen wurden.
Schabbat Schalom
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