Antizionismus/Mea Shearim/Regierung Netanyahu

Knessetwahlen & Antizionismus

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Photo: Miriam Woelke
B“H
Am morgigen Dienstag wählt Israel eine neue Knesset. Genauer gesagt die 20. Knesset seit der Gründung des modernen Staates Israel im Jahre 1948.
In der Vergangenheit habe ich eine Vielzahl von Artikel zum Thema ANTIZIONISMUS verfasst. Unter dem Text gebe ich zwei der wichtigsten Artikellinks !
Nun ist es immer so, dass Außenstehende das Wort ANTIZIONISMUS hören und sich sofort ihre eigene Meinung im Hinterkopf bilden. Ohne, dass sich jemals mit dem Thema WIE und WARUM auseinandergesetzt wurde. Hintergrundwissen interessiert heutzutage nicht mehr, sondern es herrscht der Populismus.
„Antizionismus, ah, okay, dass sind alles die doofen Fundamentalisten, die in Mea Shearim so bekloppt mittelalterlich herumlaufen !“
Dass die Ideologie des Antizionismus auf einem talmudischen Grundsatz beruht, nee, dass ist schon wieder zu kompliziert und interessiert die Leute nicht. Da wird das Hirn zu sehr beansprucht.
Einerseits kann ich jeden jüdischen Antizionisten absolut verstehen, denn ich habe mich mit dem Ursprung zum Thema ziemlich breit auseinandergesetzt. Auf der anderen Seite verstehe ich nicht, wie man sich auf einen kleinen talmudischen Passuk berufen kann, wenn alle anderen Psukim drumherum eine wesentlich andere Meinung vertreten. Aber okay, soll jeder machen, wie er will !
Obwohl die chassidische Gruppe Chabad – Lubawitsch genauso antizionistisch ist wie die Satmarer Chassidim, Chabad Israel nimmt an den Knessetwahlen teil. Aber nicht, wie jeder jetzt annehmen mag, für die haredische (ultra – orthodoxe) Partei Yahadut HaTorah. Nein, diesmal bekam Chabad Anweisung von führenden Chabad – Rabbinern, dass man Netanyahu, sprich Likud, wählen solle. Anderweitige Haredim waren entsetzt und fühlen sich verraten. Chabad und alle andere Haredim (inklusive der litvischen Haredim) haben so ihre eigene Geschichte und es wurden viele Kämpfe untereinander ausgetragen. Ob das letztendlich der Grund ist, Likud zu wählen, kann ich nicht sagen.
Die israelische Parteienlandschaft ist alles andere als leicht zu definieren. Wer mit wem und warum. Kaum ein Israeli steigt da mehr durch und im Ausland gilt Netanyahu als Aggressor und die linke Arbeiterpartei als das Gute. So einfach ist das nicht, aber im Ausland wird halt alles easy dargestellt, denn die Journalisten haben gefälligst der Agenda ihrer Arbeitgeber zu folgen. Ansonsten – Arbeitsamt !
Israelis nehmen die morgige Wahl wesentlich gelassener, denn wir wissen, dass alles beim Alten bleibt. Egal, wer da nun regieren will. Niemand bekommt eine Mehrheit und am Ende wird eine Masse Koalitionen ausgehandelt. Aber das interessiert die ausländische Presse genauso wenig, denn wer kennt schon die kleinen Parteien und all die Verhältnisse hinter den Kulissen.
An einem Wahltag ist in Israel in der Regel arbeitsfrei und alles ist zu. Die Busse fahren und Cafes / Restaurants sind weitgehen geöffnet. Ansonsten herrscht allgemeine Ferienstimmung. Außer … in Mea Shearim, Teilen von Ramat Beit Shemesh oder anderorts. Generell nehmen die Haredim an den morgigen Wahlen teil und wählen Yahadut HaTorah in die Knesset. Die kleine Partei ist oft das Zünglein an der Koalitionswaage und schafft es fast immer, in die Regierung zu kommen.
Andererseits gibt es kleine Gruppierungen, Mitgliedergruppen der antizionistischen Edah HaCharedit, welche seit jeher die Wahlen boykottieren und nicht daran teilnehmen. Aus diesem Grund werden die meisten Shops in Mea Shearim morgen geöffnet haben und die Kinder gehen ganz normal zur Schule.
Aber ich muss noch einmal sagen: MANCHE Haredim und nicht ALLE !!! Das wird immer gerne verwechselt. Nicht selten absichtlich.
Ob nun jemand zur Wahl geht, ist seine Sache. Ich kenne ein paar Leute, säkulere Juden, sie morgen auch nicht zur Wahl gehen. Es bleibe eh alles beim Alten und man hat einfach keine Lust mehr auf den Einheitsbrei. Egal, ob rechts oder links. Alles Blabla und am Ende kommt eine fette Koalition mit einer Menge Zugeständnissen und dann ist der kleine Bürger eh wieder vergessen.
Links:
Der talmudisch begründete Antizionismus
Chabad zum Antizionismus
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