Bnei Brak/Buch Esther - Megillath Esther/Jerusalem/Purim/Rabbi Yitzchak Breitowitz

Purim, Schuschan Purim und wann muss die Megillath Esther (Buch Esther) gehört werden ?

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Photo: Miriam Woelke
Purim 2014 in Mea Shearim / Jerusalem
B“H
Gestern Abend war ich bei einem Schiur (relig. Vortrag) von Rabbi Yitzchak Breitowitz, der da über ein interessantes und noch dazu praktisches Purim – Thema sprach. In Israel reisen eine Unmenge an Juden an Purim von einem Ort zum anderen. Außer in Jerusalem (und ich glaube auch Tiberias) wird Purim einen Tag später begangen als allgemein üblich. Warum ? Als damals die Juden im Persien des König Achaschawerosch gegen die Anhänger des Haman kämpften, wurde in der Hauptstadt Schuschan einen Tag länger gekämpft. Deswegen feiern wir in Jerusalem das sogenannte Schuschan Purim einen Tag später als alle Juden auf der Welt und innerhalb Israels. Warum und wie Jerusalem ausgerechnet das einstige persische Schuschan repräsentiert ist eine längere Story aus dem Talmud. Wichtig an dieser Stelle ist, dass am morgigen Mittwochabend überall auf der Welt Purim beginnt und am Donnerstagabend endet. In Jerusalem hingegen beginnt Purim am Donnerstagabend und endet mit der Ankunft des Schabbat am Freitagabend gegen 17.00 Uhr.
An Purim besteht die wichtigste Mitzwah darin, in den Synagogen die Megillath Esther (das Buch Esther) zu hören. Dieses findet zweimal statt:
In allen Orten, außerhalb Jerusalem, am Mittwochabend sowie am Donnerstagmorgen. In Jerusalem wird die Megillah am Donnerstagabend sowie am Freitagmorgen gelesen.
Die Frage, die Rabbi Breitowitz ansprach, ist von äußerst praktischer Natur: „Was, wenn ein Jude aus Jerusalem am Mittwochnachmittag nach Bnei Brak (bei Tel Aviv) reist, um dort Purim zu feiern, bevor er einen Tag später nochmals in Jerusalem feiert ? Muss der Jude dann am Mittwochabend in Bnei Brak die Megillath Esther hören oder nicht ?“
Bei jüdischen Feiertagen wie Pessach, Schavuot oder Sukkot kommt es immer darauf an, wo ein Jude seinen Wohnsitz hat. Danach richtet sich letztendlich, ob er eventuell einen zweiten und achten Tag an Pessach, einen zweiten Tag an Schavuot oder einen zweiten sowie neunten Tag an Sukkot einhalten muss. Israelis tun dies nicht, Diasporajuden schon. Wenn ein in Israel lebender Israeli über Pessach die USA besucht, so braucht er dort nicht, wie Diasporajuden, den zweiten Tag einhalten oder einen achten Tag anhängen. Wohingegen ein Diasporajude, der Pessach in Israel verbringt, dazu verpflichtet ist, den zweiten Tag und einen achten Tag zu begehen.
Rabbi Breitowitz erwähnte, dass dies der aschkenazische Brauch sei, sephardische Juden sowie Chabad – Lubawitsch aber offenbar einem anderen Brauch folgen !
An Purim kommt es nicht auf den Wohnsitz an, sondern darauf, wo sich ein Jude in einem bestimmten Moment aufhält. Sagen wir, ein Jude aus Jerusalem reist zu Purim nach Bnei Brak, will jedoch zum Jerusalemer Schuschan Purim wieder zuhause sein. Wo muss er dann folglich die Megillah hören ?
Es kommt darauf an, wo er sich beim Sonnenaufgang von Purim aufhält. Damit ist nicht morgens um 7.00 Uhr gemeint, sondern die ersten Sonnenstrahlen, die das Tageslicht einleiten. Wenn derselbe Jude aus Jerusalem am Nachmittag von Purim nach Bnei Brak, Tel Aviv oder wo auch immer hinfährt und noch in derselben Nacht die Heimkehr nach Jerusalem antritt, so braucht er in Bnei Brak, etc. nicht die Megillah hören. Im Fall, dass er in Bnei Brak übernachtet und erst am nächsten Morgen die Heimreise antritt, muss der Jude am Abend sowie am Morgen in Bnei Brak die Megillah hören. Am darauffolgenden Abend beginnt in Jerusalem Schuschan Purim und da muss er ebenfalls in der Synagoge zur Stelle sein. Am Abend und am Freitagmorgen.
Dasselbe im umgekehrten Fall: Wenn ein Jude aus Tel Aviv, Bnei Brak, etc. zu Schuschan Purim nach Jerusalem reist, muss dieser dann die Megillah nochmals hören ?
Auch hier kommt es wieder darauf an, wo sich besagter Jude beim Sonnenaufgang am Freitagmorgen aufhält. Kommt er am Donnerstagnachmittag nach Jerusalem und fährt nachts wieder heim, so braucht er die Megillah in Jerusalem nicht hören. Bleibt er übernacht, so muss er abends und morgens die Megillah in Jerusalem hören.
All das klingt recht kompliziert, ist es aber nicht. In Israel verbringen viele Juden ihr Purim am Heimatort, reisen aber zum Schuschan Purim nach Jerusalem.
Als ich vor ein paar Jahren an Purim in Bnei Brak war, traf ich dieselben Leute von dort am darauffolgenden Tag in Jerusalem wieder. Die Busse sind stets übervoll und wer woanders noch nicht genug gefeiert hat, der kommt gleich danach zum Schuschan Purim nach Jerusalem. Euch in der Diaspora ist das alles vermutlich zu langweilig, denn in der Regel betrifft Euch kein Schuschan Purim. 🙂
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