Agunot/Ehe(scheidungen)/Filme/Frauen in der Ultra - Orthodoxie/Frauenangelegenheiten

Falsche Darstellung der jüdisch – orthodoxen Welt im Film GET

B“H
Der Film GET (das hebräische Wort für „Ehescheidung“) läuft auch in Deutschland bei den sogenannten lokalen jüdischen Filmfestivals. Wenn ein israelischer Film, der sich mit einer jüdisch – orthodoxen Thematik auseinandersetzt, in Kinos gezeigt wird, wo die breite Masse der Zuschauer keinerlei Ahnung vom Judentum hat, halte ich dies immer für gefährlich.
Die Zuschauer verfügen über kein fundiertes Wissen und haben demnach keinerlei Vergleiche. Wenn dann auch noch Reformrabbiner (wie kürzlich beim Fürther Filmfestival) eingeladen werden, deren Interesse allein darin besteht, die Orthodoxie zu verdammen, ist alles aus. Der Zuschauer wird um die Realität betrogen, denn der Reformer besitzt ebenso wenig fundiertes Wissen zur Orthodoxie wie der unwissende Normalo – Zuschauer. Vielmehr geht es hier um politische Motive der Defamierung. Genauso wie bei vielen linksgerichteten israelischen Filmemacher.
Bei Filmen mit religiösem Inhalt muss man sehr abwägen und mit der Wirklichkeit vertraut sein. Oder zumindest, wie die Jerusalemer Cinematheque dies häufig tut, einen Vertreter der Orthodoxie zu Wort kommen lassen, der die Fakten darlegt. Wenn nötig auch nicht an Eigenkritik spart. Jedoch mit Hintergrundwissen.
Sich einen Film anzuschauen, ohne mit der Materie vertraut zu sein, läßt sehr leicht Hassgefühle aufkommen und, wie in Get, die Frau als Opfer der brutalen orthodoxen Männerwelt erscheinen.
Aber ist das immer so ?
In Israel ist die Ehescheidung so geregelt, dass eine Ehe zwischen zwei Juden vor einem ganz normalen Gericht oder vor einem rabbinischen Beit Din geschieden werden kann. Je nachdem, wo der Scheidungsantrag zuerst eingeht.
Ferner regelt das Judentum, dass beide Ehepartner der Scheidung zustimmen müssen. Verweigert einer der Beiden die Zustimmung, so kann bei einem Beit Din die Ehe nicht geschieden werden. Ob dies bei den staatlichen Gerichten genauso gehandhabt wird, kann ich nicht sagen.
In den meisten Fällen ist es der Mann, der seiner Frau die Zustimmung verweigert. Und dies mehrheitlich aus Gemeinheit. Er gönnt ihr das Leben nach der Scheidung nicht, will sich an ihr rächen, was weiss ich. Verweigert der Mann auf längere Sicht hin die GET, die Scheidung / Scheidungseinwilligung, kann ihn das Beit Din polizeilich in Gewahrsam nehmen lassen und ihn auf diese Weise zu einer Zustimmung zwingen. Hierbei stehen die Rabbiner voll und ganz auf der Seite der Ehefrau. In einigen Fällen sitzen die Männer längere Zeit im Knast und sagen sich: „Die Olle kann mich mal. Jetzt erst recht !“
Wie oft sah ich in der King George hier in Jerusalem Gefängniswagen vor dem Beit Din stehen. Fast täglich, wenn ich dort entlangging. Dann wurde ein einsitzender Gatte erneut zum Beit Din gekarrt, um eventuell endlich seine Zustimmung zu geben.
In einigen Fällen haut der Gatte auch ins Ausland ab und die Frau bekommt solange nicht die Scheidungsurkunde, bis ihr Mann zustimmt. Im Ausland kann das Jahre dauern und in der Zwischenzeit wird eine scheidungswillige Frau, deren Mann die Zustimmung verweigert, zur AGUNAH. Hiesige Rabbiner haben eine Agunot – Organisation gegründet, die solchen Frauen helfen. Die Frauen stecken fest und sind nicht imstande, einen neuen Lebensabschnitt zu beginnen.
Ganz klar, kann die Frau vor dem rabbinischen Gericht heruntergemacht bzw. doof angemacht werden. Im Regelfall schaut es aber so aus, dass die Frau, genau wie bei anderen Gerichten auch, meist im Vorteil ist. Sicher kommt es hier auf den Individualfall an, doch einen Film zu machen, indem alles dermassen unrealistisch dargestellt wird, ist idiotisch. Vor allem dann, wenn der Film, wie gesagt, im Ausland vor Besuchern läuft, denen hier ein völlig falsches Bild konstruiert wird.
Link:
Falsche Darstellung bei GET
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