Thora Parasha

Parashat (Thoralesung) YITRO

Photo: Chabad
ד. אַתֶּם רְאִיתֶם אֲשֶׁר עָשִׂיתִי לְמִצְרָיִם וָאֶשָּׂא אֶתְכֶם עַל כַּנְפֵי נְשָׁרִים וָאָבִא אֶתְכֶם אֵלָי:
4. You have seen what I did to the Egyptians, and [how] I bore you on eagles‘ wings, and I brought you to Me.
B“H
Die Thoralesung für diesen Schabbat
In der dieswöchigen Thoralesung konvertieren Moshes Schwiegervater Yitro sowie die Israeliten. Die Israeliten deshalb, weil sie sich nun verpflichten, die Thora einzuhalten (der Talmudkommentator Maharscha).
Die Thora hält sich nicht immer unbedingt an die chronologischen Ereignisse und daher gibt es gleich über die ersten Sätze in Parashat Yitro vollkommen unterschiedliche Interpretationen. Was genau hörte Yitro und wann kam er zu Moshe ?Laut Raschi hörte Yitro vom Auszug aus Ägypten und dem siegreichen Krieg gegen Amalek. Die Mechilta andererseits lehrt, dass Yitro vom Krieg gegen Amalek und den „Zehn Geboten“ hörte. Demnach wäre Yitro nach den „Zehn Geboten“ zu den Israeliten gekommen und nicht vorher.
Die Konversion Yitros ging relativ leicht vonstatten. Er bekannte sich zu dem EINEN alles beherrschenden G – tt und damit wurde sein vorheriger Name Yeter in Yitro verwandelt, indem ein Vav am Schluß angehängt wurde (Raschi und Moshe Alshich).
Am 1. des jüdischen Monats Sivan erreichten die Israeliten Har Sinai (den Berg Sinai). Am darauffolgenden Schabbat sollte G – tt ihnen die „Zehn Gebote“ geben (Talmud Traktat Schabbat 86b). Die Midrasch Rabbah und der Talmud Traktat Avodah Zarah (Götzendienst) 2b lehren, dass bevor G – tt die „Zehn Gebote“ bzw. die Thora gab, Er alle anderen Völker befragte, ob sie nicht die Thora haben wollen. Als die Völker hörten, dass Diebstahl, Mord oder Götzendienst verboten waren, lehnten sie die Thora ab. Nur das Volk Israel sagte „Na’aseh ve nishma“ (wir werden tun und hören). Heißt, wir wollen nicht erst aufgelistet bekommen, was in den „Zehn Geboten“ steht, sondern wir tun es, weil Du unser G – tt bist. Die Israeliten wogen bei ihrer Zustimmung keine Vor – und Nachteile ab.
Der Vilna Gaon kommentiert, dass G – tt nur die Oberhäupter der Völker befragte und nicht jeden einzelnen. Innerhalb der Nationen gab es jedoch schon den ein oder anderen, der die Thora akzeptiert hätte. Eben jene Leute betrachtet der Vilna Gaon als die heutigen Gerim (Konvertiten). Damals hatten sie keine Chance, die Thora zu bekommen, was sie heute nachholen.
Die Gemara im Talmud Traktat Schabbat 87b lehrt, dass die Israeliten einige Mitzwot (Gesetze) aus der Thora schon auf einer ihrer allerersten Stationen in Marah bekamen. Nämlich die Schabbatgesetze, die Gesetze für die Rote Kuh (Parah Adumah) und das Zivilrecht (Raschi). Laut Rabbi Hirsch gehörten dazu auch die Gesetze für die Beschneidung (Brit Milah).
Es heißt, dass als G – tt begann, den Israeliten die Gebote vorzutragen, deren Seelen (Neschamot) sie vor Überwältigung verliessen. Im selben Augenblick wurden sie von G – tt wiederbelebt (Talmud Schabbat 88b). Überhaupt lernen wir an dieser Stelle sehr viel über Seelen. Die Israeliten bekamen in jenem Moment vor dem Berg Sinai den höchsten Seelen – Level, welche sie kurz darauf aufgrund des Vergehens mit dem Goldenen Kalb verloren. Diesen hohen Seelen – Level nennt, unter anderem, der Baal Shem Tov, „Neshama Yeterah – Zusätzliche Seele“. Genau diesen Zustand erhalten wir mit dem Eintreffen des Meschiach zurück. In der Zwischenzeit bekommen die Juden jeden Schabbat eine zusätzliche Seele, welche auch Neshama Yeterah genannt wird. Diese zusätzliche Seele erhalten wir jeden Freitag und verlieren sie am Mozzaei Schabbat. Daher sind wir am Schabbat spiritueller und mehr mit G – tt verbunden. Gemäß einigen Kommentatoren zufolge, erhalten wir die zusätzliche Seele schon am Mittwoch.
Am Berg Sinai bekamen die Israeliten die Thora, welche in alle Ewigkeiten (Deuteronomy 13:1, 13:2-4, 29:28) gilt. Alle jüdischen Generationen sind zu ihrer Einhaltung verpflichtet. Die Gemara im Talmud Shavuot 39a und Schabbat 146a stellt die Frage, ob denn die kommenden Generationen und Konvertiten vor dem Berg Sinai auch einen Bund mit G – tt eingegangen sind.
Die Gemara und Kommentatoren antworten, dass alle jüdischen Seelen vor dem Berg Siani standen (Rokeach). Alle Seelen der folgenden Generationen wurden zu Moshe gebracht (Maharscha). Wir alle haben am Berg Sinai gestanden, bewußt oder unbewußt. In anderen Schriften heißt es, dass seit dem Berg Sinai keine neuen jüdischen Seelen mehr erschaffen worden sind, sondern wir alle Reinkarnationen der 600.000 Israeliten sind, die damals die Thora erhielten. Jede Seele schwörte damals G – tt, die Thora zu akzeptieren. Wir sind einen direkten Bund mit G – tt eingegangen und benötigen kein Medium, wie Engel etc., zwischen Ihm und uns (Rabbi Samson Raphael Hirsch).
Die Gemara im Talmud Traktat Schabbat 89a lehrt, dass Sinai (סיני) eigentlich „Haß“ heißt. Die Erklärung in der Gemara ist simpel: Am Berg Sinai haßte G – tt die Götzenanbeter. Der Iyun Yaakov und der Rambam vertreten eine andere Ansicht: Am Berg Sinai begann der eigentlich Antisemitismus. Die Juden bekamen die Thora und andere Völker waren neidisch. Daher ist der Sinai die Wurzel des Antisemitismus.
Als all die Israeliten zu Moshe kamen und ihn um Rat fragten, war Yitro geschockt und schlug die Ernennung von Richtern vor. Damals kamen die Leute zu Moshe und wollten den Rat G – ttes zu allen möglichen Lebensbelangen. Dieses lehrt uns, dass wir heute wie damals G – tt um Rat fragen sollen (Rabbi Hirsch). G – tt ist ein Teil unseres alltäglichen Lebens und nicht nur einmal pro Woche in der Synagoge präsent. Mit der Anerkennung, dass G – tt der Erschaffer jeglicher Existenz ist, gelingt es uns vielleicht zu der Einsicht zu gelangen, dass nichts im Leben selbstverständlich ist.
In den Synagogen werden die „Zehn Gebote“ dreimal pro Jahr gelesen: In den Parashot Yitro, Vaetchanan und an Schavuot.
Die Richter, die Moshe einsetzte, wurden in späteren Generationen, zu Tempelzeiten, durch die Mitglieder der Sanhedrin ersetzt. Einmal war ich bei einem interessanten Schiur (Vortrag), bei dem es allwöchentlich um die Frage geht, wieviele Wahrheiten es gibt.
Da ist zum einen der realistische Vorgang – Wie ist etwas geschehen ?
Zum anderen aber ist nicht das, was wir sehen und bezeugen immer die halachische Wahrheit. Die Richter bzw. die Sanhedrin können andere Beweggründe mit einbringen und wenn ein Zeuge glaubwürdig ist, selbst wenn er lügt, dann kann es zu einem unerwarteten Urteil kommen, was ich akzeptieren muß.
Genauso steht es, zum Beispiel, mit dem Festlegen des Kalenders. Entscheidet der Sanhedrin, dass an diesem und jenen Tag der neue Monat beginnt, so muß ich das akzeptieren, selbst wenn sich der Sanhedrin unabsichtigerweise irrt.
Bemerkt sei, dass es sich beim Sanhedrin um geistige relig. Rabbinergrößen handelte und nicht um jene manchmal korrupten Systeme, die wir leider heute nur allzu gut kennen.
Die Thora wurde von G – tt an uns auf der Erde gegeben und wir müssen sie auslegen und erfüllen. Deswegen lesen wir nicht selten im Talmud von Entscheidungen des Sanhedrin, welche kritisiert wurden und G – tt um Hilfe gebeten wurde. Er solle alles richtig stellen und den Sanhedrin einmal die Meinung geigen. G – ttes Antwort lautete jedoch, dass Er Sich bei diesen Urteilen den Sanhedrin beugt, denn die Thora sei für die irdische Welt (terrestrial world). Halachische Detailentscheidungen habe Er in die Hände der Richter bzw. des Sanhedrin gegeben. Wir haben die Pflicht, die Anweisungen des Sanhedrin zu befolgen.
Im Schiur kam gleichzeitig die Frage auf, was denn heute sei ?
Rabbeinu Nissim (der RAN) sagte, dass wir in Zeiten ohne einen Sanhedrin auf die größten respektiertesten Rabbiner unserer Zeit hören sollen.
Aber wer genau sind heute diese Rabbiner ?
Definitiv nicht jene, die sich groß in der Politik bewegen. Solche Leuten dürften nur halachische Entscheidungen fällen und sollten ausschließlich mit der Religion befassen. Mir fällt dazu nur der in den 80iger Jahren verstorbene Rabbiner Moshe Feinstein ein.
Allerdings tauchen noch ganz andere Probleme auf. Wer ist schon in der Lage, solche Geistesgrößen zu bestimmen und zu ernennen. Der letzte, wenn auch umstrittene, Ernannte war der Autor des Schulchan Aruch, Rabbi Yosef Karo aus Safed. Es kann sich nicht einfach so ein Grüppchen zusammentun und behaupten, sie seien jetzt der neue Sanhedrin. Vor einigen Jahren geschah genau das in Israel unter dem Vorsitz des Chabad – Rabbis Adin Steinsaltz. Dieser selbsternannte Sanhedrin verfügt über keinerlei Autorität !!!
Die Frage ist, ob wir selber einen Sanhedrin einsetzen sollen, wenn der Meschiach noch nicht da ist ? Und brauchen wir überhaupt einen Sanhedrin ?
Klar ist, dass ein Sanhedrin bzw. dessen halachische Urteil von ALLEN Juden anerkannt werden müssen und ist das heute der Fall ? Gibt es die beschworene Einheit ?
Nein.
Viele Juden sagen, dass, wenn der Meschiach erst einmal da ist, alles gelöst werden wird. Momentan haben wir keine Antworten, aber lasset ihn nur erstmal kommen. Dann wird alles anders.
Die Frage ist, und ich habe das schon oft vernommen, ob wir wirklich erst auf den Meschiach warten müssen ? Warum sollen wir nicht einfach Taten vorziehen und aufgrunddessen kommt der Meschiach ? Wer von uns wartet denn wirklich auf ihn ? Und nicht vergessen, dass erste, was wir nach dessen Eintreffen gefragt werden ist, wie wir uns vorbereitet haben (siehe Talmud Sanhedrin 97 ff.). Und was wird da jeder Einzelne von uns antworten ? Haben wir uns vorbereitet ? Im gleichen Traktat steht genauso, dass Meschiach unerwartet kommen wird. Demnach sind wir gezwungen, uns täglich neu vorzubereiten, denn man weiß ja nie. Warum sich von daher nicht einmal mehr vorbereiten und Taten vorziehen ?
Schabbat Schalom
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