Adoption im Judentum/Giur (Konversion)/Rabbi Yitzchak Breitowitz

Die Konversion zum Judentum von Minderjährigen und Embryo, Teil 1

B“H
Eines will ich vorwegsagen:
Wer sich in solch in der nachfolgend beschriebenen Situation wiederfindet, sollte sich zwecks weiteren Details an einen Rabbiner wenden. In diesem Artikel gebe ich nur einen kleinen Teil der Halachot (Religionsgesetze) wieder und die hier zur Sprache kommenden Themen müssen in jedem individuellen Fall mit einem Rabbiner besprochen werden. Hier findet Ihr lediglich ein paar Denkanstöße, die bezeugen, dass das Thema nicht ganz so einfach ist, wie es vielleicht erscheinen mag.
Am vergangenen Dienstag nahm ich an Rabbi Yitzchak Breitowitz wöchentlichem Halacha – Schiur (Vortrag) teil. Diesmal zum Thema: Die Konversion zum Judentum von Minderjährigen und ungeborenen Kindern. Sogenannten Embryonen.
Vorweggesagt:
Ein Minderjähriger wird als Einzelperson nicht in einen Giur – Konversionskurs aufgenommen. Wer konvertieren will, muss mindestens 18 Jahre alt sein !
Wenn allerdings eine nichtjüdische Mutter von einem oder mehrerer Kinder oder eine nichtjüdisches Ehepaar mit Kindern zum Judentum konvertieren will, so ist dies möglich und die Kinder werden mitkonvertiert. Wie dies in der Praxis mit dem Konversionsunterricht bei einem Rabbiner ausschaut, kann in jedem Kurs anders geregelt sein. Deswegen kann ich hierzu keine näheren Angaben machen. Ferner kommt es ja hierbei auch noch auf das Alter der Kinder an !
Der Talmud Traktat Ketubot erlaubt die Konversion von Minderjährigen, wenn die Mutter oder Mutter und Vater gemeinsam zum Judentum übertreten. Allerdings hat das Kind, genauso wie von Juden adoptierte nichtjüdische Kinder, das Recht, vor der Bar Mitzwah oder Bat Mitzwah (Jungen im Alter von 13 und Mädchen im Alter von 12 Jahren) zu sagen, dass man kein Jude mehr sein wolle. Als die Eltern oder ein Elternteil konvertierten, war das Kind ja nicht unbedingt imstande, den Schritt der Eltern abzulehen. Somit wird dem Kind im Alter von 12 bzw. 13 die Möglichkeit gegeben, dass Judentum abzulehnen und folglich ist das Kind dann kein Jude mehr.
Lehnt das Kind das Judentum nicht ab und geht ganz normal zur Bar Mitzwah bzw. Bat Mitzwah, passiert gar nichts und das Kind bleibt weiterhin Jude.
Bei dieser Handhabung tritt natürlich die Frage auf, inwieweit ein Jude den Schabbat brechen kann, um einem minderjährigen konvertierten Kind zu helfen. Wir erinnern uns: Ein Jude hat die Pflicht, den Schabbat zu brechen, wenn er einem anderen Menschen das Leben retten kann. Beispiel: Jemanden ins Krankenhaus zu fahren etc.
Ist es einem Juden daher erlaubt, den Schabbat zu brechen, wenn das Kind im Alte von 12 oder 13 Jahren das Judentum ablehnt ?
Diese Frage bringt mich auf eine neue Frage:
Ich weiss nämlich nicht, ob ein Jude nur den Schabbat brechen muss, um einem anderen Juden das Leben zu retten oder ob dies auch für Nichtjuden zutrifft. Bisher war ich immer der Meinung, Pikuach Nefesch (Rettung bei Lebensgefahr) trifft auf die Rettung aller Menschen zu. Aber, ich gebe zu, da habe ich vergessen nachzufragen, weil mir die Frage jetzt erst durch den Kopf ging.
Wer darauf eine Antwort sucht, sollte seinen Rabbiner fragen. Einen Rabbiner, der sich mit der Materie auskennt !
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Ein Kommentar zu “Die Konversion zum Judentum von Minderjährigen und Embryo, Teil 1

  1. B“H

    Die halachische Antwort eines Leser meines englischen Blogs auf meine obige Frage:

    The Halakhah obligates a Jew to save the lives of all human beings, Jews and Goyim alike, even by desacrating the Shabbes. This is the universal conclusion of all the Poskim. They only diverge on why the Talmud does not say it explicitely.

    The Talmud, and the Rishonim, establishes that for the sake of preventing enmity (mipnei eiva), Jews may violate certain prohibitions. Many Poskim used this dispensation to justify violating transgressions in order to save the lives of Goyim.

    Rabbi Moshe Sofer noted that the failure to save non-Jews would not only create enmity, but could also lead to gentiles refusing to treat Jews, or even to pogroms. As such, Jews must save the lives of all humans, even if it entails violating biblical prohibitions on Shabbes, because a lack of reciprocity endangers the Jewish community.

    Rabbi Menachem Hameiri contended that the Talmudic failure to explicitely apply the dispensation to save the lives of non Jews only applied in ancient societies where the non- Jewish majority regularly abused its Jewish inhabitants. In cultures where the larger population acts on ethical principles, no distinction is made between saving the life of a Jew and that of a gentile.

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