10 Tevet/Israel/Judentum/Leserfrage

Leserfrage: „Der 1. Januar 2015 und der Halbfastentag Asarah be’Tevet“

B“H
Zu meinem englischen Blog erreichte mich eine interessante Leserfrage:
I have a question about New Year’s Eve (December 31st) in Israel.
Is it usually celebrated by the not very religious ? Or maybe Modern Orthodox ?
Is January, 1st a business-related holiday with banks and shops closed ?
And if so, how would it be this time when 10 be’Tevet will coincide with january, 1st ?
Would people still celebrate NYE the same way ?
Thank you.
An diesem Donnerstag ist der 10. Tag im jüdischen Monat Tevet. Im Hebräischen ASARAH be’TEVET genannt. Im Judentum wird dieser Tag als Trauer – sowie Halbfastentag begangen. Von morgens ca. 5.00 Uhr bis zum Abend gegen 17.00 Uhr wird weder gegessen noch getrunken. Hintergrund ist die Belagerung der Stadt Jerusalem durch die Babylonier. Dies geschah zu Zeiten des ersten Tempels. Am 10. Tevet gelangen den Babylonier diverse Durchbrüche in die Stadt und letztendlich wurde der Erste Tempel am 9. Tag im Monat Av (Juli / August) zerstört.
In haredischen (ultra – orthodoxen) Kreisen wird der 10. Tevet auch als Trauer – bzw. Gedenktag für all diejenigen Juden begangen, deren Leichen niemals aufgefunden, geschweige denn, beerdigt werden konnten. Unter anderem gilt dies für Juden, die in den Gaskammern umkamen genauso wie Juden, die im Mittelalter von der Inquisition hingerichtet worden sind. Oder, um ein aktuelles Beispiel zu nennen, israelische Soldaten, deren Leichen immer noch in den Händen der Hamas, der Hizbollah oder des Iran sind.
Kurz gesagt, der 10. Tevet ist ein Trauertag, doch muss gesagt werden, dass im Grunde genommen nur die relig. Bevölkerung fastet. Säkulere Israelis halten sich weniger daran. In Israel ist der 10. Tevet ein ganz normaler Arbeitstag. Die Busse fahren und Banken, Ämter oder Geschäfte sind geöffnet.
In diesem Jahr fällt der 10. Tevet auf den weltlichen Neujahrstag 1. Januar 2015. Und was ist da mit Sylvester und überhaupt ?
Kurz gesagt: Im Judentum wird weder Sylvester noch Neujahr gefeiert, denn wir befinden uns, gemäss dem jüdischen Kalender, im Jahre 5775 und unser Neujahr ist Rosh Hashana (im September / Oktober). Zwar wird das weltliche Jahr anerkannt, aber in Israel wird es offiziell so gehabt, dass auf Briefköpfen sowohl das weltliche Datum als auch das jüdische Datum aufgeführt werden.
Sylvester und Neujahr (1. Januar) haben mit dem Judentum nichts zu tun, sondern basieren auf irgendwelchen götzendienerischen Riten. Bei der Person des Sylvesters soll es sich sogar um einen Antisemiten gehandelt haben.
Säkulere Israelis verspüren seit Jahren den Drang, dass machen zu wollen, was die ganze Welt halt auch macht. Und dazu gehört auch Sylvester. Deswegen wird man in säkuleren Zirkeln Sylvesterparties finden. Am Strand von Tel Aviv gibt es alljährlich ein Feuerwerk und das ist alles. Darüber hinaus wird an Sylvestern nicht geballert, außer in ein paar palästinensischen Gegenden. Offenbar wird dort gefeiert, obwohl man eigentlich dem muslimischen Kalender folgt.
In Jerusalem ist an Sylvester tote Hosen, es sei denn, man geht in diverse Pubs, Discos oder auf Privatparties. Der nachfolgende Tag ist sowieso ein Arbeitstag und wer unendlich feiern will, muss sich einen Tag Urlaub nehmen.
Fazit: Sylvestern und der 1. Januar spielen im Judentum keine Rolle und relig. Juden kümmern sich nicht um diese Daten. Der 1. Januar eines jeden Jahres ist in Israel ein ganz normaler Arbeitstag, alles ist offen und die Busse fahren.
Da relig. Juden das weltliche Neujahr nicht feiern, gibt es auch keine Probleme mit dem 10. Tevet, denn der wird eingehalten.
Persönliche feiere ich weder Sylvester noch Neujahr, obwohl mir bewusst ist, dass ein neues Jahr beginnt. Allerdings war ich noch nie ein großer Sylvesterfan. Als ich klein war, hat die Familie Feuerwerk gemacht und „Dinner For One“ geschaut. Irgendwann habe ich dann gar nichts mehr gefeiert und bin einfach ins Bett. Um Mitternacht wachte ich wegen dem Krach auf, schaute mir das Feuerwerk an und ging wieder schlafen. Am darauffolgenden Tag stieg man dann in den Straßen über all die Schnapsleichen. 🙂
Advertisements

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s