Chassidische Thora Parasha/Jerusalem Altstadt/Schabbatzeiten

Parashat VAYEITZE – Die Thoralesung für diesen Schabbat

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Photo: Miriam Woelke

Wandmaleri im Cardo in der Jerusalemer Altstadt
B“H

In Jerusalem beginnt dieser Schabbat am Freitag um 16.00 Uhr. Enden tut er am Samstag um 17.15 Uhr.

 

Die Thoralesung für diesen Schabbat

Die dieswöchige Thoraparasha ist nur so gespickt mit wichtigen Ereignissen und es ist kaum möglich, auf alles im Detail einzugehen. Das berühmtes und am meisten diskutierte Ereignis ist jedoch immer wieder „Yaakov’s Leiter – Jacob’s Ladder oder im Original – Sulam Yaakov“. 
Am Ende der vorherigen Thoralesung sandte Yitzchak seinen Sohn Yaakov zu seiner Familie nach Padan – Aram (Syrien), um eine passende Ehefrau zu finden. Daheim waren sie nur von den götzendienenden Kanaanitern umgeben und Yitzchak dachte nicht daran, einen von ihnen mit seinem Sohn zu verheiraten. Auch Esav sah sehr wohl, dass sein Vater nichts mit den Kanaanitern zu tun haben wollte und um ihn nicht zu verärgern, ging er zu Ishmael und heiratete eine von dessen Töchtern (Raschi). 
Die aktuelle Thoralesung beginnt mit dem Fortgang Yaakovs aus Beer Sheva. Zu diesem Zeitpunkt war Yaakov schon 63 Jahre alt. Das Alter dürfte bei ihm eine geringere Rolle gespielt haben, denn heisst es doch im Talmud Traktat Bava Metziah 84, dass Yaakov die absolute Schönheit von Adam besaß. 
In der Thora heisst es, dass Yaakov Beer Sheva verliess und nach Haran (Syrien) ging. Schon allein dieser erste Satz der Lesung verursacht unzählige unterschiedliche Kommentare und Meinungen. Zuerst einmal heisst es „Vayetze – Er verliess Beer Sheva“ und kurz darauf heisst es „er ging nach Haran“. 
Bedeutet der Satz, dass Yaakov sofort nach Haran ging und sich dort befand als er sich zum Schlafen hinlegte oder befand er sich mitten auf dem Weg ? Die bekanntesten und weitverbreitetesten Meinungen lauten, dass Yaakov Beer Sheva verliess, dann irgendwann der Abend einbrach und er sich zur Rast entschloß. Und das nicht an irgendeinem Platz, sondern genau auf dem heutigen Tempelberg Har HaBait. Schon zur damaligen Zeit besaß der Tempelberg eine einmalige Bedeutung, denn von seinem Staub wurde der erste Mensch Adam erschaffen und später opferte an der gleichen Stelle Avraham seinen Sohn Yitzchak. Viele Kommentare lassen verlauten, dass sich auf dem Tempelberg das „Tor zum Himmel“ befindet. Der berühmte Kommentator Raschi sagt, dass sich der himmlische Tempel genau über dem irdischen befindet. 
In der Chassidut sowohl als auch der Kabbalah gibt es das Konzept, dass alles Irdische seinen spirituellen Gegenpart in der „Oberen spirituellen Welt“ hat. Das obere Gegenstück hält durch seine Anwesenheit das untere am Leben. Juden warten auf den Meschiach und die Erbauung des Dritten Tempels und wie der Rambam (Maimonides) kommentierte, steht der Dritte Tempel spirituell schon im Himmel parat und braucht nur noch herunterzukommen. 
Während Rabbi Samson Raphael Hirsch noch eine sehr rationale Meinung vertritt, sehen chassidische Kommentatoren den Wegzug Yaakovs aus seiner Heimatstadt Beer Sheva als einen Übergang zu viel höheren Leveln im Leben. Laut Rabbi Hirsch bedeutet der Auszug die Loslösung Yaakovs von der elterlichen Fürsorge und den Beginn seines eigenen unabhängigen Lebens. Der chassidische Rabbiner, Rabbi Elimelech von Lejansk, schreibt jedoch in seinem Buch „Noam Elimelech“, dass Yaakovs Leben in Beer Sheva ein Level war und er durch seinen Fortzug zu einem höheren Level aufsteigt. Genau das sollte auch unser Ziel im Leben sein. Niemals sollen wir meinen, auf einer Stelle verweilen zu müssen und stattdessen sollten wir ständig nach mehr Perfektion streben. Schon die kleinste Anstrengung allein bringt uns dem Ziel näher. 
Yaakov war unterwegs und plötzlich wurde es Abend und die Sonne ging unter. Er betete sein Abendgebet (Maariv), sammelte einige Steine ein und legte sich schlafen. Und abermals sieht die Chassidut (Chassidismus) in diesen Worten versteckte Metaphern. Rabbi Naftali Zvi Horowitz von Ropschitz sieht die „Nacht“ als eine Metapher für die kommende Diaspora (Galut) Yaakovs. Das „Licht G – ttes“ wird in der Diaspora schwächer und von daher muß sich jeder Jude G – tt noch mehr zuwenden. Sprich, durch Gebet und heutzutage auch durch ein Leben nach der Thora. 
Yaakov sammelt Steine und legt sie unter seinen Kopf.
Hierbei ist wieder einmal auf das hebräische Original zu achten, denn als er sammelt, heisst es Steine und als er erwacht heisst es „der Stein unter seinem Kopf „. Wie ist aus den vielen Steinen plötzlich nur ein einziger Stein geworden, fragt die Gemara im Talmud Traktat Chullin 91b.
Die Midrash Rabbah sowie der Kli Yakar geben uns den Hinweis, dass es sich um 12 Steine handelte. Die genaue Anzahl von 12 stellt symbolisch die Anzahl der 12 israelitischen Stämme dar, die von Yaakov abstammen werden. Die Gemara lehrt, dass in der Nacht alle 12 Steine zu einem zusammenschmolzen. Zwölf verschiedene Stämme machen ein Ganzes aus; nämlich das jüdische Volk. 
Und dann folgt der so berühmte Traum Yaakovs. Eine Leiter kommt vom Himmel herab. An ihrem oberen Ende steht G – tt und auf der Leite selbst steigen Engel auf, nur um danach wieder herunterzusteigen. An dieser Stelle bitte darauf achten, dass sie Engel zuerst aufsteigen und danach heruntersteigen. 
Zu diesem Traum gibt es unendlich viele Kommentare und ich beschränke mich darauf, einige der wichtigsten Meinungen wiedergeben. Der Ramban (Nachmanides), z.B., schreibt, dass der Aufstieg eine Zukunftsvision der kommenden Tempel ist. Vom Tempelberg steigen alle Gebete hinauf in den Himmel. Genauso geschah es mit dem Rauch der Opferungen beider Tempel. Allgemein heisst es, dass die Gebete der Diaspora erst nach Israel kommen, dann nach Jerusalem und dann zum Tempelberg, von dem aus sie aufsteigen. Wohingegen wir in Jerusalem eine Direktleitung zu G – tt haben, da unsere Gebete keine Umwege gehen müssen. Schon allein aus dem Grund ist es wichtig, in Israel zu leben, um einmal einen kleinen zionistischen Einwurf zu starten. 
Das kabbalistische Buch Zohar sowie die Mehrheit der Kommentatoren sehen in den auf – und niedersteigenden Engeln den Auf – bzw. Abstieg des jüdischen Volkes sowie der anderen Völker. Erfüllt das jüdische Volk G – ttes Gebote nicht, beweist die Geschichte, dass wir jedesmal bestraft wurden, indem die anderen Völker über uns herrschten. Halten wir uns jedoch an G – ttes Willen, dann stehen wir über den anderen Völkern wie, z.B., zur Zeit König Davids oder König Salomons. 
Die Chassidut andererseits sieht den Auf – u. Abstieg als den Versuch des Menschen, zu höheren Leveln im Leben aufzusteigen. Einen weiteren interessanten Aspekt vermittelt der Seher von Lublin, Rabbi Yaakov Yitzchak Horowitz. Er betrachtet den Abstieg als unsere materielle Welt und den Aufstieg als die künftige spirituelle Seelenwelt (Olam HaBah). 
In der Thora heisst es, dass G – tt am oberen Ende der Leiter im Himmel stand. Solche Sätze sind natürlich immer eine Metapher und nicht wörtlich zu nehmen, da G – tt weder Form noch Gestalt besitzt. Der Rambam (Maimonides) schrieb dazu gleich einen Kommentar in sein Buch „The Guide of the Perplexed – Der Führer der Unschlüssigen“ (1:15). Die Engel seien an dieser Stelle eine Metapher für die zukünftigen jüdischen Propheten und G – ttes „Position“ am Ende der Leiter drückt Seine immerwährende Anwesenheit aus.

Eine der wichtigsten Verhaltensmuster in dieser Parasha ist das Verhalten Yaakovs in der Diaspora in Haran. Auch nach all den Jahren assimilierte sich Yaakov keinesfalls. Niemals nahm er an den Schandtaten seines Schwiegervaters Lavan teil oder entfernte sich von G – tt. Da uns die Thora immer etwas lehren will, tut sie dies hier, indem sie auch uns aufzeigt, wie wir in der Diaspora leben sollten. Leider ist der Mut Yaakovs im Laufe der Jahrtausende bzw. Jahrhunderte so ziemlich verloren gegangen und immer mehr Juden meinen, sie müssen genauso sein, wie die anderen Völker auch. 
Rabbi Samson Raphael Hirsch nennt einen zusätzlichen wichtigen Punkt. Bevor sich Yaakov nach Haran aufmacht, betet er zu G – tt, dass dieser ihn mit Nahrung versorge. Dieses Verhalten zeigt uns einmal mehr, dass nichts im Leben selbstverständlich ist. G – tt ist für alles verantwortlich und der einzige, der uns alle Wünsche erfüllen kann. Und schon allein aus dem Grund sollen wir zu Ihm beten und nicht allein auf unsere Stärken vertrauen. Die nämlich sind keineswegs unendlich und noch dazu begrenzt.

Schabbat Schalom
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