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Teil 3: „Wer oder was ist der Satan ?“ – Talmud Bava Batra & Joshua Trachtenberg

B“H
Um es einmal ganz ehrlich auszudrücken: Ich hätte mir niemals träumen lassen, mich mit dem Teufel / Satan zu beschäftigen, denn derlei Konzepte sind dem Judentum  fremd. Für jeden Juden ist es wichtig zu wissen, dass eine Yetzer HaRah (Evil Inclination, die negative Seite in jedem Menschen) existiert und mehr nicht. Der Talmud Traktat Bava Batra 16a lehrt:
Reish Lakish sagte: Er (Satan) ist der Ankläger, der G – ttes Zorn hervorruft, wenn ein Mensch sündigt. Satan ist die Yetzer HaRah, die Ursache aller Vergehen gegen G – tt. – Satan ist der Todesengel, der manchmal von G – tt beauftragt wird, einen Menschen sterben zu lassen.
Im Buch Hiob (Sefer Iyov) befand sich Satan inmitten jener Engel, die vor G – tt traten. Zugleich fand eine Diskussion zwischen Satan und G – tt statt. G – ttes letzte Worte waren:
„G – tt trug Satan auf: Leg mir bloß keinerlei Hand an ihn (Iyov)“. (siehe Sefer Iyov 1:12).
G – ttes Statement weist darauf hin, dass es sich bei Satan lediglich um einen Boten G – ttes handelt. Um einen Engel ohne freien Willen (kein Engel besitzt einen freien Willen). Satan ist Engel und Bote, dessen oberste Instanz G – tt ist. G – tt entscheidet und Satan tut. Im Judentum handelt es sich beim Satan um keinerlei unabhängige Kraft, die gegen G – tt kämpft. Dies wäre absoluter Götzendienst !
Der Grund, warum ich auf die Frage zum Satan eingehe, ist die Anfrage eines Bloglesers. Nicht, weil er mich fragte, sondern weil ich es wichtig finde, Juden über jüdische Konzepte aufzuklären. Allein deswegen schreibe ich darüber und ansonsten schert mich Satan herzlich wenig.
Im Gegensatz zum Judentum nimmt der Satan im Christentum ein wichtiges Spektrum ein, denn Satan bildet offenbar eine unabhängige Kraft gegen G – tt. Ein im Judentum völlig undenkbares Konzept. G – tt allein regiert die Welt. Er erschuf jegliche Existenz und da Er die Welt nicht perfekt erschuf, haben wir Menschen die Aufgabe, sie auf einen perfekten Level zu bringen.
Wie?
Dadurch, dass Juden die Thoragesetze erfüllen, Gebete sowie Tikunim (Seelenkorrekturen). Unsere Aufgabe ist es, die Yetzer HaRah zu bekämpfen, indem wir nicht auf die verführerische Stimme in unserem Hinterkopf hören und uns dazu aufraffen, Thoragesetze zu erfüllen. Selbst dann, wenn uns momentan nicht danach ist. Die Yetzer HaRah ist jedoch weder ein Wesen noch agiert sie unabhängig von G – tt.
Insbesondere das mittelalterliche Christentum entwickelte geradezu abstruse Satans – Konzepte. Ich bin mir fast sicher, dass die ersten Christen, die eigentlich Juden waren und keine Christen, derlei Ideologien nicht folgten. Wenn ich mir all die abstrusen christlichen Ideologien durchlese, bin ich jedesmal froh und stolz, Jude zu sein ! 🙂
Ich muss zugeben, dass ich nur einen Teil des Talmud Bava Batra geschafft habe. Nämlich den Teil zum Buch Hiob. Bava Batra 74 ff. beschäftigt sich dagegen mit der Yetzer HaRah und der Verbindung zum Leviathan. Ein Artikel hierzu folgt noch. Was in Bava Batra 15 und 16 gelehrt wird ist, dass Satan ein Bote G – ttes ist, der unter der absoluten Kontrolle G – ttes steht und von diesem abhängig ist. Ohne G – tt kein Satan !
Gute und ausreichende Erklärungen liefern:
Jews for Judaism zum Satan
Rabbi Tuvia Singer zum Satan
Eigentlich gibt es nicht mehr viel hinzuzufügen, denn das eher befremdliche Satans – Konzept des Christentums existiert im Judentum nicht.
Ich rate jedem dringend, THE DEVIL AND THE JEWS von Joshua Trachtenberg zu lesen. Joshua Trachtenberg berichtet, u.a., wie die mittelalterliche Kirche das Satans – Konzept entwickelte: Satan stehe in Verbindung mit Magie. Jene Christen, die weder an den Satan noch an Dämonen glauben wollten, wurde als G – tteslästerer verfolgt.
In der jüdischen Kabbalah des Mittelalters hingegen befanden sich keinerlei satanische Elemente. Bei Dämonen handelt es sich lediglich um negative Kräfte, die es zu bekämpfen gilt. Stattdessen konzentrieren sich mittlealterliche Kabbalisten auf die positiven Kräfte G – ttes und nicht ausschliesslich auf Seine negativen. Engel und Dämonen stehen für nichts anderes als G – ttes unterschiedliche Charaktereigenschaften bzw. Handlungsweisen.
Ich plane noch einen weiteren Artikel zum Thema ins Netz zu stellen. Zum Talmud Bava Batra 74 ff., dem Kommentar des Malbim sowie des Rambam (Maimonides). Etwas mehr wird es auch von Joshua Trachtenberg geben. Danach will ich das Thema beenden, denn warum soll ich mich mit abstrusen christlichen Theorien befassen, die keinerlei Verbindung zum Judentum haben ? Ich habe mit dem Judentum genug zu tun und will nicht mit eigenartigen Konzepten meine Zeit verschwenden. 🙂
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