Adam HaRishon/G - tt/Judentum/Schabbatzeiten/Thora Parasha/Welterschaffung

Der RAMBAM zur Parashat BERESCHIT

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Photo: Miriam Woelke

 

B“H
An diesem Schabbat, der morgen Abend um 17.29 Uhr (Jerusalem Zeit) beginnt und übermorgen (Samstag) Abend um 18.41 Uhr endet, beginnen wir die Thora wieder ganz von vorn. Innerhalb eines jüdischen Jahres lesen wir an jedem Schabbat einen bestimmten Thoraabschnitt und lesen so einmal durch die gesamte Thora. An Sukkot bzw. Simchat Thora beenden wir die Thora und beginnen danach von Neuem. Deswegen lesen wir am Schabbat dieser Woche die Parashat (den Thoraabschnitt) BERESCHIT (Genesis). Von der Erschaffung der Welt über Adam (HaRishon) und Eva (Chava) bis hin zur Geburt des Noach (Noah).
In Parashat Bereschit lehrt uns die Thora, wie G – tt die Welt sowohl als auch jegliche Lebewesen erschuf. Obwohl die Thora hier G – ttes Erschaffungsprozess (u.a. „Es werde Licht …“) in wenigen Sätzen beschreibt, erfahren wir fast gar nichts über die Erschaffung des Universums. Es heisst, dass G – tt bzw. die Thora immer das lehren, was für uns Menschen von Bedeutung ist. Ohne Zweifel erfahren wir anhand der Wissenschaft sowohl als auch anhand des Talmud und der Kabbalah viele weitere wichtige Details zur Welterschaffung. Theorien werden diskutiert und versucht zu beweisen. Tatsache aber ist, dass wir immer noch im Dunkeln stehen, wenn es um die Frage geht, warum G – tt die Welt erschuf. Er braucht weder die Welt noch uns Menschen um zu existieren. Würde G – tt von irgendetwas abhängig sein, so wäre Er kein G – tt.
Oder mit anderen Worten ausgedrückt: G – tt ist in keinster Weise abhängig von irgendwelchen anderweitigen Kräften, Personen oder Einflüssen, sondern nur von sich selbst. Auf der anderen Seite ist die Erschaffung sehr wohl von G – tt abhängig. In jeder Form bis auf den heutigen Tag.
Thora, Talmud und das Judentum insgesamt vertreten die Ansicht, dass G – tt die Welt aus dem Nichts erschuf. Es gab bis zu dem damaligen Zeitpunkt weder Materie noch ein Universum. Einzig und allein G – tt füllte alles aus und neben Ihm existierte absolut nichts.
Darüber hinaus besitzt G – tt im Judentum weder Form noch Gestalt noch sonst einen Körper. Stattdessen handelt es sich bei Ihm um ein körperloses unendliches Wesen, welches wir mit unserem menschlichen Intellekt nicht fassen können. Das menschliche Gehirn benötigt Materie oder ein Bild. Man will sich etwas bildlich vorstellen, anfassen oder riechen und sobald es weder Form noch Gestalt gibt, kommen wir ins Wanken.
Der Rambam (Maimonides, Rabbi Moshe ben Maimon, 1135 – 1204) beschreibt in den ersten Kapiteln seines „Guide for the Perplexed – Führer der Unschlüssigen“ sehr detailliert den jüdischen G – tt als formloses unendliches Wesen. Er beginnt damit zu beschreiben, was genau uns die Thora sagen will, wenn es in Bereschit heisst, dass G – tt den Menschen in Seinem Ebenbild erschuf. Dies bedeutet nicht, dass G – tt nun ausschaut wie wir, sondern dass G – tt den Menschen mit einem Intellekt sowie mit Weisheit aussstattete, was uns wiederum vom Tier unterscheidet. Der Mensch erhielt die Befähigung, Gut und Böse zu unterscheiden und zu wählen wohingegen ein Tier gemäss seines Instinktes handelt. Ferner besitzt der Mensch durch seinen Intellekt die Fähigkeit zu G – tt einen Beziehung aufzubauen und zu erkennen, wer jegliches Sein erschaffen hat.
Der Rambam schreibt in seiner Mischna Thora (Sefer HaMada / Hilchot Yesode’i HaTorah 1:7)
G – tt ist eins. Er ist nicht zwei oder mehrere, sondern nur EINS. Ein einziger allumfassender G – tt, neben dem niemand anderes existiert. Auch keinerlei Verwandte oder Kräfte von außerhalb (z.B. Personen, Engel, Planeten, Natur usw.).
Der Rambam schreibt in seiner Einführung zum „The Book of Mitzvot (Sefer HaChinuch)“, dass G – tt allein durch Seine Kraft sowie anhand Seines Willens jegliche Existenz aus dem Nichts erschuf. Alles Erschaffene wird solange existieren, wie Er es für richtig hält.
Griechische Philosophen der Antike wie Aristoteles oder Plato vertraten die Ansicht, dass G – tt nicht immer existierte, sondern irgendwann irgendwie erschaffen wurde. Ferner können sich die Philosophen nicht vorstellen, wie ein Erschaffungsprozess aus dem Nichts heraus eingeleitet werden kann. Demnach musste also schon vorher eine Art Masse existiert haben, aus welcher sich die Erschaffung formte.
Der Rambam diskutiert Plato sowie Aristoteles ausführlich in seinem „Guide for the Perplexed“ und, obwohl er Aristoteles nicht abgeneigt ist, so lehnt der Rambam eine vorzeitliche Materie genauso wie die griechisch – philosophische These, G – tt hätte einen Anfang und sei nicht unendlich, entschieden ab.
Auch hat G – tt keinerlei Gegenspieler, denn nur Er allein ist G – tt. Was Er von uns will, lernen wir aus der Thora. Und es war eben jene Thora, welche die Moral auch unter anderen Völkern verbreitete.
Warum sind wir nun hier auf dieser Welt ?
Am Yom Kippur lernte ich hierzu bei einem Vortrag, dass unsere Aufgabe, u.a., darin besteht eine Verbindung zu G – tt aufzubauen. Anhand von Gebet und der Erfüllung der Thoragesetze. Nichtjuden sind an die Noachischen Gesetze gebunden.
Eine weitere Aufgabe besteht darin, zu uns selbst zu finden. Herauszufinden, wer wir wirklich sind. „Wo bist Du ?“ fragte G – tt den Adam und dessen Frau nach dem Vergehen am Baum der Erkenntnis (Etz HaDa’at Tov ve’Rah). Und nicht nur Adam musste sich fragen, wo er ist. Dieselbe Frage sollten wir uns auch stellen.
Wenn ein Mensch allein in der Welt steht und auf der Suche nach sich selbst ist. In dem Moment muss derjenige mit der Situation umgehen und sich mit seiner Umwelt auseinandersetzen. Wer sich allein anhand von Besitz, Ansehen, Geld oder dem neuesten Smartphone identifiziert, dem bleibt am Ende nichts mehr als eine innere Leere und Oberflächlichkeit. Deswegen sollten die Fragen WO BIN ICH und WOHIN GEHE ICH viel tiefere Bedeutungen im Leben haben. Leider denken die meisten Menschen heutzutage weniger daran, woher sie kommen und wohin sie gehen. Dagegen ist kurzweilige materielle Befriedigung wichtiger als die Frage nach dem eigentlich Dasein.
Schabbat Schalom
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