Adam HaRishon/Rosh Hashana/Selichot - Gebete/Welterschaffung

SELICHOT Gebete vor Rosh Hashana

Photo: Yoffner

B“H

In der Gemara (rabbinische Diskussionen) des Talmud Traktates Nedarim 39b finden wir das Statement, dass G – tt vor der Erschaffung unseres Universums sieben Dinge erschuf. Eines davon ist die „Teschuva – Umkehr zu G – tt“. Ohne die Möglichkeit der Umkehr nach einem Vergehen, könnte der Mensch nicht existieren.

In kabbalistischer Literatur heißt es, dass bevor G – tt unsere Welt erschuf, Er andere Welten erschuf.
Was bedeute das „andere Welten“ ?
In Seinen Gedanken erschuf G – tt andere Welten vor der unseren materiellen Welt. G – tt ist das einzige Wesen überhaupt, welches mit Seinen Gedanken erschaffen kann. Wir Menschen hingegen benötigen unseren Körper, Werkzeuge oder Material, um etwas zu erschaffen / herzustellen.

Ebenso lautet es in der Kabbalah, dass G – tt die vorherigen Welten wieder zerstörte, denn praktisch gesehen kann ein Mensch mit einem von G – tt gegebenen FREIEN WILLEN dort nicht existieren. Die vorherigen Welten, welche G – tt mit seinen GEDANKEN erschuf, und welche anscheinend auch nur dort existierten, waren auf DIN (GERICHT) ausgerichtet. Bedeutet, sobald ein Mensch sündigen täte, müsste G – tt diesen automatisch richten. Demnach könnte der Mensch nach einem strengen Gericht sofort sterben.

Aber ist es wirklich Sinn und Zweck unserer Erschaffung, dass wir nach jedem Vergehen, selbst, wenn es nur in unseren Gedanken stattfindet, sofort auf der Stelle gerichtet werden ? Wie lange wären wir da wohl in der Lage zu überleben ? Wenige Minuten ? Eine Stunde ?
Deswegen musste so etwas wie Teschuva (Umkehr) und Gnade (Rachamim) her. Nur so ist unsere Welt lebensfähig. Wir Menschen bekamen von G – tt die FREIE WAHL (Bechirat Chofshit) uns für Ihn oder gegen Ihn zu entscheiden. Entweder leben wir ein moralisches oder ein unmoralisches Leben. Ein Religiöses oder ein Säkuleres.

Eines jedoch können wir immer tun: Teschuva machen. Unsere Vergehen bereuen und versuchen, in Zukunft alles besser zu machen. Diese Tür der Teschuva hält G – tt jederzeit für uns offen. Nie ist es dazu zu spät, wobei ich gleichermassen daran erinnere, dass der Rambam (Maimonides, 1135 – 1214) in seiner „Mischna Thora – Hilchot Teschuva“ Ausnahmen der Teschuva beschreibt. Für einen jeden von uns kann eine Zeit kommen, in welcher unsere Vergehen so gravierende Formen angenommen haben, dass eine Teschuva unmöglich wird und G – tt unsere Reue nicht mehr annimmt. Nehmen wir hier Hitler, Eichmann, etc. als Beispiel. Bei solchen Leuten hilft eine Umkehr nichts mehr und ihre Seelen werden vernichtet.

Bleiben wir bei weniger extremen Fällen, nämlich bei uns selbst.
Jetzt vor Rosh HaShana (jüd. Neujahrsfest), welches diesmal am Abend des 24. September beginnt, ist die Zeit der Reue und Umkehr. An Rosh HaShana richtet G – tt die gesamte Welt und ALLE Menschen auf ein weiteres Jahr. Ebenso Nichtjuden !

Wird es Hungersnöte, Vulkanausbrüche und anderweitige Katastrophen geben ? Wie wird mein persönliches Neues Jahr ausfallen ? All das wird an Rosh HaShana entschieden. Juden haben Zeit bis zum Yom Kippur und erst dann, zehn Tage nach Rosh HaShana, fällt die Entscheidung.
Juden verfügen mit ihren Gedanken, Worten und Taten (Mitzwot) die Kraft, die oberen spirituellen Welten zu beeinflussen. Anhand der Mitzwot (Gebote) können sie unsere materielle Welt in die oberen spirituellen Welten hinauf befördern.

An jüdischen Fastentagen sowie insbesondere vor Rosh HaShana wollen wir G – ttes Gnade erwecken. Schließlich wollen wir alle gnadenvoll von Ihm gerichtet werden und nicht mit zu strengem Din (Gericht). Deswegen beten wir gerade in den Tagen vor Rosh HaShana spezielle Gebete, welche sich SELICHOT nennen. Übersetzen könnte man dies mit „ENTSCHULDIGUNGEN“. Wir gestehen unsere Vergehen vor G – tt ein und geloben Besserung.

Sephardische Juden (aus Marokko, Tunesien, Spanien, Kurdistan, Irak, etc.) folgen dem Brauch, die Selichot Gebete am zweiten Tag des Monatsbeginn Elul zu beginnen. Aschkenazische Juden (Europa, USA, Russland, etc.) dagegen beginnen die Selichot erst am Mozzaei Schabbat (Schabbatausklang) direkt vor dem Rosh HaShana – Fest (diesmal am 20. September). Fällt Rosh HaShana jedoch auf einen Montag oder Dienstag, so beginnen auch für die Aschkenazim die Gebete eine Woche vorher.

Die Selichot Gebete sind in einem eigenen Gebetbuch zusammengefasst und bestehen aus poetischen Texten (Piyutim) sowie aus Gebeten. Beginnen tun wir stets mit dem Psalm 145 (Aschre’I Yoshev Be’itecha …) und danach folgt ein halbes Kaddisch.

Anmerkung: Das Kaddisch ist KEIN Totengebet, wie viele meinen, sondern vielmehr preisen wir darin die Größe G – ttes. Der Text ist auf Aramäisch und die Aufgabe des Kaddisch besteht darin, unterschiedliche liturgische Abläufe während eines Gebetes / G – ttesdienstes voneinander zu trennen.

Normalerweise werden die Selichot NACH Mitternacht (oder vor dem Morgengrauen) gebetet. Die erste Nacht der Selichot ist von besonderer Wichtigkeit, denn dann sitzt G – tt Gericht. Schon zu Zeiten der Geonim (800 – 1000 nach Beginn der Zeitrechnung) wurden Selichot gebetet. Am 25. Elul erschuf G – tt unser Universum, an Rosh HaShana wurden die ersten Menschen, Adam und Eva (Chava) kreiert. Laut dem Gaon von Vilna (GRA) beginnen aschkenazische Juden mit ihren Selichot ausgerechnet an einem Mozzaei Schabbat (Schabbatausklang), weil dies den ersten Tag der Welterschaffung repräsentiert. Der erste Tag der Erschaffung war ein Sonntag (Yom Rishon). Im Judentum beginnt der neue Tag jedoch schon mit Einbruch der Dunkelheit des vorhergehenden Tages. Somit am Abend zuvor. Demnach begann die Welterschaffung am Samstagabend und der erste Tag endete am Sonntagabend.

Der „Big Bang“ – Die Welterschaffung
Photo: Washington Post

Jeden Tag vor dem Rosh HaShana beten wir also Selichot und das Gebetbuch ist in jeden einzelnen Tag unterteilt. Am ersten Tag beten wir beispielsweise:

Psalm 145 (Aschre’i), ein halbes Kaddisch, dass wir vor G – tt stehen und Seine Gnade erbitten (Lecha A – do – nai), A – do – nai – E – l – Rachum veChanun ( G – ttes Gnade ist groß) – Dieses Gebet wird innerhalb der Selichot mehrere Male wiederholt und am Yom Kippur beten wir es unzählige Male, sodass wir es spätestens beim Ne’ilah Service (dem letzten G – ttesdienst vor dem Ausklang des Yom Kippur) auswendig kennen. Genauso wie das VIDUI (Geständnis): „Aschamnu. Bagadnu. Gasalnu. Dibarnu Dofi. He’evinu“, etc. Wir gestehen hier unsere Sünden stets im PLURAL ein. Als das gesamte jüdische Volk.

Darüber hinaus bestehen die Selichot ebenso aus weiteren einzelnen Gebeten. Jedesmal wieder sind es bewegenede Momente an der Jerusalemer Klagemauer (Kotel) zu stehen und des nachts die Selichot zu beten. Viele Betende sind dermassen vertieft in ihr Gebet (Kavanah), dass sie sogar weinen, denn es heißt, das Tränen das Tor zu G – ttes Gnade öffnen.
Selichot
Photo: Jewish Software

Das Buch „Shaare’i Moadim“ von Chabad / Lubawitsch lehrt folgende Inhalte:

– Der Schabbat, an welchem abends die ersten Selichot gebetet werden, wird „Schabbat Selichot“ genannt.

– Die Selichot vor Rosh HaShana ersetzten spezielle Opferungen aus der Tempelzeit, denn ohne den Dritten Tempel sind Juden derzeit außerstande, Opferungen darzubringen.

Photo: Chabad
Links zur Welterschaffung:
Zurück zum Ursprung, Teil 1
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