Schabbatzeiten/Thora Parasha

Parashat KI TAVO

20120903_101531
Photo: Miriam Woelke
B“H
Die Thoralesung für diesen Schabbat
Am Schabbat dieser Woche lesen wir in den Synagogen die Parashat (Thoralesung) KI TAVO. In Jerusalem beginnt der Schabbat am morgigen Freitagabend um 18.14 Uhr und enden tut er am Samstagabend um 19.25 Uhr. Wer der Tradition des Rabbeinu Tam folgt, beendet seinen Schabbat um 20.05 Uhr.
Parashat Ki Tavo ist ein regelrechtes Up and Down der Gegensätze. G – d gibt uns die Mitzwot (Gesetze), aber gleichzeitig erinnert Er uns immer wieder daran, was passiert, wenn wir Seine Thoragesetze einhalten und was geschieht, wenn wir das Gegenteil tun.
Dass, was mir bei der ganzen Parashat ins Auge fiel, war der Satz „An diesem Tag trägt euch eurer G – tt auf, Seine Gesetze und Erlasse einzuhalten, und dieses sollt ihr aus ganzem Herzen und aus ganzer Seele tun“.
Mag sein, dass meine Übersetzung ins Deutsche zu holprig klingt, aber ich habe den Satz wörtlich aus dem Hebräischen übersetzt und nichts verschnörkelt ausgedrückt und somit der Inhalt verfälscht.
An dieser Stelle steht in der hebr. Originalfassung nicht G – tt, sondern es werden zwei Seiner Namen genannt.
Die Namen G – ttes lauten an dieser Stelle
„A – do – nai E – lo – hei – cha“.
Aber was genau bedeutet das „HaYom HaZeh – an diesem Tag“ ?
Anscheinend war ich nicht die Einzige, die diese Bedeutung näher erklärt haben wollte, denn viele Kommentatoren wie der Ohr HaChaim, der Baal Shem Tov, der Sefat Emet sowie Rabbeinu Bachya, geben genaue Auskunft.
Oberflächlich betrachtet entsteht der Eindruck, dass G – tt dies zu den Juden in diesem Augenblick sagt. An diesem Tag halt. Die wahre Bedeutung aber sehen unsere Kommentatoren ganz woanders.
Wieso nur an diesem Tag, der ja schon ewig zurückliegen mag ?
Vielmehr bedeutet „HaYom HazeH“, dass wir jeden Tag die Gesetze einhalten sollen. Jeder Tag ist ein neuer „HaYom Hazeh“. Sobald wir morgens aufwachen, besteht unsere erste Mitzwa darin, G – tt dafür zu danken, dass wir das Licht eines neuen Tages erblicken (Rabbi Simcha Bunim von Peshis’cha). Nicht morgen sollen wir die Mitzwot erfüllen, sondern gleich heute (Raschi). Und jeden Tag neu sollen wir die Mitzwot mit gleicher Freude erfüllen. Und das aus ganzem Herzen und mit ganzer Seele.
Im Judentum unterscheiden wir zwischen „Dieser Welt“ (Olam HaZeh) und der „Kommenden Welt“ (Olam HaBah). Diverse Talmudkommentatoren und die Gemara im Talmud Traktat Sanhedrin sind sich uneins darüber, was genau die „Kommende Welt“ denn eigentlich ist. Ist es die Welt nach dem Tode, indem nur noch unsere Seele (Neshama) unendlich weiterlebt und zu ihrem eigentlichen Ursprung, nämlich G – tt, zurückkehrt. Oder ist es die Welt nach der Ankunft des Meschiach ?
Wie dem auch sei, eines ist sicher: In der „Kommenden Welt“ werden wir nicht mehr in der Lage sein, die Mitzwot zu erfüllen, denn dies kann nur in Dieser Welt, in unserer materiellen Welt, geschehen. Anhand der Erfüllung von G – ttes Gesetzen kommen wir Ihm näher und erhalten dafür einen dementsprechenden Platz in der „Kommenden Welt“. Sobald wir jedoch sterben, können wir nichts mehr ändern und für eine Reue, nicht mehr Mitzwot eingehalten zu haben, ist es zu spät. Deshalb müssen wir uns immer darauf besinnen, dass wir die Mitzwot täglich tun und täglich neu von G – tt aufgetragen bekommen, da die Thora uns für alle Ewigkeiten gegeben wurde und gültig ist (Rabbi Yaakov Yosef von Polonnoye, einer der berühmtesten Schüler des Baal Shem Tov). Des Weiteren verbindet uns die Erfüllung der Mitzwot mit unserer Ursprungsquelle – G – tt (Sefat Emet).
Die erste Mitzwah dieser Parasha lautet BIKKURIM. Die ersten Früchte sollen wir nach Jerusalem zum Tempel tragen, wo sie uns ein Cohen (Tempelpriester) abnimmt. Hierbei handelt es sich nur um die schönsten Früchte und diese Mitzwah wurden zu Tempelzeiten von den Leuten mit hohem Enthusiasmus ausgeführt. Auf dem Wege nach Jerusalem und in der Stadt selbst gab es große Feiern zu Zeiten der Bikkurim (in den Sommermonaten).
Der Talmud Traktat Menachot 84b sowie Raschi lehren, dass es sich bei den Bikkurim nur um die Sheva Minim – die sieben Früchte Israels handelt. Nur Weizen, Gerste, Oliven, Granatäpfel, Weintrauben, Feigen und Datteln sollten zum Tempel getragen werden. Diese Getreidesorten bzw. Früchte besitzen bis heute einen speziellen Status in unseren Gebeten, vor allem nach dem Essen. Nach dem Essen von Getreide wird ganz normal das Birkat HaMazon oder Al HaMichya gesagt. Aber auch nach dem Essen der Oliven, Weintrauben, der Feigen, Granatäpfel und Datteln wird der Segen der Sheva Minim – Al HaEtz ve Al PriHaEtz – gesagt.
Erneut machte G – tt deutlich, dass wir für Ihn das „Auserwählte Volk“ sind, welches sich an Seine Mitzwot halten muss, um ein hohes moralisches Verhalten zu zeigen und dadurch den anderen Völkern als Beispiel dienen kann.
Obwohl Rabbi Yaakov Yosef von Polonnoye seine Gedanken nur auf den Zaddik (Gerechten) bezieht, trifft es auf uns alle zu, dass wir durch die Einhaltung der Mitzwot immer höhere Level erreichen können.
Eines jedoch bleibt auf alle Zeiten in G – ttes Hand und Er entscheidet darüber allein, wie uns die Midrash Rabbah lehrt:
1. Die Wiederauferstehung der Toten.
2. Ob, wann und wieviel es regnet.
3. Ob eine Frau in der Lage ist, Kinder zu gebären oder nicht.
Trotz künstlicher Befruchtungen in der heutigen Zeit, ist nicht immer garantiert, dass eine Frau auch danach Kinder bekommen wird.
Vielleicht ist es gar keine schlechte Idee, sich einmal bewußt zu machen, von was wir Menschen eigentlich alles abhängig sind. Normalerweise betrachten wir den Regen, unser Essen und alles andere als selbstverständlich. Nur dann, wenn es einmal nicht da sein sollte oder wir krank werden, wird uns plötzlich bewusst, wie sehr wir davon abhängen und wie wenig wir bisher alles anerkannt haben als es noch vorhanden war.
Schabbat Schalom
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