Adoption im Judentum/Frauenangelegenheiten/Geburt im Judentum/Halacha/Kinder/Rabbi Yitzchak Breitowitz

Warum müssen Frauen nicht unbedingt Kinder haben ?

B”H
Im Judentum haben wir die Mitzwah (Gebot), dass ein jüdischer Mann Kinder zeugen muss. PRU u’VERU sagte schon G – tt zu Adam und Eva, denn der Mensch sollte die Welt bevölkern. Nichtsdestotrotz, gemäss der Halacha gilt dieses Gesetz lediglich für den Mann und nicht für eine Frau. Was ist der Grund hierfür ?
Rabbi Yitzchak Breitowitz, zu dessen Schiurim (relig. Vorträge) ich regelmässig gehe, zitierte den Meschech Chochmah (Rabbi Me’ir Simcha von Dvinsk, 1843 – 1926):
Obwohl es in unserer heutigen Zeit dank des medizinischen Fortschritt nicht mehr so sein muss – Trotzdem gelten Schwangerschaft sowie die Geburt eines Kindes als nicht ganz ungefährlich für die werdende Mutter. Die Thora hingegen würde niemals Vorschriften anordnen, die sich für einen Menschen als gefährlich entpuppen.
Ein Mann ist zwangsläufig an der Entstehung eines Kindes beteiligt. Zumindest trifft das auf den Regelfall zu. Dennoch drohen ihm dadurch keinerlei gesundheitliche Gefahren.
Der Meshech Chochmah kommentiert daher, dass das Kinderzeugen lediglich für Männer eine biblische Vorschrift ist und Frauen nicht gezwungen sind, unbedingt Kinder zu haben. Eben weil sie nicht gezwungen sind, sich in „Gefahr“ zu begeben.
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2 Kommentare zu “Warum müssen Frauen nicht unbedingt Kinder haben ?

  1. Sehr geehrte Frau Miriam Woelke,

    da sie in ihren letzten Mails einige Frauenthemen angesprochen haben so möchte ich folgendes von Ihnen wissen was sagt die Thora darüber aus wenn eine Jüdische Frau ein Kind von einem nicht jüdischem Mann bekommt klar da die Mutter Jüdisch ist so ist auch das Kind Jüdisch aber wie sieht s aus wenn das Kind geistig behindert ist sieht die Thora das dann auch als Strafe Gottes so wie im Islam???? Überhaupt was sagt die Thora zu menschlichen Behinderungen bzw.zu sehr schweren Krankheiten ist Sterbehilfe erlaubt???

    Mit lieben Grüßen aus dem so kalten Berlin heute früh 11 grad keine Spur von Sommer und bleiben sie Gesund

    Miriam Plato Merkl

  2. B“H

    Hallo Frau Merkl und vielen Dank fuer ihre interessanten Fragen.

    Generell gesagt, verbietet die Thora jegliche Verbindungen zwischen einem Juden und einem Nichtjuden: Bedeutet, es darf weder eine sexuelle Verbindung bestehen, noch darf eine Ehe eingegangen werden.

    Auf die Gruende bin ich in bereits in vorherigen Artikeln eingegangen:

    http://hamantaschen.blogspot.co.il/2010/09/warum-juden-keine-nichtjuden-heiraten.html

    http://hamantaschen.blogspot.co.il/2011/10/rabbi-israel-meir-lau-ehen-zwischen.html

    Aber zurueck zu Ihrer Frage:

    Es stimmt, dass ein Kind, dessen Mutter Juedin ist, der Vater jedoch nicht, laut der Halacha Jude ist. Im umgekehrten Fall (Mutter keine Juedin und nur der Vater Jude), waere das Kind kein Jude.

    Soweit ich weiss, und ich bin diesbezueglich absolut kein Experte, geht die Thora nicht auf behinderte Menschen ein. Kein normal denkender relig. Jude wuerde einer juedischen Mutter, die mit einem nichtjuedischen Mann ein behindertes Kind hat, sagen, dass es sich um eine Strafe G – ttes handelt.

    Ich kann nicht sagen, was die Strafe fuer eine sexuelle Verbindung mit einem Nichtjuden sein soll und ob ueberhaupt eine Strafe angegeben ist. Wer sich auf soetwas einlaesst, muss dies am Ende mit sich und G – tt alleine ausmachen. Deswegen zu vermuten, dass ein eventuell behindertes Kind eine Strafe sei, halte ich fuer falsch.

    Ich muesste erst nachschauen, doch gibt es im Talmud eine Stelle, wo es heisst, dass allein G – tt entscheidet, ob wir gesund oder krank geboren werden. G – tt entscheidet, welche Eltern wir erhalten, ob wir eine gewisse Intelligenz besitzen oder nicht. Ob wir im Leben etwas erreichen oder nicht. Nur Er weiss, wann und wie wir sterben.

    Zu spekulieren, warum dieser oder jener Mensch krank oder sogar behindert geboren wurde, wird letzten Endes zu keiner Antwort fuehren. Wir wissen es einfach nicht, wenn nicht gerade medizinische Aerztefehler vorliegen.

    Persoenlich wuerde ich schnellstens von dem Gedanken der Strafe abkommen. Wenn man sich in solch einer Situation befindet und ein behindertes Kind zur Welt bringt, muss man wohl das Beste daraus machen und fuer sein Kind sorgen. Klar, ich kann das leicht dahinsagen, denn ich habe ja keine Kinder. Aber selbst wenn, in den Gedanken der STRAFE wuerde ich mich nicht hineinsteigern, denn am Ende bringt das nur Depressionen und Schuldgefuehle, aber keine definitive Antwort.

    Zur Sterbehilfe im Judentum:

    Hierzu existieren zahlreiche verschiedene rabbinische Meinungen. Ein Rabbiner erlaubt es, der andere wieder nicht. Sterbehilfe sowie Transplantationen koennen im orthodoxen Judentum zu komplizierten Themen werden. Ich rate in dem Fall, sich an seinen eigenen Rabbiner zu wenden und den zu befragen. Oder einen Rabbiner, der sich mit der Materie auskennt.

    Der Talmud lehrt, dass selbst wenn einem Juden die Schwertklinge an den Hals gesetzt wird, er immer noch nicht aufgeben darf und an das Leben glauben muss. In letzter Sekunde kann die Situation umschwingen und der Jude muss nicht zwangslaeufig umgebracht werden.

    Ferner heisst es im Talmud Traktat Schabbat, dass derjenige, der einem Toten die Augen zudrueckt, ohne gruendlich geprueft zu haben, ob die Person tatsaechlich tot ist, ein Moerder sei.

    Gerade weil soviele unterschiedlichen Ansichten / rabbinische Entscheidungen zur Sterbehilfe vorliegen, rate ich jedem, sich mit dem Anliegen an einen Rabbiner zu wenden.

    Einmal pro Woche gehe ich zum Halacha – Unterricht bei der Orthodox Union in Jerusalem. Rabbi Yitzchak Breitowitz ist ein super Halacha – Experte und sobald er auf das Thema zu sprechen kommt, werde ich sofort darueber schreiben !

    Viele Gruesse aus der Hitze in Jerusalem. Heute 30 Grad C und ab morgen Hitzewelle mit 34 Grad C. Da wuensche ich mich direkt ins kuehle Berlin. 🙂

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