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NAF – Ein Straßenkind in Jerusalem

naf_02 Naftali Yawitz
Photo: Ruth Films
B“H
In deutschsprachigen Ländern dürfte der israelische Dokumentarfilm N A F – Ein Straßenkind in Jerusalem so gut wie unbekannt sein. In Israel hingegen erlangte der Film in den Jahren 2006 / 2007 eine Menge Popularität, denn er wurde im hiesigen Fernsehen ausgestrahlt.
Am letzten Donnerstag zeigte die Jerusalemer Cinematheque den Film erneut und ich schaute ihn mir an. Der Filmemacher hielt eine kurze Ansprache und erklärte, wie er dazu kam, eine Dokumentation über Jerusalemer Straßenkinder zu drehen. Seine Tochter war der Auslöser, denn sie kannte mehrere Street Kids und der Vater wurde neugierig, mit wem sich seine Tochter da so umgab.
Fast alle Jerusalemer Street Kids treffen sich Downtown am Zion Square. Heutzutage eher am Kikar HaChatulim unterhalb der Yoel Solomon Street (zwischen Independence Park und Jaffa Road). Die im Film gezeigte Szene, wie sich die Street Kids am Rathaus schlafenlegen hat auch heute nichts an Aktualität eingebüßt.
Naf, eigentlich Naftali Yawitz, ist die Hauptfigur dieser Dokumentation. Seitdem er 14 ist, lebt er auf der Straße. Seine haredischen Eltern schmissen ihn aus dem Haus, da er keine ultra – orthodoxe Lebensweise für sich wollte und alles ablehnte. Um die anderen Geschwister vor seinem eventuellen negativen Einfluss zu bewahren, musste Naftali die elterliche Wohnung verlassen. Zu seinen Eltern: Anglo – Einwanderer und zugleich Neureligiöse.
Leider befinden sich selbst in Jerusalem mehrere Hundert Street Kids. Viele von ihnen stammen aus haredischen (ultra – orthodoxen) Familien. Sie verweigerten den Lifestyle der Eltern und landeten somit auf der Straße. Zuerst haut man ab, landet am Zion Square und irgendwann kommen Drogen dazu. Auch Naf rebellierte und, einmal ein Street Kid, nahm er sich vor, seinen Leidensgenossen zu helfen. Er schaffte es bis zum damaligen Bürgermeister Uri Lupolianski vorgelassen zu werden, doch vergebens. Die Stadtverwaltung setzt keinerlei Prioritäten für die lokalen Street Kids.
Damals und heute: Die Stadt Jerusalem steht dennoch nicht ganz untätig da, sondern sendet Sozialarbeiter aus. Ferner gibt es Unterbringungsmöglichkeiten und Clubs. Nicht alle Street Kids sind haredische Dropouts, sondern stammen aus allen möglichen Gesellschaftsschichten. Arme, solche aus wohlhabendem Elternhaus, Professorenkinder genauso wie Kinder von Rabbinern.
Neben Drogen – und sexuellem Missbrauch lauern auf die Street Kids noch weitere Gefahren: Christlichen Missionare, zum Beispiel. Nicht, dass die Missionare den Kids helfen wollen, denn es geht lediglich darum, jüdische Seelen zu vernichten und diese an den falschen Messias J. glauben zu lassen. Naf berichtet, dass die Missionare ein einziges Ziel verfolgen und dieses versuchen zu erreichen, indem sie den Kids sogar Cash geben.
Die Dokumentation entstand im Jahre 2006 und ich schaute sie mir am Donnerstag an, um zu erfahren, wie es Naf heute geht. Was hat sich seitdem verändert und hat er es letztendlich den Sprung in ein bürgerliches Leben geschafft ? Kam er von seinem Drogenproblem los oder sitzt er wegen Hehlerei noch im Knast ?
Der Filmemacher sprach von seinen Motiven, diese Doku zu drehen. Dann wurde der Film gezeigt und hinterher war nur Zeit für eine einzige Publikumsfrage: Wie können Eltern verhindern, dass ihre Kinder rebellieren und zu Street Kids werden ? Die Antwort lautete: Gar nichts.
Das war alles. Keine Zeit für weitere Fragen und der Filmemacher verabschiedete sich.
Keine Frage, die Dokumentation ist wichtig. Allein deswegen, damit niemand das Street Kid Problem wegignoriert. Dennoch kommt es mir so vor, dass hier ein Film entstand, der auf dem Rücken der Kids ausgetragen wurde. Die Macher verdienten sich eine goldene Nase und sobald alles abgedreht war, wurden die Kids fallengelassen. Zumindest erschien es mir nicht so als habe der Filmemachers Nafs Schicksal weiterverfolgt.
Also habe ich selbst einmal gegoogelt:
Offenbar hat Naftali Yawitz geheiratet https://he-il.facebook.com/nyawitz und singt, nach wie vor, seine Rap Songs https://www.youtube.com/channel/UCR1NsHu2ijAiGR7hQMMsQAg
Leider passiert es in Israel nicht gerade selten, dass Buchautoren, Researcher oder Filmemacher in der haredischen Gesellschaft umhergeistern, um Material zu sammeln. Wobei die Haredim oftmals nicht mehr als OBJEKTE sind, mit denen man leichtes Geld verdienen kann. Hinterher werden sie fallengelassen und der Autor geniesst allein seinen Ruhm. Alles, was zählt ist Geld und der Mensch bleibt am Ende wieder alleine.
Link:
Die KIKARISTEN vom Zion Square
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