Kirche/Talmud

Die Sache mit dem Gasthaus

B“H
Der nachfolgende Artikel erschien bereits im Juli 2007 auf meinem alten Hamantaschen – Blog bei Blogger. Nichtsdestotrotz, an Aktualität hat das Thema nichts verloren und „Die Sache mit dem Gasthaus“ passt gerade wunderbar in meine Serie über falsche Schlußfolgerungen der Kirche.
 
Vor ein paar Jahren passierte es mir, dass eine sehr religiöse Christin mir eine Story aus der Gemara im Talmud zitierte. Den Inhalt gab sie richtig wieder, ihre Schlussfolgerung dagegen war falsch. Damals fragte ich mich, woher diese nicht gerade zu den Intelligentesten zählende Kanadierin die Story aus dem Talmud kannte.
Um weiteren falschen Schlussfolgerungen und Deutungen vorzubeugen, will ich an dieser Stelle die Story aus dem Talmud erzählen und erklaeren. Sie findet zweimal Erwaehnung; einmal im Traktat Sanhedrin 107b und ein zweites Mal im Traktat Sotah 47a.
Im Mittelalter sorgte die Kirche dafür, dass führende Rabbiner beide Stellen aus dem Talmud entfernen mussten. Wer also einen Talmud vor sich hat und die beiden Auszüge nicht findet, der braucht sich nicht zu wundern. Bis heute erscheinen die beiden Originalauszüge nur in wenigen talmudischen Ausgaben und sind ansonsten in den Hashmatot einzusehen.
Die Hashmatot sind eine Sammlung von Talmudauszügen, welche die Kirche im Mittelalter unter Todesdrohungen den Juden gegenüber aus Talmudausgaben entfernen liess.
Zitat aus dem Talmud:
Als Yannai, König von Israel, die Rabbiner umbringen liess. Shimon ben Shetach wurde von seiner Schwester versteckt, während Rabbi Yehoshua ben Perachiah nach Alexandria in Ägypten floh. Als wieder Frieden herrschte, sandte Shimon ben Shetach eine Nachricht an Rabbi Yehoshua ben Perachiah und der begab sich unverzüglich wieder auf den Heimweg nach Jerusalem. Unterwegs kam er an einem Gasthaus vorbei, in dem er mit seinen Gefährten nächtigen wollte. Der Inhaberin des Gasthauses gegenüber machte er Komplimente. Ihr Gasthaus sei sehr schön. Daraufhin sagte einer seiner Schüler, der hier den Namen Yeshu HaNochri traegt, folgendes: Mein Rabbi, siehst du nicht, dass sie hässliche Augen hat.
Mit anderen Worten: „Wie kannst du überhaupt nur mit solch einer hässlichen Person sprechen ?“
Aufgebracht schmiss Rabbi Yehoshua ben Perachiah den Schüler Yeshu HaNochri hinaus. Einen Schüler, der die Menschen nur nach ihrem Äusseren richtete, sah er als unwürdig.
Im Judentum sollen die Menschen nach ihrem Inneren und niemals nur nach ihrem Äusseren gerichtet werden. Nicht jeder, der einen körperlichen Makel hat, ist ein schlechter Mensch. Genau aber dieser Auffassung war Yeshu HaNochri.
Yeshu HaNochri kam danach einige Male zurück zum Rabbi, um sich für sein Verhalten zu entschuldigen, doch der Rabbi wollte ihn nicht sehen. Einmal kam Yeshu HaNochri als Rabbi Yehoshua ben Perachiah mitten im „Shema Israel – Gebet“ war. Der Rabbi war bereit, Yeshu HaNochri zu empfangen und gab ihm ein Handzeichen, dass er bis zum Ende des Gebetes warten solle. Doch Yeshu HaNochri deutete das Handzeichen falsch und dachte, der Rabbi schmeisse ihn wieder hinaus. Er ging und begann zu einer selbst aufgesetzten Statue zu beten. Der Rabbi kam und sagte ihm, dass er sich entschuldigen solle. Yeshu HaNochri wollte nicht und sagte, dass jemand der sündigt und andere zur Sünde anstiftet kein Recht auf Sühne (Teshuva) hat.
Eine komplett falsche Schlussfolgerung.
Die Kirche war / ist sich seit vielen Jahrhunderten sicher, dass hier die Sprache von J. ist.
J. sei identisch mit dem hier erwähnten Yeshu HaNochri. Genau diese Behauptung ist falsch. Der grosse talmudische Rabbi Yehoshua ben Perachiah (Vorstand des Sanhedrin) lebte zwei Generationen vor dem späteren von den Christen als Messias betrachteten J.
Auch bei König Yannai gibt es eine Zeitdiskrepanz. Er war König von 104 – 78 vor Beginn der Zeitrechnung.
Die Mehrheit der talmudischen Kommentatoren (darunter auch der RIF) stimmen überein, dass es sich in dieser Gemara des Talmudes nicht um J. handelt. Im Talmud gibt es noch weitere Stories, die sich mit Yeshu HaNochri beschaeftigen, doch wird kommentiert, dass es sich historisch betrachtet, um unterschiedliche Personen handeln muss.
Wie auch immer, die Kirche im Mittelalter liess sich nicht überzeugen und so mussten, vor allem zur der Zeit der Inquisition, viele talmudische Stories gestrichen werden oder es gab Zeiten, zu denen das Talmudstudium vollkommen untersagt war.
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