Baal Teschuva (Neureligioese)/Giur (Konversion)/Pessach

Neureligiöse Juden & Konvertiten zum Judentum nicht nur an Pessach

B“H
Als Konvertit zum Judentum in Israel hat man die Klappe zu halten und keinerlei Ansprüche zu stellen. Wer negativ auffällt, kriegt sein Visum nicht verlängert und aus ist der Traum. Nicht unbedingt, weil es das Innenministerium so will, sondern weil diverse sogenannte Bekannte dem Konvertiten die Empfehlungsschreiben verweigern.
Seit Jahren läuft alles nur noch mit Empfehlungschreiben und etliche Konvertiten rekrutieren dafür sogar jeden Nachbarn, Freund, Rabbiner und selbst die Synagogenputzkolonne. Hauptsache Empfehlungsschreiben ! Das Innenministerium lacht sich schief und in einem Fall lud eine rausgeschmissene Konvertitin soviele Zeugen ihrer Seriösität zu einem Beit Din (Rabbinisches Gericht), dass extra Stühle angefordert werden mussten. Am Ende konvertierte sie bei einem zweifelhaften Rabbiner und nicht beim Rabbanut (Oberrabbinat).
Wie sieht es da erst bei den heutigen Konvertiten in Israel aus ? Vor zehn Jahren gierte schon alles nach Empfehlungsschreiben und ein chinesischer Konvertit ging ein einziges Mal in eine Synagoge und fragte gleich nach dem Rabbiner, ob der ihm eine Empfehlung fürs Rabbinat tippen könne. Als ich derlei Stories von Betroffenen hörte, glaubte ich, dass so mancher Konvertit für seinen Brief (Slang für Empfehlungsschreiben) töten würde. Dies einmal sarkastisch angemerkt und bitte nehmt es nicht allzu wörtlich !
Bei Schabbatessen sah ich Konvertiten, die nach dem Eintreten in das Haus eines Rabbiners als erstes in die Küche rannten, um dort Geschirr abzutrocknen. Einfach so aus heiterem Himmel, aber stets mit dem Brief im Hinterkopf. Dabei scheint der Briefwahn völlig irrsinnig, denn das Rabbanut ist nicht an anonymen Briefen interessiert. Wer mit Hunderten Briefen antanzt, ist alles andere als ernst zu nehmen. Noch dazu wo diverse Konvertiten anderen Tipps geben, wie sie denn alle Rabbiner bescheissen (sorry, belügen) können.
Zweifelslos sind auch ernsthafte Konvertiten bei der Sache, aber die sind seit Jahren, mehr oder weniger, in der Minderheit. Fragen tue ich mich nur, was die Leute nach ihrer Konversion vorhaben. Wollen sie in Israel leben und sich weiterhin durchs Leben lügen ? Israelis fahren allgemein auf keine Fakes ab und unsere Gesellschaft schmeisst jedes Empfehlungsschreiben in den Müll.
In Israel gibt es vielerlei Arten von Konvertiten zum Judentum: Ernsthafte seriöse Menschen, Fakes mit ihrem Briefgeschwader, Leute aus Dritte Welt Ländern oder Osteuropa, die sich ein besseres Leben erhoffen, aber auch jene, die während des Giur (der Konversion) total durchknallen. Was ich damit meine ? Jene, die nur noch von Tempelopfern, Araber killen und von sonstigem konfusen Zeug reden. Ich nehme an, dass diese Leute schon in ihren Heimatländern mental belastet waren und bei der Konversion wird alles noch schlimmer. Leider werden solche Leute von den Rabbinern viel zu selten aussortiert.
Wer am Ende die israelische Staatsbürgerschaft bekommt, wird nicht immer glücklich damit. Der israelische Alltag ist hart und wer nicht sonderlich alle Tassen im Schrank hat, landet hierzulande schnell auf der Straße. Oder er gilt als Sonderling ohne richtige Freunde. Chabad oder das Breslover – Neureligiösen Movement sind häufig die letzte Auffangstation. Womit ich keineswegs andeuten will, dass Chabad nur noch Gestrandete auffnimmt. Was Chabad tut ist, den Leuten ein Schabbatessen zu servieren und sie in die Synagoge einzuladen.
Konvertiten zum Judentum kenne ich aktuell keine mehr. Was wohl auch daran liegt, dass ich kaum noch zu irgendwelchen Schabbatessen gehe. Stattdessen koche ich daheim und lade Freunde ein.
Arbeitsmässig lerne ich viele Haredim (ultra – orthodoxe Juden) kennen. Gebürtige, denn die Ba’alei Teschuva (Neureligiöse) haben auch so manchen Knacks weg. Außerdem nerven sie mit ihrem Übereifer herum.
Jetzt vor Pessach wird es wieder ganz schlimm für viele Konvertiten und Neureligiöse. Wohin am Sederabend ? Die Seder wird am ersten Abend von Pessach gefeiert und da will man irgendwo eingeladen sein. Bei einer Familie, in der Yeshiva (relig. Lerninstitut) oder wo auch immer. Und was, wenn keine Einladung erfolgt ? Sonderlinge haben kaum Chancen eingeladen zu werden. Jedoch findet auch nicht jeder ernsthaft bei der Sache – Konvertit einen Sederplatz. Wer sich momentan noch in einem Konversionskurs befindet, dem wird bei der Suche geholfen. Danach aber steht man im richtigen realen Leben und muss demnach alles selbst organisieren.
Zu Yeshivazeiten und auch danach ging ich fast immer zu diversen Schabbatessen. Eben, weil es Fun & Easy war. Man kommt und geht. Ab einem gewissen Alter jedoch kam der Drang auf, etwas Eigenes zu machen bzw. einfach nur daheim zu bleiben. Ich bin ziemlich introvertiert und brauche keine Action und Hunderte Menschen um mich. Was ich lieber tue, ist einfach nur auf dem Balkon zu sitzen und zu lesen. Anstatt mich inmitten einer Menschenmenge zu setzen und volllabern zu lassen. G – tt sei Dank, kann ich mir mein eigenes Essen leisten und ein FREELOADING (umsonst vollstopfen) kommt schon gar nicht in Frage. Davon gibt es in Jerusalem eh schon viel zuviele Leute !
So, habe ich jetzt auch etwas Positives zu sagen ?
Ja, aber nur über seriöse Konvertiten und Neureligiöse. Die nämlich erleiden letztendlich einen schlechten Ruf, weil es die negativen Gestalten sind, die ständig irgendwo unangenehm auffallen.
Wie ich in den Jahren zuvor schon sagte: Man kann eine Seder auch daheim mit Freunden verbringen und Essen selber zubereiten. Selbst ein Alleinefeiern ist keine Schande.
Mag sein, dass meine Meinung stereotyp klingt: Wenn ein Jude, egal, welcher Herkunft und welchen Geschlechts, älter als 50 Jahre ist und immer noch nach Schabbatessen bzw. Pessach – Sedern suchen muss, tut er mir leid. Das schaut aus als sei die Person irgendwo allein sitzengelassen worden.
Aber das ist jetzt nur meine persönliche Ansicht und jeder kann ja im Grunde machen, wonach es ihm beliebt. 🙂
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