Haredische Gesellschaft/Leserfrage

Leserfrage: „Von was leben ultra – orthodoxe Juden ?“

B“H
Zuerst einmal muss ich erwähnen, dass es die Betitelung ULTRA – ORTHODOX im Hebräischen nicht gibt, sondern lediglich in der deutschen sowie der englischen Sprache. In Israel wird zwischen säkuler, nationalrelig. (bunte gehäkelte Kipah auf dem Kopf) sowie haredi unterschieden. Bei den Haredim handelt es sich um all jene frommen Juden, die eine schwarze seidene Kipah auf dem Kopf haben, ggf. ein weisses Hemd, eine schwarze Hose oder / und einen schwarzen Hut tragen. Innerhalb der haredischen (ultra – orthodoxen) Gesellschaft existieren intern zahlreiche weitere Unterscheidungen. Wer, z.B., eine schwarze Kipah auf dem Kopf hat, eine schwarze Hose trägt, aber kein weisses, sondern ein farbiges Hemd trägt, gilt als weniger fromm. Hierzu gibt es Tausende winzige Details, welche in der regulären Presse nie hervorgehoben werden. Eben weil dieses Wissen meistens nur innerhalb der haredischen Gesellschaft besteht und außerhalb kaum etwas davon bekannt ist.
Aber egal !
Ein Leser fragte nach, wovon denn die ultra – orthodoxen Juden in Israel leben ? Heisst, wie bestreiten sie ihren Lebensunterhalt und wie zahlen sie Miete und Rechnungen ?
Ich nehme an, dass derlei Fragen insbesondere mit dem aktuellen Hintergrund der israelischen Armeeteilnahme aufkommen. Leider werden in den Medien viel zu wenig Details erörtert und teilweise ein vollkommen falsches Bild vermittelt. Des Weiteren nervt es, wenn Nichtjuden oder anderweitige Außenstehende ihre Meinungen abliefern. Leute, die absolut keine Ahnung von der haredischen Gesellschaft haben geschweige denn jemals Mitglied waren.
Bis vor mehreren Jahren lebte ich selbst innerhalb der haredischen Gesellschaft und wen es interessiert, der kann dazu HIER nachlesen !
Wie leben nun die ultra – orthodoxen Juden Israels und wie bestreiten sie ihren Lebensunterhalt ? Ganz einfach … indem viele von ihnen arbeiten. Seit jeher arbeiten sehr viele Haredim und das zumeist innerhalb ihrer eigenen Gemeinden. Als Rabbiner, Lehrer, Schochet (professioneller Schächter) oder Maschgiach (Kaschrut – Supervisor).
Darüber hinaus entstanden in den letzten Jahrzehnten zahlreiche haredische Hightech – Unternehmen. Insbesondere im Technology Park nahe Sanhedria in Jerusalem oder in Beit Shemesh. Hinzu kommt, dass es eine bedeutende Anzahl haredischer Ärzte, Makler odder Kaufleute gibt. Unter anderem handelt es sich bei Israels größter Optikerkette „Optika Halperin“ um ein Unternehmen ultra – orthodoxer Juden.
Halten wir also fest: Haredim arbeiten seit jeher und etliche besitzen Fabriken, Dienstleistungsbetriebe sowie sonstige Unternehmen.
Dann gibt es jene Haredim, die Thora und Talmud lernen. Sobald sie verheiratet sind, lernen sie in einer Einrichtung namens KOLLEL. Ihr Gehalt, was normalerweise ziemlich dürftig ausfällt, erhalten sie vom Kollel. Das Kollel wiederum wird teils vom Staat Israel unterstützt. Nicht nur ein Kollel, sondern der Gesetzeslage nach jede Yeshiva (relig. Lerninstitut). Ob haredi oder nationalreligiös.
Hierbei jedoch muss man auspassen, nicht zu verallgmeinern ! Einige Yeshivot und Kollelim nehmen Geld vom Staat an, andere nicht ! Es ist ganz wichtig hier zu unterscheiden !
Genauso wie es wichtig ist zu unterscheiden, dass es Haredim gibt, die vom Staat unterstützt werden und andere nicht.
Zahlreiche antizionistische Gruppierungen wie die Toldot Aharon, Dushinsky, Satmar, die originalen Breslover und viele weitere, nehmen keinerlei Geld vom Staat Israel an, sondern finanzieren sich vorwiegend durch Spenden aus dem Ausland. Die chassidische Gruppe Satmar (New York) ist sehr reich und unterstützt finanziell die Gruppen Toldot Aharon sowie Toldot Avraham Yitzchak. Darüber hinaus leben in den USA sowie in Kanada eine Menge gutbetuchte fromme Juden, welche haredischen Gruppen Gelder zukommen lassen. Bei den genannten Gruppen geschieht dies überwiegend im gesetzlichen Rahmen. Zum Beispiel hat die chassidische Gruppe Toldot Avraham Yitzchak einen eigenen Steuerberater in den USA.
Israels Finanzminister und Haredim – Hasser Ya’ir Lapid kündigte an, dass diejenigen haredischen Schulen, welche Geld vom Staat Israel erhalten, dem staatlichen Lehrplan unterliegen. Im Klartext heisst dies, dass auch weltliche Fächer wie Englisch unterrichtet werden müssen. In vielen Mädchenschulen ist dies bereits jahrelang der Fall. Beispiel: Die chassidische Gruppe Vishnitz.
Auch EDV – Unterricht steht auf dem Lehrplan, wobei dieser in vielen haredischen Schulen schon jahrelang stattfindet. Neulich erzählte mir ein Chassid, dass seine Gruppe Computer für die hauseigene Mädchenschule anschaffen wolle. Ya’ir Lapid versprach in solch einem Fall finanzielle Hilfe vom Staat. Die aber kam nicht und nun ist die chassidische Gruppe gezwungen, Computer für 1500 Mädchen aus eigener Tasche anzuschaffen. Nicht, dass jede der Schülerinnen einen PC erhält, doch bei der hohen Anzahl von Schülerinnen, muss gewaltig inverstiert werden. Heisst, man ist wieder auf fromme jüdische Spenden aus den USA angewiesen.
Dazu sei gesagt, dass die Mehrzahl der chassidischen Gruppen sowie haredischer Yeshivot lediglich Spenden von frommen Juden annimmt. Von Juden, die den Schabbat einhalten, z.B. Auf diese Weise soll verhindert werden, dass Juden am Schabbat arbeiten.
Soweit mein kleiner Bericht über die Herkunft von Geldern in der haredischen Gesellschaft Israels.
Link:
GLOSSARY ZUM JUDENTUM
Kommentar:
Liebe Miriam
habe grade deinen Artikel über sog. Ultra – Orthodoxe gelesen.
Vielleicht wäre es für die Leser noch interessant zu wissen, dass der Begriff “ Orthodoxie“ ( Rechtgläubig!) ein christlicher Ausdruck ist und nicht aus dem Judentum stammt.
Der Begriff wurde erst angewendet, nachdem in DE ein grosser Teil liberal / reform wurde. Vorher gab es einfach nur Juden.
Herzlicher Gruss und Danke für all deine Arbeit:-)
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