Philosophie/Purim/Rabbi Joseph Dov Soloveitchik/Tod im Judentum

Rabbi Joseph B. Soloveitchik über die menschliche Verwundbarkeit

B“H
Es dürfte wohl keinerlei Zweifel daran bestehen, dass wir Menschen den Drang verspüren, etwas Großes im Leben erreichen zu wollen. Wobei GROß natürlich eine Sache der Interpretation ist. Nichtsdestotrotz, ein Jeder von uns setzt sich seine eigenen individuellen Ziele im Leben und falls diese nicht in die Tat umgesetzt werden können, so hören wir dennoch niemals auf, von einer Verwirklichung zu träumen. In Rabbi Joseph B. Soloveitchiks Essays DAYS OF DELIVERANCE – Essays on Purim and Hanukkah – heisst es, dass der Mensch dreierlei Realitäten leben kann:
Er kann sich an die Vergangenheit zurückerinnern. Ebenso leben wir Menschen in der Gegenwart. Was uns hingegen verborgen bleibt, ist die Aussicht auf die Zukunft. Das Einzige, was wir tun können ist, uns um die Zukunft zu sorgen: Was wird sein ? Demnach handelt es sich bei der dritten Realität um die SORGE.
Was wir meistens vergessen oder bequemerweise lieber ignorieren: Wir sind verwundbare sterbliche Wesen ! Klar, wir besitzen unsere besonderen Fähigkeiten, aber gleichzeitig wissen wir nichts über den Tod.
Oder mit anderen Worten ausgedrückt: Trotz Erfolg und Errungenschaften in Wissenschaft, Wirtschaft oder der Arbeitswelt, müssen wir einmal sterben. Rabbi Soloveitchik schreibt, dass unser aller Verwundbarkeit ein Bedürfnis verursacht. Die Frage ist, wie sollen wir mit unserer Verwundbarkeit bzw. der Tatsache, dass unser Leben zeitlich begrenzt ist, umgehen. Antwort: Gebet. Indem wir G – tt als die höchste Instanz akzeptieren.
Rabbi Soloveitchik sieht in der Megillath Esther (dem Buch Esther) ein Buch, welches die Verwundbarkeit des Menschen aufzeigt. Insbesondere die der Juden.
Heute noch sind wir gesund, erfolgreich und oben auf. Morgen hingegen kann alles urplötzlich sein Ende finden.
Als bestes Beispiel dienen die Juden von Schuschan (im heutigen Iran). Laut der Midrash Esther Rabbah 7:13 nahmen allein 18,500 Juden am riesigen Fest des König Achaschwerosch teil. Das Fest war so gigantisch, dass Abertausende Gäste teilnahmen und sich tagelang labten. Von den jüdischen Teilnehmern wird berichtet, dass sie sich mit unkoscherem Essen und Wein vollstopften. Man zog es vor, sich zu assimilieren und wollte so sein, wie alle anderen auch. Doch wie wir wissen, ist es einem Juden unmöglich, seinem von G – tt gesetzten Schicksal zu entkommen. Genau das hatten zahlreiche Juden in Nazi – Deutschland versucht, indem sie sich mit dem Regime zu arrangieren versuchten. Das Resultat kennen wir.
Beim Fest des Achaschwerosch sahen sich die Juden als akzeptiert, erfolgreich und oben auf. Man hatte es in im babylonischen Exil zu etwas gebracht. Kurz darauf unterzeichnete der König einen Erlass, der die Juden zur Vernichtung freigab.
An einem Tag fühlten sich die Juden absolut sicher, am nächsten Tag wurden sie zum Abschuß freigegeben und ihr selbsterbautes Kartenhaus fiel in Sekunden zusammen. Niemals sollten wir unserer so sicher sein. Weder in der Diaspora noch in Israel ! Und niemals dürfen wir uns auf andere Völker verlassen, denn am Ende haben wir nur G – tt !
Rabbi Joseph B. Soloveitchik schreibt:
Bei Purim handelt es sich um eine Story, die uns von Millionen von Menschen berichtet. All diese liberal – denkenden Babylonier. Anständige gebildete Leute, die die angeordnete Vernichtung der Juden widerspruchslos in Kauf nahmen. Niemand fragte, ob er das tolerieren könne.
Wir Ihr seht, handelt es sich bei Purim und seiner Story (dem Buch Esther) keineswegs um olle Kamellen, sondern um eine immer wiederkehrende Realität. Bis in die heutige Zeit hinein und darüber hinaus !
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