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Parashat Schlach Lecha: „Gibt es einen Unterschied zwischen den Spionen und den Juden heute ?“

 Jaffa Road / Downtown Jerusalem
Photo: Miriam Woelke
B“H  
Die Thoralesung für diesen Schabbat
Die dieswöchige Thoralesung berichtet uns ausführlich, wie Moshe die Spionen entsandte, um das Land Israel (damals noch Canaan) auszukundschaften. G – tt hatte Moshe nicht angewiesen, dies zu tun, denn Er selber hatte den Juden versprochen, sie in ein Land zu führen, welches GUT (TOV) ist. Warum also dann Spione entsenden ? Vertraute man nicht auf das Versprechen G – ttes ? Offenbar vertrauten nicht alle Juden in der Wüste.
Kommentare besagen, dass viele von ihnen auch gar nicht bereit waren, ihr geordnetes Leben aufzugeben. Erst einmal im Heiligen Land angekommen, sollten sie nach israelischen Stämmen territorial aufgeteilt werden und ihr Land selbst bearbeiten. Arbeiten, um sich einen Lebensunterhalt zu erwirtschaften. In der Wüste hingegen kam alles von G – tt. Von der Nahrung MAN (Manna) bis hin zum Wasser sowie dem Schutz vor Feinden. Plötzlich auf sich allein gestellt sein: Davor hatten nicht wenige Israeliten Angst.
G – tt sagte Moshe, dass Moshes Entscheidung, die Spione doch noch loszuschicken, auf dessen eigene Kappe gehe. Moshe seinerseits hatte sich von den Juden breitschlagen lassen und stimmte letztendlich der Entsendung der Spione zu. So machten diese sich auf den Weg und erforschten das gesamte Land Israel. Vom Süden bis hinauf in den Norden.
Am 9. des Monat Av (ca. Ende Juli / Anfang August) kehrten sie ins Lager der Israeliten zurück und verbreiteten Panik. Nicht, dass sie mit ihren negativen Berichten logen, sondern ihr Fehler war, dass sie eben alles nur negativ darstellten, anstatt die Vorteile zu sehen und auf G – tt zu vertrauen. Die Juden verfielen in Panik und wollten nicht mehr ins Gelobte Land ziehen. G – tt bestrafte fast die gesamte Generation der Spione, indem sie innerhalb der 40 Wanderjahre allmählich starben. Es sollte eine neue Generation heranwachsen, welche schliesslich in Israel Einzug hielt.
Außerdem hat der 9. des jüdischen Monat Av bis heute folgenschwere Auswirkungen auf das Judentum. Da die Juden nach dem Bericht der Spione klagten und jammerten anstatt auf G – tt zu vertrauen, machte G – tt diesen Tag zum Trauertag. Beide Jerusalemer Tempel wurden am 9. Av zerstört. Einmal von den Babylonier und viele Jahre später von den Römern. Und bis heute ist der Tisha be’Av, der 9. Av., deswegen ein Trauertag im Judentum, an dem 25 Stunden lang gefastet wird. Ähnlich dem Yom Kippur.
Der Maharal von Prag (16. Jahrhundert) schrieb in seinem Thorakommentar GUR ARYEH, dass aus den ursprünglich rechtschaffenden Spionen Menschen wurden, die sich von negativen Meinungen beeinflussen liessen. Sprich, aus den Spionen wurden Diener derjenigen, die G – tt nicht trauten und die Entsendung von Spionen forderten. Von Kundschaftern, die Israel ausspionieren, ob da auch wirklich Milch und Honig fliesse.
Der Maharal kommt zu der Schlussfolgerung, dass die Juden damals noch nicht reif für den Einzug in das Gelobte Land waren und sie deshalb viele Jahre durch die Wüste wandern mussten, ehe sie am Ende doch den Weg nach Israel fanden. Zu sehr waren sie an die tagtäglich stattfindenden G – tteswunder wie das fallende Manna oder den Brunnen der Miriam gewohnt als dass sie sich auf Natur und Alltag eingelassen hätten. Wer nur Wunder erlebt, der kommt nicht mehr so einfach in den Alltag zurück.
Und was hat diese Thoralesung mit uns zu tun ?
Seien wir ehrlich und stellen uns die Frage, ob wir anders gehandelt hätten. Schauen wir auf die heutigen Diasporajuden, die aus ganz unterschiedlichen Gründen nicht nach Israel einwandern, sondern lieber die Bequemlichkeiten der Diaspora geniessen. Vor einiger Zeit startete ich auf einem meiner deutschen Blogs eine Umfrage, warum deutsche Juden nicht nach Israel ziehen wollen. Die Mehrheit antwortete: Wir haben Angst, keine Arbeit und Wohnung zu finden.
Das Leben in Israel ist alles andere als einfach, es sei denn, man kommt mit einem Sack voller Geldmünzen. Die Wenigsten sind dazu in der Lage und so findet der alltägliche Kampf ums Überleben statt. Da lebt es sich in der Schweiz, in Deutschland oder Österreich wesentlich angenehmer. Man schaue nur auf all die sozialen Absicherung, obwohl die Leute dort ständig am Jammern sind. In Israel deckt die Sozialhilfe noch nicht einmal die Miete und der Bedürftige kann sehen, wo er bleibt.
Trotzdem existiert viel Positives in unserem Land. Die Leute sind anders und nicht so starr wie in Europa. Das Land Israel ist wunderschön und ich denke dabei an die sanften kühlen Sommerbrisen, die des nachts über Jerusalem ziehen. Das Judentum kann offen gelebt werden und jeder wird, wenn er denn will, seine Nische in der Gesellschaft finden.
Wer die Augen aufmacht, der findet ein Land, in dem Milch und Honig fliessen. Man muss nur bereit sein, dies zu erkennen und nicht ständig mäkeln, dass in Europa der Standard höher und daher besser sei. Vielleicht sollten sich die Juden in der Diaspora, und dies geht die USA oder Kanada, genau so an, darüber Gedanken machen, was ihnen im Leben wirklich wichtig ist.
Ich gehöre garantiert nicht zu den großen Befürwortern unserer Regierung, dennoch bin ich heilfroh, in Israel und nicht in der Diaspora zu leben. Hierzulande brauchen sich Juden nicht ständig rechtfertigen und ich möchte mit keinem Diasporajuden jemals tauschen. Trotz aller antizionistischen Thesen würde ich dennoch gern den berühmten Rabbi Naftali Zvi Yehudah Berlin (der NETZIV) sowie Rabbi Yechiel ben Shlomo Heilfried, dem Autor des Buches SEDER HA’DOROT, zitieren. 
Rabbi Berlin (genannt DER NETZIV) schrieb in seinem Kommentar zur Pessach Haggadah, dass es zur Zeit des Moshe zahlreiche wohlhabende und Pharaotreue Juden in Ägypten gab. Juden, die sich in hohe Regierungspositionen gearbeitet und dem System angepasst hatten. Von ihrer eigenen Herkunft wollten sie nichts mehr wissen. Man kann es auch „totale Assimilation“ nennen. Diesen Juden ging es gut und sie hatten alles, was sie brauchten. Warum also sollten sie G – tt und Moshe folgen, um in ein ihnen unbekanntes und wahrscheinlich desolates Land geführt zu werden ? Wieso all das schöne Leben gegen die Ungewissheit eintauschen ?
Der Talmud Traktat Yoma hebt hervor, dass nach dem babylonischen Exil nur eine geringe Anzahl von Juden bereit war, unter Ezra nach Israel zurückzukehren, um den Zweiten Tempel zu erbauen. Und das, obwohl die Juden vom damaligen persischen König die Erlaubnis erhalten hatten, nach Israel zurückkehren zu dürfen. Und was geschah ? Die Mehrheit wollte gar nicht mehr zurück, denn man hatte sich in der Diaspora ein neues Leben aufgebaut. Geschäfte eröffnet, sich etabliert und es ging einem gut. Warum also in ein zerstörtes Jerusalem gehen und abermals von vorn beginnen ?
Rabbi Yechiel ben Shlomo Heilfried kommentiert, dass Ezra in sämtliche jüdische Diasporagemeinden Botschaften entsandte, in denen er die Juden bat, nach Israel zurückzukommen. Auch die jüdische Gemeinde Worms erhielt solch eine Botschaft, doch wie lautete die Antwort ?
„Du (Ezra) kannst Dein großes Jerusalem in Israel aufbauen, aber wir in Worms bauen unser eigenes kleines Jerusalem“.
Bis heute ein Hohn, wenn Diasporagemeinden sich „kleines Jerusalem“ nennen !
Worms aber stand symbolisch für die gesamte Diaspora. Weder aus Tunesien, noch aus Babylon, Europa oder dem Jemen wollten die Juden wieder nach Israel ziehen. Man hatte es sich in der Diaspora bequem gemacht und eine Rückkehr nach Israel wurde als nichts Weiteres als Strafe betrachtet.
Klar, exisitieren vielerlei unterschiedliche Meinungen, doch eine Ansicht besagt, dass der Zweite Tempel niemals die Heiligkeit erlangte, welche noch im Ersten Tempel vorhanden war. Der Talmud lehrt, dass dies geschah, weil nur wenige Juden aus der Diaspora nach Israel zogen und der Rest im Wohlstand verblieb. Weiter bestehen Meinungen, dass deshalb bis heute der Meschiach noch nicht eingetroffen ist.
Schabbat Schalom !
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Rabbi Chaim Eisen steuerte die Quellen des NETZIV sowohl als auch den Kommentar des Rabbi Heilfried bei. Rabbi Eisen tat dies auch um an den im Jahre 1980 in Hebron ermordeten Zvi Glatt zu erinnern.
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